19.4070 · Motion · 2019-09-19
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat soll dem Parlament eine nationale Strategie für Kinder- und Jugendgesundheit vorlegen. Die Strategie soll Ziele und einen Aktionsplan sowie eine gezielte langfristige Finanzierung beinhalten.
Von der Gesundheit betroffene Politikbereiche (Bildung, Soziales) sowie Rahmenbedingungen, Umfeld und Lebensphasen sind mit einzubeziehen. Die Strategie sollte anschlussfähig an die strategischen Überlegungen für die Agenda 2030 sein.
Begründung
Kinder und Jugendliche sollen ihr volles Gesundheitspotenzial entfalten können. Trotz eines gut funktionierenden Gesundheitssystems sind in der Schweiz die Chancen hierfür sehr unterschiedlich verteilt. Viele gesundheitliche Risiken und psychische Störungen nehmen ihren Anfang im Kinder- und Jugendalter. Durch geeignete Massnahmen könnten viele gesundheitliche Probleme in ihrem Ausmass verringert, verzögert oder ganz vermieden werden, insbesondere auch durch Massnahmen, die auf vulnerable und sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche ausgerichtet sind. Dazu gehören beispielsweise Zugang zu Frühförderung, Sportmöglichkeiten oder niederschwellige Beratungsangebote.
Das kürzlich verabschiedete Manifest für Kinder- und Jugendgesundheit, das von vielen Organisationen unterstützt wird, fordert, dieses Potenzial besser zu nutzen. In keinem Lebensabschnitt sind Vorsorgemassnahmen so wirksam, nachhaltig und wirtschaftlich ertragreich wie in Kindheit und Jugend. Das Bundesamt für Gesundheit und Gesundheitsförderung Schweiz setzen bereits viele Massnahmen um. Eine Strategie soll bestehende Massnahmen besser koordinieren, Datenlücken schliessen und das Feld der Kinder- und Jugendgesundheit systematischer abdecken.
Die Gesundheit hängt nicht nur von der Gesundheitspolitik ab. Rahmenbedingungen (z. B. Ausgestaltung des Sozial- und Bildungswesens), die Betreuung (z. B. Familie, Schule) und das Umfeld (sozioökonomischer Status, Wohnsituation mit Bewegungsmöglichkeiten usw.) tragen massgeblich zu einer gesunden Entwicklung bei. In der Strategie sollten daher alle relevanten Politikbereiche berücksichtigt werden. Dabei sind die Zuständigkeitsbereiche der Kantone zu beachten. Die relevanten Themenfelder sowie geeignete Massnahmen sollen gemeinsam mit den zuständigen Akteuren aus dem Feld festgelegt werden. Zentral ist, dass die Strategie eine Wirkung erzielen kann.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat anerkennt die Bedeutung einer umfassenden Kinder- und Jugendpolitik im Gesundheitsbereich, da in jungen Jahren der Grundstein gelegt wird für ein gesundes Leben. Wie in der Antwort auf die Interpellation Stöckli 19.4029 dargelegt, gibt es auf allen föderalen Ebenen und in vielen Politikbereichen Massnahmen mit Bezug zur Kinder- und Jugendgesundheit.
Zudem bestehen auf Bundesebene diverse Programme und Massnahmen, in welchen der Prävention und Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen eine zentrale Bedeutung zukommt. Dazu gehören die Strategie zur Prävention nicht übertragbarer Krankheiten sowie die Strategie Sucht. Die Nationale Plattform zur Prävention und Bekämpfung von Armut 2019-2024 setzt einen Schwerpunkt auf die Unterstützung von gefährdeten Jugendlichen, jungen Erwachsenen mit Fokus auf Mehrfachproblematiken sowie jungen (ausbildungslosen) Müttern. Ebenso unterstützt der Bund die ausserschulische Arbeit, um Kinder in ihrem körperlichen und geistigen Wohlbefinden zu fördern (Art. 2 Bst. a des Kinder- und Jugendförderungsgesetzes, KJFG; SR 446.1). Der Aktionsplan Suizidprävention Schweiz hat auch die zunehmende Anzahl von Suizidversuchen bei Jugendlichen im Fokus.
Die Erarbeitung einer Strategie Kinder- und Jugendgesundheit, die alle föderalen Ebenen, alle betroffenen Politikbereiche sowie alle themenrelevanten Strategien und Programme umfasst, wäre ein äusserst komplexes und aufwendiges Vorhaben. Da viele Themen nicht exklusiv Kinder und Jugendliche betreffen, kann den Herausforderungen zudem bisweilen im Rahmen anderer Programme und Strategien - wie dargelegt - besser begegnet werden.
2020 erscheint der nationale Gesundheitsbericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan). Er wird schwerpunktmässig auf die Kinder- und Jugendgesundheit eingehen und ein umfassendes Bild der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz vermitteln. Der Bericht wird Themen beleuchten wie das soziale Umfeld, die psychische Gesundheit, das Gesundheitsverhalten, die Gesundheitsförderung oder Palliative Care und auch auf die entsprechende Datenlage eingehen.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Bundesrat in Analogie zu seiner Stellungnahme zur Motion Roduit 19.4069, "Schweizer Kohortenstudie zur Untersuchung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen", das Erscheinen des Obsan-Berichtes abzuwarten. Auf der Grundlage dieses Berichtes wird es möglich sein, den Handlungsbedarf im Bereich der Koordination der Kinder- und Jugendgesundheit fundiert zu beurteilen und über allfällige weitere Schritte im Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit zu befinden.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.