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AS 2002 3736

Vergleichs- und Schiedsvertrag zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Kroatien

Übersetzung1

Vergleichs- und Schiedsvertrag zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Kroatien

Abgeschlossen am 23. Mai 1995 Von der Bundesversammlung genehmigt am 7. Juni 20002 Ratifikationsurkunden ausgetauscht am 13. Juni 2002 In Kraft getreten am 13. Juni 2002

Die Schweizerische Eidgenossenschaft und die Republik Kroatien, vom Wunsche geleitet, die zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Kroatien bestehenden Bande der Freundschaft zu festigen und im Dienste des Friedens und der Sicherheit in Europa und in der Welt die Schaffung von Verfahren zur friedlichen und gerechten Beilegung ihrer Streitigkeiten zu för- dern, haben den folgenden Vertrag geschlossen:

A. Verhandlungen

Art. 1 Die Vertragsparteien bemühen sich, ihre Streitigkeiten durch Verhandlungen beizu- legen. Falls diese innerhalb eines Jahres nach ihrem Beginn keinen erfolgreichen Abschluss finden, kann jede Partei die Streitigkeit dem nachfolgend beschriebenen Vergleichsverfahren unterwerfen.

B. Vergleichsverfahren

Art. 2 Jede Streitigkeit, die durch Verhandlungen innerhalb der im Artikel 1 festgelegten Frist nicht beigelegt werden konnte, kann von jeder Partei mittels schriftlicher Mit- teilung an die andere Partei einem Vergleichsverfahren unterworfen werden.

SR 0.193.412.91

1 Übersetzung des französischen Originaltextes (RO 2002 3736).

2 AS 2002 3735

3736 1999-6043

Vergleichs- und Schiedsvertrag mit Kroatien AS 2002

Art. 3 Die Vergleichskommission wird wie folgt bestellt: a) In der schriftlichen Mitteilung nach Artikel 2 ernennt die das Vergleichs- verfahren einleitende Partei ein Mitglied der Kommission, das einer ihrer Staatsangehörigen sein kann. b) Die andere Partei ernennt innerhalb von 60 Tagen nach Erhalt dieser Mittei- lung ein zweites Mitglied, das einer ihrer Staatsangehörigen sein kann. c) Innerhalb von 90 Tagen nach der unter b) vorgesehenen Ernennung ernen- nen die Parteien einvernehmlich ein drittes Mitglied, das der Kommission vorstehen wird. d) Jede Ernennung, die nicht innerhalb einer Frist von 150 Tagen nach Erhalt der in Artikel 2 vorgesehenen schriftlichen Mitteilung erfolgt ist, wird vom Generalsekretär des Europarats vorgenommen, wobei nur Angehörige von Drittstaaten zur Wahl stehen. Ist der Generalsekretär verhindert, diese Auf- gabe zu erfüllen, oder ist er Staatsangehöriger einer Vertragspartei, werden die nötigen Ernennungen vom stellvertretenden Generalsekretär des Europa- rates vorgenommen.

Art. 4 Ist die Vergleichskommission bestellt, kann sie den Parteien die ihr angebracht erscheinenden vorsorglichen Massnahmen empfehlen. Die Parteien unterrichten die Kommission von den Vorkehrungen, die sie zur Ausführung dieser Massnahmen getroffen haben.

Art. 5

1. Die Vergleichskommission legt ihren Tagungsort sowie ihr Verfahren nach

Anhörung der Parteienvertreter selbst fest. Dabei hält sie sich an die Grundsätze der Gleichheit der Parteien und des kontradiktorischen Charakters des Verfahrens.

2. Die Kommission kann das Vergleichsverfahren jederzeit aussetzen und die Par-

teien einladen, die Verhandlungen wieder aufzunehmen und dabei gegebenenfalls ihren Empfehlungen Rechnung zu tragen.

Art. 6 Die Parteien nehmen am gesamten Vergleichsverfahren teil und lassen der Ver- gleichskommission die von ihr geforderten Aktenstücke und Auskünfte zukommen.

Art. 7

1. Innerhalb von neun Monaten nach Abschluss des Verfahrens erstellt die Ver-

gleichskommission einen mit Empfehlungen versehenen vertraulichen Bericht, den sie unverzüglich den Parteien übergibt.

2. Die Parteien teilen der Kommission innerhalb von sechs Monaten nach Übergabe

des Berichts schriftlich mit, ob sie ihre Empfehlungen annehmen. Die Annahme der

Vergleichs- und Schiedsvertrag mit Kroatien AS 2002

Empfehlungen der Kommission durch die Parteien gilt als die die Streitigkeit beile- gende Vereinbarung.

C. Schiedsverfahren

Art. 8 1. Eine Streitigkeit, die durch das in den Artikeln 2–7 vorgesehene Vergleichsver- fahren nicht beigelegt werden konnte, kann von jeder Partei mittels schriftlicher Mitteilung an die andere Partei einem Schiedsverfahren unterworfen werden.

2. Die Parteien können vereinbaren, das Schiedsverfahren unter Übergehung des

Vergleichsverfahrens zu benützen.

Art. 9 Das Schiedsgericht wird auf die gleiche Weise wie die Vergleichskommission, nach Artikel 3, bestellt, ausser dass die Ernennungen, die nicht innerhalb der in Artikel 3 Buchstabe d festgelegten Frist erfolgt sind, vom Präsidenten des Internationalen Gerichtshofs vorzunehmen sind. Ist der Präsident verhindert, diese Aufgabe zu erfüllen, oder ist er Staatsangehöriger einer Vertragspartei, werden die nötigen Ernennungen vom Vizepräsidenten des Gerichtshofs vorgenommen. Wenn der Vizepräsident aus denselben Gründen die erforderlichen Ernennungen nicht vor- nehmen kann, werden diese vom amtsältesten Mitglied des Gerichtshofs vorgenom- men, das Staatsangehöriger weder der einen noch der andern Partei ist.

Art. 10 Ist das Schiedsgericht bestellt, kann es auf Ersuchen einer Partei oder aus eigenem Antrieb die vorsorglichen Massnahmen vorschreiben, die es für angebracht hält, um die Rechte der Parteien zu wahren. Letztere führen diese Massnahmen nach Treu und Glauben aus.

Art. 11 Das Schiedsgericht legt seinen Tagungsort sowie sein Verfahren nach Anhörung der Parteienvertreter selbst fest. Dabei hält es sich an die Grundsätze der Gleichheit der Parteien, des kontradiktorischen Charakters des Verfahrens und der Aufteilung des letzteren in eine schriftliche und eine mündliche Phase.

Art. 12

1. Die Parteien nehmen am gesamten Schiedsverfahren teil. Die Abwesenheit einer

Partei oder die Tatsache, dass diese es unterlässt, ihre Mittel geltend zu machen, hindert den weiteren Ablauf des Verfahrens nicht.

2. Die Parteien lassen dem Gericht die von ihm geforderten Aktenstücke und Aus-

künfte zukommen.

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Art. 13

1. Das Schiedsgericht fällt seinen Schiedsspruch innerhalb von neun Monaten nach

Abschluss des Schiedsverfahrens. 2. Der Schiedsspruch, der begründet sein muss, stützt sich auf das Völkerrecht. Auf Verlangen beider Parteien kann das Gericht ex aequo et bono entscheiden. 3. Der Schiedsspruch wird den Parteien umgehend bekannt gegeben. Er ist für diese verbindlich und endgültig und muss nach Treu und Glauben angewandt werden.

4. Beim Vorliegen einer Meinungsverschiedenheit oder von Zweifeln über den Sinn

und die Tragweite des Schiedsspruchs kann jede Partei innerhalb von 90 Tagen nach dessen Bekanntgabe vom Gericht eine Auslegung dieses Spruchs verlangen.

D. Allgemeine Bestimmungen

Art. 14 Solange die Streitigkeit nicht beigelegt worden ist, enthalten sich die Parteien jeden Verhaltens, das die Situation verschlimmern und die Streitbeilegung durch die im vorliegenden Vertrag vorgesehenen Mittel schwieriger gestalten oder verhindern könnte.

Art. 15

1. Die Bestimmungen des vorliegenden Vertrags finden keine Anwendung auf

Streitigkeiten, die vor dem Inkrafttreten des vorliegenden Vertrags entstanden sind, ausser wenn sich die Parteien für eine einzelne Streitigkeit darauf einigen.

2. Die Parteien können jederzeit gemeinsam beschliessen, eine Streitigkeit mit

anderen als den im vorliegenden Vertrag vorgesehenen Mitteln beizulegen.

3. Die Parteien können jederzeit gemeinsam beschliessen, bei der Beilegung einer

Streitigkeit im Rahmen des vorliegenden Vertrags dessen Bestimmungen auszuset- zen.

Art. 16 Die Vergleichskommission und das Schiedsgericht, die im vorliegenden Vertrag vorgesehen sind, entscheiden über ihre eigene Zuständigkeit.

Art. 17

1. Die Mitglieder der Vergleichskommission und des Schiedsgerichts beziehen eine

von den Parteien festgelegte Entschädigung, für welche die Parteien zu gleichen Teilen aufkommen. 2. Jede Partei trägt ihre eigenen Kosten sowie die Hälfte der der Vergleichskommis- sion oder dem Schiedsgericht erwachsenen Kosten.

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Art. 18

1. Der vorliegende Vertrag bedarf der Ratifizierung. Die Ratifikationsurkunden

sollen so bald wie möglich in Bern ausgetauscht werden. 2. Der Vertrag tritt mit dem Austausch der Ratifikationsurkunden in Kraft. Er ist von seinem Inkrafttreten an auf fünf Jahre abgeschlossen. Wird er nicht sechs Monate vor Ablauf dieser Frist gekündigt, so gilt er als für weitere fünf Jahre erneu- ert, und so weiter.

3. Ist bei Erlöschen des Vertrags ein Vergleichs- oder Schiedsverfahren hängig,

nimmt dieses seinen Fortgang gemäss den Bestimmungen des Vertrags oder jedes Abkommens, das von den Parteien an dessen Stelle abgeschlossen wird.

Zu Urkund dessen haben die Bevollmächtigten den vorliegenden Vertrag unter- zeichnet.

Geschehen in Zagreb am 23. Mai 1995 in zwei Urschriften, in französischer und in kroatischer Sprache, wobei die beiden Texte gleichermassen verbindlich sind.

Für die Für die Schweizerische Eidgenossenschaft: Republik Kroatien: Lucius Caflisch Stanko Nick

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