Eine Politik der "Innovationspreise" erarbeiten. Neue Impulse für die Forschung und Fokussierung auf diejenigen Gebiete, die für die Schweiz vorrangig sind
17.3252 · Interpellation · 2017-03-17
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Weshalb wird in der Schweiz nicht eine Politik der "Innovationspreise" erarbeitet? Damit könnte die Forschung auf Gebiete gelenkt werden, die für unser Land strategisch wichtig sind, die Suche nach durchschlagenden Antworten könnte unterstützt und es könnten Lösungen gefördert werden, die den vorrangigen nationalen Themen und den Erwartungen des Marktes Rechnung tragen.
Es ist schwierig, die nächsten Erfindungen und Innovationen vorauszusehen; hingegen ist es möglich, die Probleme auszumachen, für die es bis anhin keine befriedigende Lösung gibt. Mit der Einführung gezielter "Innovationspreise" wäre es möglich, die Anstrengungen auf als vorrangig definierte Ziele auszurichten.
Eine solche Politik könnte mit den bestehenden Finanzhilfen, die Forschungsprojekte ergebnisunabhängig unterstützen, kombiniert werden.
Begründung
Die Vereinigten Staaten haben eine solche Politik bereits mit klaren Strukturen umgesetzt und sind sehr erfolgreich damit. Zuständig für die Politik ist das Office of Science and Technology Policy, das sich an die folgenden Vorgaben zu halten hat:
1. Definieren eines Problemfeldes, für das es bisher keine technologische Lösung gibt, und Beschreiben der Entwicklungsmöglichkeiten, die sich daraus ableiten lassen;
2. Entschädigen der Gewinnerinnen und Gewinner mit einem angemessenen Betrag in Abhängigkeit von den durchgeführten Forschungsarbeiten und den vorgeschlagenen Lösungen;
3. Aufforderung an die Kandidatinnen und Kandidaten, sich ein ehrgeiziges Ziel zu setzen.
McKinsey & Co hat den Gewinn eines solchen Vorgehens in seinem Bericht "And the winner is ..." untersucht. Die Schlüsse, die das Unternehmen daraus zieht, sind äusserst positiv.
In der Schweiz machen die Produkte und die Dienstleistungen mit einer grossen Wertschöpfung einen grossen Teil der Wirtschaftsleistung aus. Ein solcher Ansatz würde unserem Geschäftsmodell neue Impulse geben und den Forscherinnen und Forschern sowie auch den Start-ups die Möglichkeit bieten, im Rahmen dieser Preise mit Personen mit grösserem Fachwissen einen Austausch zu pflegen.
Bereits heute gibt es zahlreiche allgemeine Innovationspreise, aber nur wenige davon sind an das Erreichen bestimmter Ziele gekoppelt. In der Schweiz sind solche Preise auf jeden Fall rar. Ein Beispiel ist der Zurich-Klimapreis, bei dem vier Preise vergeben werden, und zwar ein Hauptpreis im Wert von 50 000 Franken und je ein Preis im Wert von 25 000 Franken für die drei Unterkategorien. Solche Initiativen sind lobenswert und würden noch mehr Wirkung zeigen, wenn mit ihrer Vergabe jeweils ein Ziel und noch namhaftere Beträge verbunden wären. Es wäre sehr empfehlenswert, in der Schweiz Fördermassnahmen wie die "Innovationspreise" einzuführen. Diese gäben unseren Forscherinnen und Forschern die Möglichkeit, ihre Anstrengungen im Bereich der Innovation auf die vorrangigen Problemfelder auszurichten und an die Welt der Forschung ein noch stärkeres Signal auszusenden.
Stellungnahme des Bundesrates
Die Schweiz ist im Forschungs- und Innovationsbereich sehr erfolgreich. Sie belegt bei vielen internationalen Rankings in der Forschung und Innovation Spitzenplätze. Die Förderung von Forschung und Innovation erfolgt in der Schweiz durch die Förderinstitutionen des Bundes, den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und die Kommission für Technologie und Innovation (KTI; künftig Innosuisse). Die Förderung ist subsidiär, kompetitiv und nach dem Bottom-up-Prinzip organisiert. In dieser etablierten Förderlogik ist die Kompetenz, die relevanten Probleme auszumachen, bei den betroffenen Akteuren selbst. Der Bund verzichtet somit bewusst darauf, die allgemeine Förderung an vorbestimmte thematische Schwerpunkte zu knüpfen.
Darüber hinaus können im Rahmen spezifischer Förderinstrumente bereits heute zusätzlich thematische Schwerpunkte gesetzt werden. Konkret geschieht dies beispielsweise in Form von nationalen Forschungsprogrammen und nationalen Forschungsschwerpunkten im Rahmen der Forschungsförderung durch den SNF. Auch die KTI setzt eigene thematische Schwerpunkte durch die nationalen thematischen Netzwerke und die Energiekompetenzzentren (SCCR), welche im Rahmen des Förderprogramms Energie gefördert werden. Auch innerhalb dieser Schwerpunkte wird bei der Mittelvergabe anschliessend das kompetitive Bottom-up-Prinzip eingehalten. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass auch in jenen Fällen, in denen der Bund thematische Schwerpunkte setzt, die konkrete Ausrichtung der Themen weiterhin von den betroffenen Akteuren selbst bestimmt wird und die ausgewählten Projekte ausreichend relevant, praxisnah und im Falle von Innovationsprojekten marktnah sind. Die Schaffung eines Innovationspreises, wie es der Interpellant verlangt, wäre systemfremd und nicht zielführend.
Es ist den privaten Akteuren selbst oder den Gemeinden und Kantonen im Rahmen ihrer subsidiären Kompetenzen überlassen, weitere thematische Innovationspreise zu stiften. Der Zurich-Klimapreis ist ein Beispiel dafür.
Grundsätzlich zeichnen sich erfolgreiche nationale Innovationssysteme dadurch aus, dass sie eine ihren spezifischen Rahmenbedingungen angepasste Art entwickelt haben, mit Herausforderungen im Bereich der Innovationen umzugehen und auf Veränderungen eigenständig zu reagieren.
Ein Instrument, das in einem Land sinnvoll ist und erfolgreich angewandt wird, muss im Kontext eines anderen Landes daher nicht zwangsläufig erfolgreich sein. Innovationspreise sind beispielsweise eine Möglichkeit, in einem System, das Fördermittel thematisch konzentriert und top-down vergibt, mehr Wettbewerb und Qualität bei der Mittelvergabe zu erreichen. Diese Funktion erfüllt in der Schweiz das obenerwähnte kompetitive Bottom-up-Prinzip.
Antwort des Bundesrates.