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19.3218 · Interpellation · 2019-03-21

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erledigt

Wortlaut

Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:

1. Teilt der Bundesrat die Einschätzung, dass die Forschung im Bereich nachhaltiger Finanzen eine Chance für den Wissenschaftsstandort Schweiz ist?

2. Beabsichtigt der Bundesrat, im Rahmen der anstehenden BFI-Botschaft 2021-2024 diese Thematik und die Mittel, die dafür einzusetzen sind, zu behandeln?

3. Ist im Besonderen angedacht, in diesem interdisziplinären Bereich zwischen Umweltwissenschaften, Sozial- und Geisteswissenschaften sowie Rechtswissenschaft - alles Bereiche, in denen unsere Universitäten und ETH bereits aktiv sind - zusätzliche Forschungskapazitäten zu schaffen (Lehrstühle, Doktorandenstellen)?

Begründung

Die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken haben systemische Wirkungen, die es zu messen und zu bewerten gilt: Für den Staat sind diese Wirkungen gleichbedeutend mit einer grösseren Volatilität der Preise und stellen daher eine Bedrohung dar für die Umsetzung und die Vorhersehbarkeit der staatlichen Geldpolitik. Die Privatwirtschaft ihrerseits erhebt höhere Risikoprämien, um diese Unsicherheiten auszugleichen. Diese Forderungen treiben die Investitionskosten in die Höhe und schwächen die Wirtschaftsleistung und gefährden Arbeitsplätze.

Der Zusammenhang zwischen Umweltrisiken und Finanzrisiken ist ein Forschungsbereich, der sich stark entwickelt. Im Februar 2018 haben sich 18 besonders renommierte Universitäten (darunter Oxford und Zürich) zusammengefunden, um die Global Research Alliance for Sustainable Finance and Investment zu gründen und damit aufzuzeigen, welche Rolle die Grundlagenforschung bei der Entwicklung nachhaltiger Finanzen spielt.

Die Schweiz mit ihrem sehr starken Finanzplatz und mit universitären Hochschulen, die zu den besten der Welt gehören, ist dazu prädestiniert, zu einem Kompetenzzentrum von Weltrang zu werden im Bereich der Forschung zu nachhaltigen Finanzen. Dieser Forschungszweig steht noch ganz am Anfang, und es muss noch sehr viel getan werden. Für die Schweiz ist das eine riesige Chance, und der Zeitpunkt ist günstig. Unser Land hat jetzt die Möglichkeit, sich in diesem Bereich als führendes Kompetenzzentrum zu positionieren. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es ein entschiedenes Engagement vonseiten der Politik, sich für die Unterstützung der Forschung im Bereich der nachhaltigen Finanzen einzusetzen.

Stellungnahme des Bundesrates

Bund und Kantone sorgen gemeinsam für einen qualitativ hochstehenden Hochschulraum. Mit Ausnahme der beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen haben alle öffentlichen Hochschulen eine kantonale Trägerschaft. Sie verfügen zudem über ein hohes Mass an Autonomie. Auch der ETH-Bereich regelt seine Belange im Rahmen des ETH-Gesetzes selbstständig. Es fällt deshalb prinzipiell nicht in die Kompetenz des Bundes, spezifische akademische Lehr- und Forschungsbereiche vorzugeben.

1. Mit dem Begriff "nachhaltige Finanzen" wird die Integration von Umwelt-, Sozial- und Gouvernanzkriterien in Finanzierungs- und Investitionsentscheide umschrieben. Wie im Rahmen der Interpellation Chevalley 17.3120, "Was tut die Schweiz für nachhaltige Finanzen?", näher ausgeführt, beteiligt sich die Schweiz aktiv an den Arbeiten der zuständigen internationalen Finanzorganisationen. Im Fokus stehen dabei unter anderem die Bereitstellung von Wissensgrundlagen (Bereitstellung von international vergleichbaren Definitionen, Methoden und Indikatoren). In der Schweiz haben die Hochschulen solche Fragestellungen im Themenbereich "Nachhaltige Finanzen" über Lehre, Forschung und Wissenstransfer aufgegriffen und leisten damit eine wichtige Grundlage für weitere Entwicklungen im Finanz- und Bankensektor.

2./3. Im Themenbereich "Nachhaltige Finanzen" sind Schweizer Hochschulen auf nationaler wie auch internationaler Ebene bestens vernetzt. Der Verband Swiss Sustainable Finance (SSF) fördert die Thematik "Nachhaltige Finanzen" am Schweizer Finanzplatz unter anderem durch Informationsvermittlung, Ausbildung sowie durch Kooperationen mit Hochschulen und Business-Schulen (u. a. für die Integration von Nachhaltigkeit in Finanzausbildungen). Folgende Hochschulinstitutionen sind Netzwerkpartner des SSF: die Universität Zürich mit dem Zentrum für Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit und den beiden Zentren Center for Responsibility in Finance und Center for Sustainable Finance and Private Wealth; die ETH Zürich über die Stabsstelle ETH Sustainability; die Universität Genf mit dem Geneva Finance Research Institute; die Fachhochschule Westschweiz über die Haute école de gestion de Genève und die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften über die Abteilung "Banking, Finance, Insurance".

Auch auf internationalem Niveau beteiligt sich die Schweiz an Initiativen, so etwa die Universität Zürich an diversen internationalen Initiativen zu Nachhaltigkeitsthemen oder spezifisch auch an der vom Interpellanten genannten Initiative "Global Research Alliance for Sustainable Finance and Investment". Dabei handelt es sich um ein im Jahr 2017 gegründetes internationales Hochschulnetzwerk (www.sustainablefinancealliance.com). Ziel des Netzwerkes ist es, jährliche Konferenzen zu nachhaltigen Geldanlagen und Investitionen zu organisieren, Kooperationen zwischen Forschenden zu fördern und Nachwuchsforschende in diesem Bereich zu unterstützen.

Die Thematik "Nachhaltige Finanzen" hat unbestrittenermassen eine wichtige Bedeutung. Aufgrund der bereits vorhandenen Aktivitäten und Instrumente zur Unterstützung von Bottom-up-Initiativen gibt es aus Sicht des Bundesrates jedoch keinen zusätzlichen Handlungsbedarf.

Antwort des Bundesrates.

Unterstützung der Forschung im Bereich der nachhaltigen Finanzen. Worauf wartet die Schweiz noch? | Lexipedia | Lexipedia