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AS 2010 1077

Verordnung des EJPD über audiometrische Messmittel

Verordnung des EJPD über audiometrische Messmittel (Audiometrieverordnung)

vom 9. März 2010

Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD), gestützt auf Artikel 9 Absatz 2 des Bundesgesetzes vom 9. Juni 19771 über das Messwesen sowie auf die Artikel 5 Absatz 2, 16 Absatz 2, 17 Absatz 2, 24 Absatz 3 und 33 der Messmittelverordnung vom 15. Februar 20062 (Messmittelverordnung), verordnet:

Art. 1 Gegenstand Diese Verordnung regelt: a. die Anforderungen an audiometrische Messmittel; b. das Verfahren für das Inverkehrbringen audiometrischer Messmittel; c. die Verfahren zur Erhaltung der Messbeständigkeit audiometrischer Mess- mittel.

Art. 2 Geltungsbereich Dieser Verordnung unterstehen Messmittel, die für audiometrische Prüfungen zu gesundheitsrelevanten Zwecken verwendet werden, namentlich: a. Audiometer; b. Hörprüfkabinen.

Art. 3 Begriffe In dieser Verordnung bedeuten: a. audiometrische Prüfung: Prüfung, die der Feststellung der Hörfähigkeit dient; b. Audiometer: Messmittel, das der Ermittlung der Hörschwelle für Töne ver- schiedener Frequenzen oder der Sprachverständlichkeit dient, einschliesslich Geräuschquellen, wie Abspielvorrichtungen mit zugehörigen Tonträgern und Dateien, und Schallwandlern, wie Kopf- und Knochenleitungshörer sowie Lautsprecher für das freie Schallfeld;

SR 941.216

2009-2565 1077

Audiometrieverordnung AS 2010

c. Hörprüfkabine: schallabsorbierend ausgekleidete Messkabine, in der audio- metrische Prüfungen vorgenommen werden.

Art. 4 Anforderungen Audiometer und Hörprüfkabinen müssen die grundlegenden Anforderungen nach Anhang 1 der Messmittelverordnung und die entsprechenden Anforderungen nach dem Anhang dieser Verordnung erfüllen.

Art. 5 Verfahren für das Inverkehrbringen

1 Audiometer und Hörprüfkabinen bedürfen einer ordentlichen Zulassung und einer

Ersteichung nach Anhang 5 der Messmittelverordnung.

2 Bei der Installation einer neuen Hörprüfkabine hat eine Abnahmemessung durch

das Bundesamt für Metrologie (METAS) oder eine Eichstelle zu erfolgen.

Art. 6 Nacheichung von Audiometern

1 Audiometer müssen jährlich einer Nacheichung nach Anhang 7 Ziffer 1 der Mess-

mittelverordnung unterzogen werden.

2 Das METAS oder eine Eichstelle führt die Nacheichung durch.

3 Das METAS kann die Fristen für einzelne Messmittel oder Bauarten verlängern

oder verkürzen, wenn die messtechnischen Eigenschaften dies erlauben oder verlan- gen.

Art. 7 Nacheichung von Hörprüfkabinen

1 Die Nacheichung von Hörprüfkabinen erfolgt alle sechs Jahre.

2 Wird die Hörprüfkabine baulich verändert, muss eine neue Abnahmemessung nach

Artikel 5 Absatz 2 durchgeführt werden.

Art. 8 Übergangsbestimmung Messmittel, die vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung in Verkehr gebracht wur- den, können weiterhin verwendet werden, sofern sie den Anforderungen nach Arti- kel 4 genügen.

Art. 9 Inkrafttreten Diese Verordnung tritt am 1. April 2010 in Kraft.

9. März 2010 Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement: Eveline Widmer-Schlumpf

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Audiometrieverordnung AS 2010

Anhang (Art. 4)

Anforderungen an die Eichung von Audiometern und Hörprüfkabinen

1 Einleitung

1.1 Die Anforderungen an die Eichung von Audiometern und Hörprüfkabinen

finden sich in den untenstehenden Tabellen und Erläuterungen.

1.2 Die folgenden Normen und Empfehlungen können als Vollzugshilfen heran-

gezogen werden: a. OIML International Recommendation R104: Pure Tone Audiometers; b. OIML International Recommendation R122: Equipment for speech audiometry; c. IEC 60645-1: Audiometers, Part 1: Pure-tone audiometers; d. IEC 60645-2: Audiometers, Part 2: Equipment for speech audiometry; e. ISO 8253: Acoustics – Audiometric test methods.

2 Eichung von Audiometern

2.1 Es werden zwei Eichverfahren mit der Bezeichnungen «A» und «B» unter-

schieden (siehe Tabellen 1–4). Die Audiometer werden jährlich, alternierend nach Verfahren A und B geeicht. Neue Audiometer werden zuerst nach Ver- fahren B geeicht. Eine Eichung umfasst Messungen mit: – Kopfhörer und künstlichem Ohr (für die Luftleitung): Tabelle 1; – Knochenhörer und Mastoid (für die Knochenleitung): Tabelle 2; – Lautsprecher in der Kabine (für das Freifeld): Tabelle 3; – rein elektrischen Signalen (Linearität): Tabelle 4.

2.2 Zusätzlich sind für die Sprach-Audiometrie die folgenden Prüfungen vorzu-

nehmen, die sowohl mit Kopfhörer als auch im freiem Schallfeld durchzu- führen sind: – Überprüfung des Abspielgerätes; – Kalibrierung der Pegel im Kuppler und im freien Schallfeld für alle verwendeten Tonträger; Falls nötig wird eine Liste mit Einstellwerten für die einzelnen Tonträger erstellt; – Überprüfung der Störgeräusche in der Kabine, Kontrolle der Lüftungs- geräusche;

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Audiometrieverordnung AS 2010

2.3 Für die Eichung des Sprachsignals wird der Pegel in dB SPL angegeben. Die

Messung erfolgt mit «Impuls» und linearer Frequenzbewertung. Es werden die Messungen von 10 Sätzen gemittelt.

Tabelle 1 Luftleitung: Messungen mit Kopfhörer und künstlichem Ohr

Signalart Parameter Messbereich Toleranz Seite Verfahren

Sinuston Frequenz 125 Hz–8 kHz ±5% Links (L) A und B (11 Messpunkte) und Pegel bei einem Pegel ± 3 dB rechts (R) zwischen 75 und (125 Hz–4 kHz)

110 dBHL ± 5 dB

(4 kHz–8 kHz)

Klirrfaktor 125 Hz–4 kHz 2,5 % (9 Messpunkte) bei einem Pegel zwischen 75 und

110 dBHL

Schmal- Pegel 125 Hz–8 kHz ± 3 dB band- (11 Messpunkte) (125 Hz–4 kHz) rauschen bei einem Pegel ± 5 dB zwischen 60 und (4 kHz–8 kHz)

80 dBHL

Weisses bei einem Pegel ± 5 dB Rauschen zwischen 70 und

90 dBHL. Der

Sprach- Sprachpegel muss Rauschen auf Linear/Impuls gemessen werden. Die Justierung ist Sprache ohne Korrektur- faktor auszufüh- ren.

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Audiometrieverordnung AS 2010

Tabelle 2 Knochenleitung: Messungen mit Knochenhörer und Mastoid

Signalart Parameter Messbereich Toleranz Seite Verfahren

Sinuston Frequenz 250 Hz–6 kHz ±5% Links (L) A und B (8 Messpunkte) und Pegel bei einem Pegel ± 3 dB rechts (R) zwischen 20 und (250 Hz–4 kHz)

60 dBHL ± 5 dB

(4 kHz–6 kHz)

Klirrfaktor 250 Hz–4 kHz 5,5 % (8 Messpunkte) bei einem Pegel zwischen 20 und

60 dBHL

Schmal- Pegel 250 Hz–6 kHz ± 3 dB frei- band- (8 Messpunkte) (250 Hz–4 kHz) willig rauschen bei einem Pegel ± 5 dB zwischen 20 und (4 kHz–6 kHz)

60 dBHL

Weisses bei einem Pegel ± 5 dB Rauschen zwischen 20 und

60 dBHL

Sprach- Rauschen

Sprache

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Audiometrieverordnung AS 2010

Tabelle 3 Freifeld: Messungen mit Lautsprecher in der Kabine

Signalart Parameter Messbereich Toleranz Seite Verfahren

Wobbelton Pegel 125 Hz–8 kHz ± 3 dB Links (L) A (11 Messpunkte) (125 Hz–4 kHz) und bei einem Pegel ± 5 dB rechts (R) zwischen 60 und (4 kHz–8 kHz)

90 dBHL

Schmal- bei einem Pegel ± 5 dB A und B band- zwischen 60 und rauschen 90 dBHL

Weisses Rauschen

Sprach- Rauschen

Sprache

Tabelle 4 Elektrische Messungen

Signalart Parameter Messbereich Toleranz Seite Verfahren

Sinuston Linearität 20 dB–120 dB ± 3 dB über den Links (L) B in 5-dB-Schritten ganzen Bereich; und ± 1 dB für ein- rechts (R) zelne Schritte

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Audiometrieverordnung AS 2010

3 Eichung von Hörprüfkabinen

3.1 Das maximal tolerierbare Grundgeräusch ergibt sich aus folgenden Anforde-

rungen: – Binaurale Freifeldmessungen sollen bis 0 dB HL hinunter möglich sein. – Die tiefste Testtonfrequenz soll 125 Hz sein können. – Die maximale grundgeräuschbedingte Unsicherheit darf 5 dB erreichen.

3.2 Es beträgt:

Frequenz Maximal zulässiger Frequenz Maximal zulässiger (Hz) Grundgeräuschpegel (Hz) Grundgeräuschpegel (dB ref. 20 µPa) (dB ref. 20 µPa)

31.5 60 630 13 40 52 800 12 50 46 1000 12 63 40 1250 12 80 35 1600 13 100 30 2000 13 125 25 2500 11 160 22 3150 9 200 20 4000 7 250 18 5000 9 315 16 6300 14 400 14 8000 20 500 13

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