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AS 2012 5573

Verordnung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht über die Insolvenz von Banken und Wertpapierhäusern (Bankeninsolvenzverordnung-FINMA, BIV-FINMA)

Verordnung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht über die Insolvenz von Banken und Effektenhändlern (Bankeninsolvenzverordnung-FINMA, BIV-FINMA)

vom 30. August 2012

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA), gestützt auf die Artikel 28 Absatz 2 und 34 Absatz 3 des Bankengesetzes vom 8. November 19341 (BankG), auf Artikel 36a des Börsengesetzes vom 24. März 19952 (BEHG) sowie auf Artikel 42 des Pfandbriefgesetzes vom 25. Juni 19303 (PfG), verordnet:

1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen

Art. 1 Gegenstand Diese Verordnung konkretisiert das Sanierungs- und Konkursverfahren nach den Artikeln 28–37g BankG.

Art. 2 Geltungsbereich 1 Diese Verordnung gilt für folgende, nachfolgend als Banken bezeichnete Institu- tionen und Personen: a. Banken nach dem BankG; b. Effektenhändler nach dem BEHG; c. Pfandbriefzentralen nach dem PfG. 2 Für natürliche und juristische Personen, die ohne die erforderliche Bewilligung tätig sind, sind die Bestimmungen zur Bankensanierung (Art. 40–57) nicht anwend- bar. Die FINMA kann sie jedoch dann für anwendbar erklären, wenn ein hinrei- chendes öffentliches Interesse vorliegt.

Art. 3 Universalität 1 Wird ein Konkurs- oder ein Sanierungsverfahren eröffnet, so erstreckt es sich auf sämtliche verwertbaren Vermögenswerte, die der Bank zu diesem Zeitpunkt gehö- ren, unabhängig davon, ob sie sich im In- oder im Ausland befinden.

SR 952.05

2011-2977 5573

Bankeninsolvenzverordnung-FINMA AS 2012

2 Alle in- und ausländischen Gläubiger und Gläubigerinnen der Bank und ihrer

ausländischen Zweigniederlassungen sind in gleicher Weise und mit gleichen Privi- legien berechtigt, am in der Schweiz eröffneten Konkurs- oder Sanierungsverfahren teilzunehmen.

3 Als Vermögenswerte einer in der Schweiz tätigen Zweigniederlassung einer aus-

ländischen Bank gelten alle Aktiven im In- und Ausland, die durch Personen begründet wurden, welche für diese Zweigniederlassung gehandelt haben.

Art. 4 Öffentliche Bekanntmachungen und Mitteilungen

1 Öffentliche Bekanntmachungen werden im Schweizerischen Handelsamtsblatt und

auf der Internetseite der FINMA publiziert.

2 Denjenigen Gläubigern und Gläubigerinnen, deren Name und Adresse bekannt

sind, werden Mitteilungen direkt zugestellt. Die FINMA kann, wenn dies der Ver- einfachung des Verfahrens dient, Gläubiger und Gläubigerinnen mit Sitz oder Wohnsitz im Ausland zur Bestellung eines oder einer Zustellungsbevollmächtigten in der Schweiz verpflichten. Bei Dringlichkeit oder zur Vereinfachung des Verfah- rens kann auf die direkte Mitteilung verzichtet werden.

3 Für den Fristenlauf und die mit der öffentlichen Bekanntmachung verbundenen

Rechtsfolgen ist die Veröffentlichung im Schweizerischen Handelsamtsblatt mass- gebend.

Art. 5 Akteneinsicht

1 Wer glaubhaft macht, dass er oder sie durch die Sanierung oder den Konkurs

unmittelbar in seinen oder ihren Vermögensinteressen betroffen ist, kann die Sanie- rungs- oder Konkursakten einsehen; dabei ist das Berufsgeheimnis nach den Arti- keln 47 BankG und 43 BEHG so weit als möglich zu wahren. 2 Die Akteneinsicht kann auf bestimmte Verfahrensstadien beschränkt oder aufgrund entgegenstehender überwiegender Interessen eingeschränkt oder verweigert werden. 3 Wer Akteneinsicht erhält, darf die Informationen lediglich zur Wahrung der eige- nen unmittelbaren Vermögensinteressen verwenden.

4 Die Akteneinsicht kann von einer Erklärung abhängig gemacht werden, aus der

hervorgeht, dass die eingesehenen Informationen ausschliesslich zur Wahrung der eigenen unmittelbaren Vermögensinteressen verwendet werden. Für den Fall der Zuwiderhandlung kann vorgängig auf die Strafdrohung nach Artikel 48 des Finanz- marktaufsichtsgesetzes vom 22. Juni 20074 und Artikel 292 des Schweizerischen Strafgesetzbuches5 hingewiesen werden. 5 Der oder die Sanierungsbeauftragte oder der Konkursliquidator oder die Konkurs- liquidatorin und, nach Abschluss des Sanierungs- oder Konkursverfahrens, die FINMA entscheiden über die Akteneinsicht.

4 SR 956.1 5 SR 311.0

Bankeninsolvenzverordnung-FINMA AS 2012

Art. 6 Anzeige an die FINMA

1 Wer durch einen Entscheid, eine Handlung oder eine Unterlassung einer Person,

die von der FINMA mit Aufgaben nach dieser Verordnung betraut wurde, in seinen Interessen verletzt wird, kann diesen Sachverhalt der FINMA anzeigen.

2 Die Entscheide dieser Personen sind keine Verfügungen und die anzeigenden

Personen sind keine Parteien im Sinne des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 19686 über das Verwaltungsverfahren.

3 Die FINMA beurteilt den angezeigten Sachverhalt, trifft die notwendigen Mass-

nahmen und erlässt, falls erforderlich, eine Verfügung.

Art. 7 Insolvenzort 1 Der Insolvenzort befindet sich am Sitz der Bank oder der Zweigniederlassung einer ausländischen Bank in der Schweiz.

2 Hat eine Bank mehrere Sitze oder eine ausländische Bank mehrere Zweignieder-

lassungen in der Schweiz, so gibt es nur einen Insolvenzort. Diesen bestimmt die FINMA.

3 Bei natürlichen Personen befindet sich der Insolvenzort am Ort des Geschäfts-

domizils im Zeitpunkt der Eröffnung des Konkurs- oder Sanierungsverfahrens.

Art. 8 Aus den Büchern ersichtliche Forderungen und Verpflichtungen Eine Forderung oder eine Verpflichtung der Bank gilt dann als aus den Büchern der Bank ersichtlich, wenn die Bücher der Bank ordnungsgemäss geführt sind und der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin ihnen tatsächlich entnehmen kann, dass und in welchem Umfang die Forderung oder die Verpflichtung besteht.

Art. 9 Koordination Die FINMA und der oder die Sanierungsbeauftragte oder der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin koordinieren ihr Handeln soweit möglich mit in- und ausländischen Behörden und Organen.

Art. 10 Anerkennung ausländischer Konkursdekrete und Massnahmen

1 Anerkennt die FINMA ein ausländisches Konkursdekret oder eine ausländische

Insolvenzmassnahme nach Artikel 37g BankG, so sind für das in der Schweiz be- findliche Vermögen die Bestimmungen dieser Verordnung anwendbar.

2 Die FINMA kann einem Anerkennungsersuchen auch ohne Vorliegen des Gegen-

rechts entsprechen, sofern dies im Interesse der betroffenen Gläubiger und Gläubi- gerinnen liegt.

3 Sie bestimmt den einheitlichen Insolvenzort in der Schweiz und den Kreis der

Gläubiger und Gläubigerinnen nach Artikel 37g Absatz 4 BankG.

6 SR 172.021

Bankeninsolvenzverordnung-FINMA AS 2012

4 Sie macht die Anerkennung sowie den Kreis der Gläubiger und Gläubigerinnen

öffentlich bekannt.

2. Kapitel: Konkurs

1. Abschnitt: Verfahren

Art. 11 Publikation und Schuldenruf

1 Die FINMA eröffnet der Bank die Konkursverfügung und macht sie unter gleich-

zeitigem Schuldenruf öffentlich bekannt.

2 Die Publikation enthält insbesondere folgende Angaben:

a. Name der Bank sowie deren Sitz und Zweigniederlassungen; b. Datum und Zeitpunkt der Konkurseröffnung; c. Konkursort; d. Name und Adresse des Konkursliquidators oder der Konkursliquidatorin; e. Aufforderung an die Gläubiger und Gläubigerinnen und an Personen, die im Besitz der Bank befindliche Vermögensstücke beanspruchen, ihre Forderun- gen und Ansprüche innert angesetzter Frist dem Konkursliquidator oder der Konkursliquidatorin anzumelden und die entsprechenden Beweismittel vor- zulegen; f. Hinweis auf Forderungen, die nach Artikel 26 als angemeldet gelten; g. Hinweis auf die Herausgabe- und Meldepflichten nach den Artikeln 17–19.

3 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin kann den bekannten Gläubi-

gern und Gläubigerinnen ein Exemplar der Bekanntmachung zustellen.

Art. 12 Einsetzung eines Konkursliquidators oder einer Konkursliquidatorin

1 Die FINMA setzt mittels Verfügung einen Konkursliquidator oder eine Konkurs-

liquidatorin ein, sofern sie dessen oder deren Aufgaben nicht selber wahrnimmt.

2 Setzt die FINMA einen Konkursliquidator oder eine Konkursliquidatorin ein, so

hat sie bei der Auswahl darauf zu achten, dass dieser oder diese zeitlich und fachlich in der Lage ist, den Auftrag sorgfältig, effizient und effektiv auszuüben, und keinen Interessenkonflikten unterliegt, welche der Auftragserteilung entgegenstehen.

3 Sie präzisiert die Einzelheiten des Auftrags, insbesondere betreffend Kosten,

Berichterstattung und Kontrolle des Konkursliquidators oder der Konkursliquida- torin.

Bankeninsolvenzverordnung-FINMA AS 2012

Art. 13 Aufgaben und Kompetenzen des Konkursliquidators oder der Konkursliquidatorin Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin treibt das Verfahren voran. Er oder sie hat insbesondere: a. die technischen und administrativen Voraussetzungen für die Durchführung des Konkurses zu schaffen; b. die Konkursaktiven zu sichern und zu verwerten; c. die im Rahmen des Konkursverfahrens notwendige Geschäftsführung zu besorgen; d. die Konkursmasse vor Gericht und anderen Behörden zu vertreten; e. in Zusammenarbeit mit dem Träger der Einlagensicherung die Erhebung und die Auszahlung der nach Artikel 37h BankG gesicherten Einlagen zu besor- gen.

Art. 14 Gläubigerversammlung 1 Hält es der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin für angebracht, eine Gläubigerversammlung einzuberufen, so stellt er oder sie der FINMA einen entspre- chenden Antrag. Diese legt mit dem Entscheid die Kompetenzen der Gläubigerver- sammlung sowie die für die Beschlussfassung notwendigen Präsenz- und Stimmen- quoren fest.

2 Alle Gläubiger und Gläubigerinnen dürfen an der Gläubigerversammlung teilneh-

men oder sich vertreten lassen. In Zweifelsfällen entscheidet der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin über die Zulassung. 3 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin leitet die Verhandlungen und erstattet Bericht über die Vermögenslage der Bank und den Stand des Verfahrens.

4 Die Gläubiger und Gläubigerinnen können Beschlüsse auch auf dem Zirkularweg

fassen. Lehnt ein Gläubiger oder eine Gläubigerin den Antrag des Konkursliqui- dators oder der Konkursliquidatorin nicht ausdrücklich innert der angesetzten Frist ab, so gilt dies als Zustimmung.

Art. 15 Gläubigerausschuss

1 Die FINMA entscheidet auf Antrag des Konkursliquidators oder der Konkursliqui-

datorin über Einsetzung, Zusammensetzung, Aufgaben und Kompetenzen eines Gläubigerausschusses.

2 Hat der Träger oder die Trägerin der Einlagensicherung in wesentlichem Umfang

nach Artikel 37h BankG privilegierte Einlagen ausbezahlt, so hat er oder sie eine Person zu ernennen, die ihn oder sie im Gläubigerausschuss vertritt.

3 Die FINMA bestimmt den Vorsitzenden oder die Vorsitzende, das Verfahren für

die Beschlussfassung sowie die Entschädigung der einzelnen Mitglieder.

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2. Abschnitt: Konkursaktiven

Art. 16 Inventaraufnahme 1 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin errichtet ein Inventar über das zur Konkursmasse gehörende Vermögen.

2 Die Inventaraufnahme richtet sich nach den Artikeln 221–229 des Bundesgesetzes

vom 11. April 18897 über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG), soweit diese Verordnung nichts anderes bestimmt.

3 Die nach Artikel 37d BankG abzusondernden Depotwerte sind zum Gegenwert im

Zeitpunkt der Konkurseröffnung im Inventar vorzumerken. Das Inventar weist auf Ansprüche der Bank gegenüber dem Deponenten oder der Deponentin hin, die einer Absonderung entgegenstehen.

4 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin beantragt der FINMA die

Massnahmen, die zur Sicherung des zur Konkursmasse gehörenden Vermögens erforderlich sind. 5 Er oder sie legt das Inventar dem Bankier oder einer von den Eignern und Eigne- rinnen der Bank als Organ gewählten Person vor. Diese haben sich über die Voll- ständigkeit und Richtigkeit des Inventars zu erklären. Ihre Erklärung ist in das Inventar aufzunehmen.

Art. 17 Herausgabe- und Meldepflicht

1 Schuldner und Schuldnerinnen der Bank sowie Personen, welche Vermögenswerte

der Bank als Pfandgläubiger oder Pfandgläubigerinnen oder aus andern Gründen besitzen, haben sich innert der Eingabefrist nach Artikel 11 Absatz 2 Buchstabe e beim Konkursliquidator oder bei der Konkursliquidatorin zu melden und ihm oder ihr die Vermögenswerte zur Verfügung zu stellen.

2 Anzumelden sind Forderungen auch dann, wenn eine Verrechnung geltend

gemacht wird.

3 Ein bestehendes Vorzugsrecht erlischt, wenn die Meldung oder die Herausgabe

ungerechtfertigterweise unterbleibt.

Art. 18 Ausnahmen von der Herausgabepflicht

1 Als Sicherheit dienende Effekten und andere Finanzinstrumente müssen nicht

herausgegeben werden, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Verwer- tung durch den Sicherungsnehmer oder die Sicherungsnehmerin gegeben sind.

2 Diese Vermögenswerte sind jedoch dem Konkursliquidator oder der Konkursliqui-

datorin unter Nachweis des Verwertungsrechts zu melden und von diesem oder dieser im Inventar vorzumerken.

7 SR 281.1

Bankeninsolvenzverordnung-FINMA AS 2012

3 Der Sicherungsnehmer oder die Sicherungsnehmerin muss mit dem Konkursliqui-

dator oder der Konkursliquidatorin über den aus der Verwertung dieser Vermö- genswerte erzielten Erlös abrechnen. Ein allfälliger Verwertungsüberschuss fällt an die Konkursmasse.

Art. 19 Ausnahmen von der Meldepflicht Die FINMA kann bestimmen, dass für aus den Büchern ersichtliche Forderungen der Bank die Meldung der Schuldner und Schuldnerinnen unterbleiben kann.

Art. 20 Aussonderung

1 DerKonkursliquidator oder die Konkursliquidatorin prüft die Herausgabe von

Vermögensgegenständen, die von Dritten beansprucht werden. 2 Hält er oder sie einen Herausgabeanspruch für begründet, so gibt er oder sie den Gläubigern und Gläubigerinnen die Möglichkeit, die Abtretung des Bestreitungs- rechts nach Artikel 260 Absätze 1 und 2 SchKG8 zu verlangen, und setzt ihnen dazu eine angemessene Frist.

3 Hält er oder sie einen Herausgabeanspruch für unbegründet oder haben Gläubiger

und Gläubigerinnen die Abtretung des Bestreitungsrechts verlangt, so setzt er oder sie der Anspruch erhebenden Person eine Frist, innert der sie beim Gericht am Konkursort Klage einreichen kann. Unbenutzter Ablauf der Frist gilt als Verzicht auf den Herausgabeanspruch.

4 Die Klage hat sich im Fall einer Abtretung gegen die Abtretungsgläubiger und

Abtretungsgläubigerinnen zu richten. Der Konkursliquidator oder die Konkursliqui- datorin gibt dem oder der Dritten mit der Fristansetzung die Abtretungsgläubiger und Abtretungsgläubigerinnen bekannt.

Art. 21 Guthaben, Admassierung und Anfechtung

1 Fällige Forderungen der Konkursmasse werden vom Konkursliquidator oder der

Konkursliquidatorin, nötigenfalls auf dem Betreibungswege, eingezogen.

2 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin prüft Ansprüche der Kon-

kursmasse auf bewegliche Sachen, die sich im Gewahrsam oder Mitgewahrsam einer Drittperson befinden, oder auf Grundstücke, die im Grundbuch auf den Namen einer Drittperson eingetragen sind.

3 Er oder sie prüft, ob Rechtsgeschäfte nach den Artikeln 285–292 SchKG9 ange-

fochten werden können. Die Dauer eines vorausgegangenen Sanierungsverfahrens sowie einer vorgängig erlassenen Anordnung einer Schutzmassnahme nach Arti- kel 26 Absatz 1 Buchstaben e–h BankG werden an die Fristen der Artikel 286–288 SchKG nicht angerechnet.

8 SR 281.1 9 SR 281.1

Bankeninsolvenzverordnung-FINMA AS 2012

4 Beabsichtigt der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin, eine bestrittene Forderung oder einen Anspruch nach Absatz 2 oder 3 auf dem Klageweg weiterzu- verfolgen, so holt er oder sie von der FINMA die Zustimmung und zweckdienliche Weisungen ein. 5 Klagt der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin nicht, so kann er oder sie den Gläubigern und Gläubigerinnen die Möglichkeit geben, die Abtretung im Sinne von Artikel 260 Absätze 1 und 2 SchKG zu verlangen oder die betreffenden Forderungen und die übrigen Ansprüche nach Artikel 31 zu verwerten.

6 Gibt er oder sie den Gläubigern und Gläubigerinnen die Möglichkeit, die Abtre-

tung zu verlangen, so setzt er oder sie ihnen dazu eine angemessene Frist.

7 Die Verwertung nach Artikel 31 ist ausgeschlossen bei Anfechtungsansprüchen

nach Absatz 3 sowie bei Verantwortlichkeitsansprüchen nach Artikel 39 BankG.

Art. 22 Fortführung hängiger Zivilprozesse und Verwaltungsverfahren

1 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin beurteilt Ansprüche der

Konkursmasse, die im Zeitpunkt der Konkurseröffnung bereits Gegenstand eines Zivilprozesses oder eines Verwaltungsverfahrens bilden, und stellt der FINMA Antrag über deren Fortführung.

2 Lehnt die FINMA die Fortführung ab, so gibt der Konkursliquidator oder die

Konkursliquidatorin den Gläubigern und Gläubigerinnen die Möglichkeit, die Abtre- tung des Prozessführungsrechts im Sinne von Artikel 260 Absätze 1 und 2 SchKG10 zu verlangen, und setzt ihnen dazu eine angemessene Frist.

Art. 23 Einstellung mangels Aktiven

1 Reichen die Konkursaktiven nicht aus, das Konkursverfahren durchzuführen, so

beantragt der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin der FINMA, das Verfahren mangels Aktiven einzustellen.

2 In Ausnahmefällen führt die FINMA das Verfahren auch bei nicht ausreichenden

Konkursaktiven durch, namentlich wenn an dessen Durchführung ein besonderes Interesse besteht. 3 Beabsichtigt die FINMA das Verfahren einzustellen, so macht sie dies öffentlich bekannt. In der Bekanntmachung weist sie darauf hin, dass sie das Verfahren fort- führt, wenn innert einer bestimmten Frist ein Gläubiger oder eine Gläubigerin Sicherheit für den durch die Konkursaktiven nicht gedeckten Teil der Kosten des Verfahrens leistet. Die FINMA setzt die Frist an und legt die Art und die Höhe der Sicherheit fest. 4 Wird die festgelegte Sicherheit nicht fristgerecht geleistet, so kann jeder Pfand- gläubiger und jede Pfandgläubigerin bei der FINMA innerhalb einer von ihr ange- setzten Frist die Verwertung seines oder ihres Pfandes verlangen. Die FINMA beauftragt einen Konkursliquidator oder eine Konkursliquidatorin mit der Durchfüh- rung der Verwertung.

10 SR 281.1

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5 Die FINMA ordnet bei juristischen Personen die Verwertung der Aktiven an, für

die kein Pfandgläubiger oder keine Pfandgläubigerin fristgemäss die Verwertung verlangt hat. Verbleibt nach der Deckung der Verwertungskosten und der auf dem einzelnen Aktivum haftenden Lasten ein Erlös, so verfällt dieser nach Deckung der Kosten der FINMA an den Bund. 6 Wurde das Konkursverfahren gegen natürliche Personen eingestellt, so sind für das Betreibungsverfahren Artikel 230 Absätze 3 und 4 SchKG11 anwendbar.

3. Abschnitt: Konkurspassiven

Art. 24 Gläubigermehrheit

1 Bestehen gegenüber der Bank Forderungen zu gesamter Hand, so ist die Gesamt-

hand als eine von den berechtigten Personen getrennte Gläubigerin zu behandeln.

2 Solidarforderungen sind den Solidargläubigern und Solidargläubigerinnen zu

gleichen Teilen anzurechnen, soweit der Bank kein Verrechnungsrecht zusteht. Die Anteile gelten als Forderungen der einzelnen Solidargläubiger und Solidargläubige- rinnen.

Art. 25 Privilegierte Einlagen

1 Nach Artikel 37a BankG privilegierte Einlagen sind:

a. alle Kundenforderungen aus einer Bank- oder Effektenhandelstätigkeit, die in den Bilanzpositionen nach Artikel 25 Absatz 1 Ziffern 2.3–2.5 der Ban- kenverordnung vom 17. Mai 197212 verbucht sind oder verbucht sein müss- ten; b. Kassenobligationen, die auf den Namen des Einlegers oder der Einlegerin bei der Bank hinterlegt sind.

2 Keine privilegierten Einlagen im Sinne von Artikel 37a BankG sind:

a. auf den Inhaber oder die Inhaberin lautende Forderungen; b. Kassenobligationen, die nicht bei der Bank verwahrt werden; c. vertragliche und ausservertragliche Schadenersatzforderungen wie Ersatz- forderungen für nicht vorhandene Depotwerte nach Artikel 37d BankG.

3 Forderungen von Bankstiftungen nach Artikel 5 Absatz 2 der Verordnung vom

13. November 198513 über die steuerliche Abzugsberechtigung für Beiträge an anerkannte Vorsorgeformen und von Freizügigkeitsstiftungen nach Artikel 19 Absatz 2 der Freizügigkeitsverordnung vom 3. Oktober 199414 gelten als Einlagen der einzelnen Vorsorgenehmer und -nehmerinnen und Versicherten. Auszahlungen

11 SR 281.1 12 SR 952.02 13 SR 831.461.3 14 SR 831.425

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für diese Forderungen erfolgen hingegen an die jeweilige Bank- oder Freizügigkeits- stiftung.

Art. 26 Prüfung der Forderungen

1 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin prüft die angemeldeten und

die von Gesetzes wegen zu berücksichtigenden Forderungen. Er oder sie kann dabei eigene Erhebungen machen und die Gläubiger und Gläubigerinnen auffordern, zusätzliche Beweismittel einzureichen.

2 Von Gesetzes wegen zu berücksichtigen sind:

a. aus dem Grundbuch ersichtliche Forderungen samt dem laufenden Zins; und b. nach Artikel 8 aus den Büchern der Bank ersichtliche Forderungen. 3 Über die nicht aus den Büchern der Bank ersichtlichen Forderungen holt der Kon- kursliquidator oder die Konkursliquidatorin die Erklärung des Bankiers oder einer von den Eignern und Eignerinnen der Bank als Organ gewählten Person ein.

Art. 27 Kollokation

1 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin entscheidet, ob, in welcher

Höhe und in welchem Rang Forderungen anerkannt werden, und erstellt den Kollo- kationsplan. 2 Gehört zur Konkursmasse ein Grundstück, so erstellt er oder sie ein Verzeichnis der darauf ruhenden Lasten wie Pfandrechte, Dienstbarkeiten, Grundlasten und vorgemerkte persönliche Rechte. Das Lastenverzeichnis bildet Bestandteil des Kollokationsplans.

3 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin kann mit Zustimmung der

FINMA für registerpfandgesicherte Forderungen einen separaten Kollokationsplan erstellen, wenn Systemrisiken nur so begrenzt werden können.

Art. 28 Im Zivilprozess oder im Verwaltungsverfahren liegende Forderungen

1 Forderungen, die im Zeitpunkt der Konkurseröffnung bereits Gegenstand eines

Zivilprozesses oder eines Verwaltungsverfahrens in der Schweiz bilden, sind im Kollokationsplan zunächst pro memoria vorzumerken. 2 Verzichtet der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin auf die Fortführung des Zivilprozesses oder des Verwaltungsverfahrens, so gibt er oder sie den Gläubi- gern und Gläubigerinnen die Möglichkeit, die Abtretung im Sinne von Artikel 260 Absatz 1 SchKG15 zu verlangen.

3 Wird der Zivilprozess oder das Verwaltungsverfahren weder von der Konkurs-

masse noch von einzelnen Abtretungsgläubigern oder Abtretungsgläubigerinnen fortgeführt, so gilt die Forderung als anerkannt, und die Gläubiger und Gläubige- rinnen haben kein Recht mehr, diese mittels Kollokationsklage anzufechten.

15 SR 281.1

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4 Führen einzelne Abtretungsgläubiger oder Abtretungsgläubigerinnen den Zivilpro- zess oder das Verwaltungsverfahren fort, so dient der Betrag, um den im Rahmen ihres Obsiegens der Anteil des unterliegenden Gläubigers oder der unterliegenden Gläubigerin an der Konkursmasse herabgesetzt wird, zur Befriedigung der Abtre- tungsgläubiger oder Abtretungsgläubigerinnen bis zur vollen Deckung ihrer kollo- zierten Forderungen sowie der Prozesskosten. Ein Überschuss fällt an die Konkurs- masse.

Art. 29 Einsicht in den Kollokationsplan

1 Die Gläubiger und Gläubigerinnen können den Kollokationsplan im Rahmen von

Artikel 5 während mindestens 20 Tagen einsehen. 2 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin macht öffentlich bekannt, ab welchem Zeitpunkt und in welcher Form der Kollokationsplan eingesehen werden kann.

3 Er oder sie kann vorsehen, dass die Einsichtnahme beim Konkursamt am Konkurs-

ort erfolgen kann. 4 Er oder sie teilt jedem Gläubiger und jeder Gläubigerin, dessen oder deren Forde- rung nicht wie angemeldet oder wie aus den Büchern der Bank oder dem Grundbuch ersichtlich kolloziert wurde, die Gründe für die vollständige oder teilweise Abwei- sung der Forderung mit.

Art. 30 Kollokationsklage

1 Kollokationsklagen richten sich nach Artikel 250 SchKG16.

2 Die Klagefrist beginnt in dem Zeitpunkt zu laufen, ab dem in den Kollokationsplan Einsicht genommen werden kann.

4. Abschnitt: Verwertung

Art. 31 Art der Verwertung 1 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin entscheidet über die Art und den Zeitpunkt der Verwertung und führt diese durch.

2 Verpfändete Vermögensstücke dürfen nur mit Zustimmung der Pfandgläubiger und

Pfandgläubigerinnen anders verwertet werden als durch Verkauf an öffentlicher Steigerung.

3 Vermögenswerte können ohne Aufschub verwertet werden, wenn sie:

a. schneller Wertverminderung ausgesetzt sind; b. unverhältnismässig hohe Verwaltungskosten verursachen;

16 SR 281.1

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c. an einem repräsentativen Markt gehandelt werden; oder d. nicht von bedeutendem Wert sind.

Art. 32 Öffentliche Versteigerung

1 Öffentliche Versteigerungen richten sich nach den Artikeln 257–259 SchKG17,

soweit diese Verordnung nichts anderes bestimmt. 2 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin führt die Versteigerung durch. Er oder sie kann in den Steigerungsbedingungen ein Mindestangebot für die erste Versteigerung vorsehen. 3 Er oder sie macht die Möglichkeit der Einsichtnahme in die Steigerungsbedingun- gen öffentlich bekannt. Er oder sie kann die Einsichtnahme beim Konkurs- oder Betreibungsamt am Ort der gelegenen Sache vorsehen.

Art. 33 Abtretung von Rechtsansprüchen

1 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin bestimmt in der Bescheini-

gung über die Abtretung eines Rechtsanspruchs der Konkursmasse im Sinne von Artikel 260 SchKG18 die Frist, innert der der Abtretungsgläubiger oder die Abtre- tungsgläubigerin den Rechtsanspruch gerichtlich geltend machen muss. Bei unbe- nutztem Ablauf der Frist fällt die Abtretung dahin.

2 Die Abtretungsgläubiger und Abtretungsgläubigerinnen berichten dem Konkurs-

liquidator oder der Konkursliquidatorin und, nach Abschluss des Konkursverfah- rens, der FINMA ohne Verzug über das Resultat der Geltendmachung. 3 Verlangt kein Gläubiger und keine Gläubigerin die Abtretung oder ist die Frist zur Geltendmachung unbenutzt abgelaufen, so entscheidet der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin und, nach Abschluss des Konkursverfahrens, die FINMA über die allfällige weitere Verwertung dieser Rechtsansprüche.

Art. 34 Anfechtung von Verwertungshandlungen

1 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin erstellt periodisch einen

Verwertungsplan, der über die zur Verwertung anstehenden Konkursaktiven und die Art ihrer Verwertung Auskunft gibt.

2 Verwertungshandlungen, die nach Artikel 31 Absatz 3 ohne Aufschub erfolgen

können, müssen nicht in den Verwertungsplan aufgenommen werden. 3 Eine Abtretung von Rechtsansprüchen nach Artikel 33 gilt nicht als Verwertungs- handlung. 4 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin teilt den Verwertungsplan den Gläubigern und Gläubigerinnen mit und setzt ihnen eine Frist, innert der sie über einzelne darin aufgeführte Verwertungshandlungen von der FINMA eine anfecht- bare Verfügung verlangen können.

17 SR 281.1 18 SR 281.1

Bankeninsolvenzverordnung-FINMA AS 2012

5. Abschnitt: Verteilung

Art. 35 Massaverpflichtungen Aus der Konkursmasse werden vorab und in folgender Reihenfolge gedeckt: a. Verbindlichkeiten nach Artikel 37 BankG und nach Artikel 43 dieser Ver- ordnung; b. Verbindlichkeiten, welche die Konkursmasse während der Dauer des Ver- fahrens eingegangen ist; c. sämtliche Kosten für Eröffnung und Durchführung des Konkursverfahrens; d. Verbindlichkeiten gegenüber einem Drittverwahrer oder einer Drittverwah- rerin nach Artikel 17 Absatz 3 des Bucheffektengesetzes vom 3. Oktober 200819.

Art. 36 Verteilung

1 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin kann Abschlagsverteilungen

vorsehen. Er oder sie erstellt hierfür eine provisorische Verteilungsliste und unter- breitet diese der FINMA zur Genehmigung. 2 Sind sämtliche Aktiven verwertet und alle die Feststellung der Aktiv- und Passiv- masse betreffenden Prozesse erledigt, so erstellt der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin die abschliessende Verteilungsliste sowie die Schlussrechnung und unterbreitet diese der FINMA zur Genehmigung. Auf die von einzelnen Gläubi- gern oder Gläubigerinnen im Sinne von Artikel 260 SchKG20 geführten Prozesse braucht keine Rücksicht genommen zu werden.

3 Nach der Genehmigung der Verteilungsliste nimmt der Konkursliquidator oder die

Konkursliquidatorin die Auszahlungen an die Gläubiger und Gläubigerinnen vor.

4 Keine Auszahlung erfolgt für Forderungen:

a. deren Bestand oder Höhe nicht abschliessend feststeht; b. deren Berechtigte nicht definitiv bekannt sind; c. die teilweise durch nicht verwertete Sicherheiten im Ausland oder gemäss Artikel 18 gedeckt sind; oder d. die voraussichtlich durch eine ausstehende Befriedigung in einem ausländi- schen Zwangsvollstreckungsverfahren, das mit dem Konkurs in Zusammen- hang steht, teilweise Deckung erhalten werden. 5 Wird ein separater Kollokationsplan nach Artikel 27 Absatz 3 erstellt, so kann der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin, nach dessen Eintritt in die Rechts- kraft und unabhängig von der Rechtskraft des Kollokationsplanes betreffend die übrigen Forderungen, mit Genehmigung der FINMA die Verteilung vornehmen.

19 SR 957.1 20 SR 281.1

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Art. 37 Verlustschein

1 Die Gläubiger und Gläubigerinnen können beim Konkursliquidator oder bei der

Konkursliquidatorin und, nach Abschluss des Konkursverfahrens, bei der FINMA gegen Bezahlung einer Kostenpauschale für den ungedeckten Betrag ihrer Forde- rung einen Verlustschein gemäss Artikel 265 SchKG21 verlangen.

2 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin macht die Gläubiger und

Gläubigerinnen im Rahmen der Auszahlung ihrer Anteile auf diese Möglichkeit aufmerksam.

Art. 38 Hinterlegung

1 Die FINMA trifft unter Vorbehalt der Vorschriften über die nachrichtenlosen

Vermögenswerte die notwendigen Anordnungen über die Hinterlegung der nicht ausbezahlten Anteile sowie der nicht herausgegebenen abgesonderten Depotwerte. 2 Hinterlegte Vermögenswerte, die frei werden oder nach zehn Jahren nicht bezogen wurden, werden unter Vorbehalt einer abweichenden spezialgesetzlichen Regelung nach Artikel 39 verwertet und verteilt.

Art. 39 Nachträglich entdeckte Vermögenswerte

1 Werden innerhalb von zehn Jahren nach Schluss des Konkursverfahrens Vermö-

genswerte oder andere Rechtsansprüche entdeckt, die bisher nicht zur Konkursmasse gezogen wurden, so beauftragt die FINMA einen Konkursliquidator oder eine Kon- kursliquidatorin, das Konkursverfahren ohne weitere Förmlichkeiten wieder aufzu- nehmen.

2 Nachträglich entdeckte Vermögenswerte oder Rechtsansprüche werden den Gläu-

bigern und Gläubigerinnen verteilt, die zu Verlust gekommen sind und deren für die Auszahlung notwendige Angaben dem Konkursliquidator oder der Konkursliquida- torin bekannt sind. Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin kann die Gläubiger und Gläubigerinnen unter Hinweis auf die Verwirkung ihres Anspruchs auffordern, ihm oder ihr die aktuellen Angaben bekannt zu geben. Er oder sie setzt ihnen dazu eine angemessene Frist.

3 Ist offensichtlich, dass die durch die Wiederaufnahme des Konkursverfahrens

entstehenden Kosten vom zu erwartenden Erlös aus der Verwertung der nachträglich entdeckten Vermögenswerte nicht gedeckt oder nur geringfügig übertroffen werden, kann die FINMA von der Wiederaufnahme absehen. Sie leitet die nachträglich entdeckten Vermögenswerte an den Bund.

21 SR 281.1

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3. Kapitel: Sanierung

1. Abschnitt: Verfahren

Art. 40 Voraussetzungen

1 Die Aussicht auf Sanierung der Bank oder auf Weiterführung einzelner Bank-

dienstleistungen ist dann begründet, wenn es zum Zeitpunkt des Entscheides hinrei- chend glaubhaft ist, dass: a. die Gläubiger und Gläubigerinnen in der Sanierung voraussichtlich besser gestellt werden als im Konkurs; und b. das Sanierungsverfahren zeitlich und sachlich durchführbar ist.

2 Es besteht kein Anspruch auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens.

Art. 41 Eröffnung

1 Die FINMA eröffnet das Sanierungsverfahren mittels Verfügung.

2 Sie macht die Eröffnung sofort öffentlich bekannt.

3 Sie regelt in der Eröffnungsverfügung, ob bereits bestehende Schutzmassnahmen

nach Artikel 26 BankG weiterzuführen oder abzuändern sind oder neue Schutz- massnahmen anzuordnen sind. 4 Sie kann mit der Eröffnung des Sanierungsverfahrens auch bereits den Sanierungs- plan genehmigen.

Art. 42 Sanierungsbeauftragter oder Sanierungsbeauftragte 1 Die FINMA setzt mittels Verfügung einen Sanierungsbeauftragten oder eine Sanie- rungsbeauftragte ein, sofern sie diese Aufgaben nicht selbst wahrnimmt.

2 Setzt die FINMA einen Sanierungsbeauftragten oder eine Sanierungsbeauftragte

ein, so hat sie bei der Auswahl darauf zu achten, dass die betreffende Person zeitlich und fachlich in der Lage ist, den Auftrag sorgfältig, effizient und effektiv auszuüben, und keinen Interessenkonflikten unterliegt, die der Auftragserteilung entgegenstehen. 3 Sie legt fest, welche Befugnisse der oder die Sanierungsbeauftragte hat und ob er oder sie anstelle der Bankorgane handeln kann. Er oder sie kann während der Dauer des Sanierungsverfahrens insbesondere Verpflichtungen zulasten der Bank im Hinblick auf die Sanierung eingehen.

4 Die FINMA präzisiert die Einzelheiten des Auftrags, insbesondere betreffend

Kosten, Berichterstattung und Kontrolle des oder der Sanierungsbeauftragten.

Art. 43 Verbindlichkeiten während des Sanierungsverfahrens Verbindlichkeiten, welche die Bank während der Dauer des Sanierungsverfahrens mit Zustimmung des Sanierungsbeauftragten eingeht, werden im Falle des Schei- terns der Sanierung im daran anschliessenden Konkursverfahren vor allen anderen Forderungen befriedigt.

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Art. 44 Sanierungsplan 1 Der Sanierungsplan legt die Grundelemente der Sanierung, der künftigen Kapital- struktur und des Geschäftsmodells der Bank nach der Sanierung dar und erläutert, auf welche Weise er die Genehmigungsvoraussetzungen nach Artikel 31 Absatz 1 BankG erfüllt.

2 Der Sanierungsplan äussert sich ausserdem zu folgenden Elementen:

a. der voraussichtlichen Einhaltung der Bewilligungsvoraussetzungen; b. den Aktiven und Passiven der Bank; c. der künftigen Organisation und Führung der Bank und, sofern die Bank Teil einer Bankengruppe oder eines Bankenkonglomerats ist, der künftigen Gruppen- beziehungsweise Konglomeratsorganisation; d. ob und wie der Sanierungsplan in die Rechte der Bankgläubiger und Bank- gläubigerinnen sowie der Eigner und Eignerinnen eingreift; e. ob das Anfechtungsrecht und Verantwortlichkeitsansprüche der Bank nach Artikel 32 BankG ausgeschlossen sind; f. welche bisherigen Bankorgane weiterhin für die Führung der Bank verant- wortlich sein sollen und weshalb dies im Interesse der Bank, der Gläubiger und Gläubigerinnen sowie der Eigner und Eignerinnen liegt; g. der Abgangsregelung ausscheidender Bankorgane; h. denjenigen Geschäften, die einer Eintragung in das Handelsregister oder das Grundbuch bedürfen; und i. denjenigen Bestimmungen des 3. und 4. Abschnitts dieses Kapitels, die im konkreten Sanierungsfall zur Anwendung gelangen.

3 Die FINMA kann verlangen, dass sich der Sanierungsplan zu zusätzlichen Elemen-

ten äussert.

2. Abschnitt: Genehmigung des Sanierungsplans

Art. 45 Genehmigung

1 Die FINMA genehmigt den Sanierungsplan mittels Verfügung, wenn die Voraus-

setzungen nach dem BankG und dieser Verordnung erfüllt sind.

2 Sie macht die Genehmigung und die Grundzüge des Sanierungsplans öffentlich

bekannt und gibt an, wie betroffene Gläubiger und Gläubigerinnen und Eigner und Eignerinnen den Sanierungsplan einsehen können.

3 Ordnet der Sanierungsplan die Übertragung von Grundstücken, die Einräumung

von dinglichen Rechten und Pflichten an Grundstücken oder Änderungen des Gesellschaftskapitals an, so werden diese Anordnungen mit der Genehmigung des Sanierungsplans unmittelbar wirksam. Die nötigen Eintragungen in das Grundbuch, das Handelsregister oder in andere Register sind so rasch wie möglich vorzunehmen.

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Art. 46 Ablehnung durch die Gläubiger und Gläubigerinnen 1 Sieht der Sanierungsplan einen Eingriff in die Rechte der Gläubiger und Gläubige- rinnen vor, so setzt die FINMA diesen spätestens mit der Genehmigung des Sanie- rungsplans eine Frist, innert der sie ihn ablehnen können. Die Frist beträgt mindes- tens zehn Werktage. Die Übertragung von Passiven und Vertragsverhältnissen und der damit verbundene Schuldnerwechsel stellen keinen Eingriff in die Rechte der Gläubiger und Gläubigerinnen dar. 2 Gläubiger und Gläubigerinnen, die ablehnen wollen, haben dies schriftlich zu tun. Sie müssen den Namen, die Adresse, die Höhe der Forderung zum Zeitpunkt der Eröffnung des Sanierungsverfahrens und den Forderungsgrund angeben. Die Ableh- nungsschrift ist an den Sanierungsbeauftragten oder die Sanierungsbeauftragte zu richten.

3. Abschnitt: Kapitalmassnahmen

Art. 47 Allgemeine Bestimmungen

1 Sieht der Sanierungsplan Kapitalmassnahmen nach diesem Abschnitt vor, so ist

sicherzustellen, dass: a. die Interessen der Gläubiger und Gläubigerinnen Vorrang vor denjenigen der Eigner und Eignerinnen geniessen und die Gläubigerhierarchie berücksich- tigt wird; b. die Vorschriften des Obligationenrechts22 sinngemäss angewendet werden.

2 Sofern die Gewährung eines Bezugsrechts die Sanierung gefährden könnte, kann

es den bisherigen Eignern und Eignerinnen entzogen werden.

Art. 48 Grundsätze der Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital Sieht der Sanierungsplan eine Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital vor, so: a. muss so viel Fremdkapital in Eigenkapital umgewandelt werden, dass die Bank nach erfolgter Sanierung die für die Fortführung der Geschäftstätigkeit notwendigen Eigenmittelanforderungen zweifelsfrei erfüllt; b. muss vor der Wandlung von Fremd- in Eigenkapital das Gesellschaftskapital vollständig herabgesetzt werden; c. darf die Wandlung von Fremd- in Eigenkapital erst vorgenommen werden, wenn die von der Bank ausgegebenen Schuldinstrumente im zusätzlichen Kernkapital oder Ergänzungskapital, wie insbesondere bedingte Pflicht- wandelanleihen, in Eigenkapital gewandelt wurden;

22 SR 220

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d. ist bei der Wandlung von Fremd- in Eigenkapital folgende Rangfolge einzu- halten, wobei Forderungen des nächsten Ranges erst gewandelt werden, wenn die Umwandlung von Forderungen des vorangehenden Ranges nicht ausreicht, um die Eigenmittelanforderungen nach Buchstabe a zu erfüllen:

1. nachrangige Forderungen ohne Eigenmittelanrechnung,

2. übrige Forderungen, soweit sie nicht von der Wandlung ausgeschlossen

sind, mit Ausnahme der Einlagen, und

3. Einlagen, soweit diese nicht privilegiert sind.

Art. 49 Wandelbarkeit von Forderungen Sämtliches Fremd- kann in Eigenkapital gewandelt werden. Ausgenommen sind: a. privilegierte Forderungen der 1. und 2. Klasse nach Artikel 219 Absatz 4 SchKG23 und Artikel 37a Absätze 1–5 BankG im Umfang der Privilegie- rung; und b. gesicherte Forderungen im Umfang ihrer Sicherstellung und verrechenbare Forderungen im Umfang ihrer Verrechenbarkeit, sofern der Gläubiger oder die Gläubigerin den Bestand, die Höhe und die Tatsache, dass die Forderung Gegenstand einer entsprechenden Vereinbarung ist, sofort glaubhaft machen kann oder dies aus den Büchern der Bank ersichtlich ist.

Art. 50 Forderungsreduktion Neben oder anstelle der Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital kann die FINMA eine teilweise oder vollständige Forderungsreduktion anordnen. Die Artikel 48 Buchstaben a–c und 49 gelten gleichermassen.

4. Abschnitt: Weiterführung bestimmter Bankdienstleistungen

Art. 51 Weiterführung von Bankdienstleistungen

1 Sieht der Sanierungsplan vor, dass einzelne oder mehrere Bankdienstleistungen

weitergeführt und Vermögenswerte oder Vertragsverhältnisse der Bank teilweise auf einen anderen Rechtsträger einschliesslich einer Übergangsbank übertragen werden sollen, so muss er namentlich: a. den oder die Rechtsträger bezeichnen, auf den oder die solche Bankdienst- leistungen sowie Vermögensteile zu übertragen sind; b. die Vermögenswerte, namentlich die Aktiven, Passiven und Vertragsver- hältnisse, die teilweise übertragen werden sollen, sowie deren Gegenleistung beschreiben; c. die Bankdienstleistungen beschreiben, die weitergeführt und übertragen werden sollen;

23 SR 281.1

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d. die getroffenen Kapitalmassnahmen aufführen und für den Fall der Übertra- gung von Bankdienstleistungen auf eine Übergangsbank darlegen, wie die Aktiven und Passiven zwischen der Bank und der Übergangsbank aufgeteilt werden; e. die Verpflichtung der Bank enthalten, die Massnahmen zu ergreifen und Handlungen vorzunehmen, die notwendig sind, damit alle zu übertragenden Vermögenswerte und Gegenstände, insbesondere auch im Ausland belegene oder ausländischem Recht unterstehende, auf den anderen Rechtsträger über- tragen werden können; f. darlegen, ob ein Wertausgleich zu leisten, wie dieser zu berechnen und ob eine maximale Wertausgleichssumme anzuordnen ist; g. ausführen, ob und wie Systeme und Applikationen von der Bank und dem anderen Rechtsträger gemeinsam genutzt werden, und, im Fall der Weiter- führung von Bankdienstleistungen durch eine Übergangsbank, wie sicher- gestellt ist, dass diese Zugang zu Zahlungsverkehrs- und Finanzmarktinfra- strukturen hat und sie nutzen kann; h. darlegen, wie zur Wahrung der rechtlichen und wirtschaftlichen Verbunden- heit von Aktiven, Passiven und Vertragsverhältnissen sichergestellt wird, dass nur übertragen werden können:

1. verrechenbare, insbesondere einer Aufrechnungsvereinbarung unterlie-

gende Forderungen und Verbindlichkeiten der Bank gegenüber einer oder mehreren Gegenparteien in ihrer Gesamtheit,

2. gesicherte Forderungen und Verbindlichkeiten in Verbindung mit ihren

Sicherheiten, und

3. strukturierte Finanzierungen oder vergleichbare Kapitalmarktvereinba-

rungen, bei denen die Bank Partei ist, mit allen damit verbundenen Rechten und Pflichten. 2 Sobald der genehmigte Sanierungsplan vollstreckbar ist oder, im Falle einer sys- temrelevanten Bank, mit Genehmigung des Sanierungsplans gehen alle zu übertra- genden Vermögenswerte oder Vertragsverhältnisse mit allen damit verbundenen Rechten und Pflichten auf den Zeitpunkt der Genehmigung des Sanierungsplans auf den oder die neuen Rechtsträger über.

Art. 52 Übergangsbank 1 Die Übergangsbank dient der einstweiligen Fortführung einzelner, auf sie übertra- gener Bankdienstleistungen. 2 Die FINMA erteilt der Übergangsbank eine auf zwei Jahre befristete Bewilligung. Sie kann bei der Erteilung von den Bewilligungsvoraussetzungen abweichen. Die Bewilligung kann verlängert werden.

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4. Kapitel: Schutz der Systeme und der Finanzmarktinfrastrukturen

Art. 53 Weisungen von Teilnehmern oder Teilnehmerinnen eines Zahlungs- oder Effektenabwicklungssystems Weisungen von Teilnehmern oder Teilnehmerinnen eines Zahlungs- oder Effekten- abwicklungssystems nach Artikel 27 Absatz 2 BankG sind insbesondere Instruktio- nen, die: a. unmittelbar die Abwicklung von Zahlungen oder Effektentransaktionen betreffen; oder b. der Bereitstellung der nach den Regeln des Systems erforderlichen finanziel- len Mittel oder Sicherheiten dienen.

Art. 54 Verbindlichkeit von Weisungen in Zahlungs- oder Effektenabwicklungssystemen

1 Massnahmen, welche die rechtliche Verbindlichkeit einer Weisung im Sinne von

Artikel 27 Absatz 2 BankG einschränken können, sind: a. die Eröffnung des Konkurses nach den Artikeln 33–37g BankG; und b. Schutzmassnahmen nach Artikel 26 Absatz 1 Buchstaben f–h BankG.

2 Die FINMA ordnet in ihrer Verfügung den Zeitpunkt, ab dem die Massnahmen

nach Absatz 1 gelten, ausdrücklich an.

Art. 55 Aufrechnungsvereinbarungen Aufrechnungsvereinbarungen nach Artikel 27 Absatz 3 BankG umfassen insbeson- dere: a. Netting-Bestimmungen in bilateralen oder in Rahmenvereinbarungen; b Verrechnungs- und Netting-Bestimmungen sowie Ausfallvereinbarungen von Zahlungs- oder Effektenabwicklungssystemen nach Artikel 27 Absatz 1 BankG.

5. Kapitel: Aufschub der Beendigung von Finanzverträgen

Art. 56 Finanzverträge

1 Als Finanzverträge im Sinne dieses Kapitels gelten:

a. folgende Verträge betreffend Wertpapiere und Wertrechte (Securities): Ver- träge über den Kauf, den Verkauf, den Rückkauf, die Leihe von Wertpapie- ren und Wertrechten und den Handel mit Optionen auf Wertpapieren und Wertrechten, unabhängig davon, ob einzeln, in Gruppen oder als Indizes;

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b. folgende Verträge betreffend Rohstoffe (Commodities): Verträge über den Kauf und Verkauf mit künftiger Lieferung von Rohstoffen sowie den Handel mit Optionen auf Rohstoffen beziehungsweise auf Rohstofflieferungen; c. folgende Verträge betreffend den Terminhandel (Futures und Forwards): Verträge über den Kauf, Verkauf oder Transfer von Gütern, Diensten, Rech- ten oder Zinsen zu einem im Voraus bestimmten Preis und künftigen Datum; d. folgende Verträge betreffend den Tauschhandel (Swaps): Verträge über Swapgeschäfte bezüglich Devisen, Währungen, Edelmetalle, Kredite sowie Wertpapiere, Wertrechte, Rohstoffe und deren Indizes; und e. alle anderen Verträge mit gleicher Wirkung wie diejenigen nach Buchsta- ben a–d.

2 Als Finanzverträge gelten überdies die in Absatz 1 genannten Verträge in Form

von Rahmenvereinbarungen (Master Agreements).

Art. 57 Aufschub

1 Werden bei der Übertragung von Bankdienstleistungen Finanzverträge ganz oder

teilweise auf einen anderen Rechtsträger übertragen, so kann die FINMA die Been- digung von Verträgen und die Ausübung von Rechten zur Beendigung solcher Verträge aufschieben.

2 Der Aufschub kann nur bezüglich Finanzverträgen angeordnet werden, die die

Beendigung oder das Recht zur Beendigung an behördlich angeordnete Sanierungs- oder Schutzmassnahmen knüpfen.

3 Der Aufschub kann für längstens 48 Stunden angeordnet werden. Die FINMA legt

den Beginn und das Ende des Aufschubs ausdrücklich fest.

4 Der Aufschub gilt nicht, wenn sich aus dem Verhalten:

a. der sich im Sanierungsverfahren befindlichen Bank vor, während oder nach dem Aufschub einen anderer Grund ergibt, der die Beendigung oder das Recht zur Beendigung nach sich zieht; b. des Rechtsträgers, der die Finanzverträge ganz oder teilweise übernimmt, nach deren Übernahme ein von der Übertragung unabhängiger Grund ergibt, der die Beendigung oder das Recht zur Beendigung nach sich zieht.

5 Die Gegenpartei der sich im Sanierungsverfahren befindlichen Bank kann dieser

gegenüber von ihrem Recht zur Vertragsbeendigung Gebrauch machen: a. sofort nach Ablauf des Aufschubs; und b. sofort nachdem sie darüber Kenntnis erhalten hat, dass der mit ihr geschlos- sene Finanzvertrag nicht transferiert wurde.

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6. Kapitel: Abschluss des Verfahrens

Art. 58 Schlussbericht 1 Der Konkursliquidator oder die Konkursliquidatorin oder der oder die Sanierungs- beauftragte berichtet der FINMA summarisch über den Verlauf des Konkurs- oder des Sanierungsverfahrens.

2 Der Schlussbericht des Konkursliquidators oder der Konkursliquidatorin enthält

zudem: a. Ausführungen über die Erledigung sämtlicher die Feststellung der Aktiv- und Passivmasse betreffenden Prozesse; b. Angaben über den Stand der an Gläubiger und Gläubigerinnen abgetretenen Rechtsansprüche nach Artikel 260 SchKG24; sowie c. eine Auflistung der nicht ausbezahlten Anteile sowie der nicht herausgege- benen abgesonderten Depotwerte mit der Angabe, weshalb eine Auszahlung oder Herausgabe bisher nicht erfolgen konnte.

3 Die FINMA macht den Schluss des Konkurs- oder Sanierungsverfahrens öffentlich

bekannt.

Art. 59 Aktenaufbewahrung

1 Die FINMA bestimmt, wie die Insolvenz- und Geschäftsakten nach Abschluss oder

Einstellung des Konkurs- oder Sanierungsverfahrens aufbewahrt werden müssen.

2 Die Insolvenzakten sowie die noch vorhandenen Geschäftsakten sind nach Ablauf

von zehn Jahren nach Abschluss oder Einstellung des Konkurs- oder Sanierungsver- fahrens auf Anordnung der FINMA zu vernichten.

3 Vorbehalten bleiben abweichende spezialgesetzliche Aufbewahrungsvorschriften

für einzelne Aktenstücke.

7. Kapitel: Schlussbestimmungen

Art. 60 Aufhebung und Änderung bisherigen Rechts

1 Die Bankenkonkursverordnung-FINMA vom 30. Juni 200525 wird aufgehoben.

2 Die Auslandbankenverordnung-FINMA vom 21. Oktober 199626 wird wie folgt

geändert:

24 SR 281.1 25 AS 2005 3539, 2008 5613, 2009 1769 26 SR 952.111

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Art. 3 Abs. 3

3 Auf Vertretungen von ausländischen Banken finden die Bestimmungen des BankG

über die Massnahmen bei Insolvenzgefahr und den Bankenkonkurs (Art. 25–37g) keine Anwendung. Die FINMA kann sie jedoch dann für anwendbar erklären, wenn ein hinreichendes öffentliches Interesse vorliegt.

Art. 61 Übergangsbestimmung Für Verfahren, die bei Inkrafttreten dieser Verordnung rechtshängig sind, gelten die Vorschriften dieser Verordnung.

Art. 62 Inkrafttreten Diese Verordnung tritt am 1. November 2012 in Kraft.

30. August 2012 Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Die Präsidentin: Anne Héritier Lachat Der Direktor: Patrick Raaflaub

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Verordnung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht über die Insolvenz von Banken und Wertpapierhäusern (Bankeninsolvenzverordnung-FINMA, BIV-FINMA) | Lexipedia | Lexipedia