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19.4457 · Motion · 2019-12-18

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erledigt

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt, die Forschung und Beratung im Bereich der Marmorierten Baumwanze im Speziellen und der invasiven Krankheitserreger im Generellen deutlich auszubauen. Damit sollen möglichst rasch nachhaltige Bekämpfungsstrategien entwickelt und in der landwirtschaftlichen Praxis verankert werden können.

Begründung

Die Marmorierte Baumwanze breitet sich in der Schweiz stark aus. Der aus Asien eingeschleppte Schaderreger kann über 200 verschiedene Wirtspflanzen befallen. Insbesondere im Obst- und Gemüsebau führen die Einstiche der Wanzen zu Deformationen und bitteren Stellen im Pflanzengewebe. Befallene Früchte und Gemüse können nicht mehr für den Frischkonsum verkauft werden. Auch die Verarbeitung ist oft nicht mehr möglich. In Italien, wo die Marmorierte Baumwanze bereits länger vorkommt, werden die Schäden in der Landwirtschaft für 2019 mit 350 Millionen Euro beziffert.

2019 waren erstmals Betriebe in der ganzen Schweiz betroffen; die Schäden beliefen sich auf Millionenhöhe. Erste Betriebe stehen bereits vor der Frage ob sie den Anbau von Kulturen wie Birnen, Gurken und Peperoni langfristig einstellen oder bereits gepflanzten Birnenanlagen roden müssen. Das Problem mit Marmorierten Baumwanzen betrifft aber auch Privatgärten und alle Wohnungs- und Hausbesitzer. Zusätzlich sieht sich die Landwirtschaft mit anderen eingeschleppten Schaderregern wie dem bereits in der Schweiz vorkommenden Japankäfer, der Bananenschmierlaus oder dem sich nähernden Feuerbakterium konfrontiert. All diese Schaderreger könnten für die Spezialkulturen existenzbedrohend sein.

Die unmittelbare Intensivierung der Forschung und Beratung ist dringend notwendig, um nachhaltige Massnahmen zur Verhinderung existenzbedrohender Schäden auf Obst- und Gemüsebaubetrieben zu erarbeiten. Insbesondere die Anzahl der Wissenschaftler in der angewandten Forschung für die Bereiche Entomologie und Phytopathologie ist zwingend zu erhöhen. Die Verstärkung der Anstrengung darf aber nicht zulasten der ebenfalls unabdingbaren Forschung und Beratung zu anderen Themen in diesen Kulturen gehen. Für die dringend notwendige Lösungssuche zur Verhinderung von Schäden der eingeschleppten Marmorierten Baumwanze sowie weiterer invasiven Schädlinge soll eine Mittelaufstockung beim BLW von 5 Millionen Franken über fünf Jahre erfolgen.

Antrag des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion.

Stellungnahme des Bundesrates

Die Schäden, die die Marmorierte Baumwanze in der Schweiz verursacht, sowie der Mangel an effizienten Massnahmen zur Bekämpfung dieser Schädlinge sind dem Bundesrat bekannt. Wie bei anderen neu auftretenden Schädlingen, die versehentlich nach Europa eingeschleppt wurden, wie beispielsweise bei der Bananenschmierlaus, stellen die Lösungen, die zur Bekämpfung vonnöten sind, eine grosse Herausforderung für die betroffenen Früchte- und Gemüseproduzenten sowie für die Agrarforschung dar, von der Lösungen erwartet werden. Zwar erhielten im Jahr 2019 bereits zwei Forschungsprojekte zur Bekämpfung der oben genannten Schädlinge, die von Agroscope in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen beantragt wurden, vom Bundesamt für Landwirtschaft Forschungsbeiträge. Aber die Gefahr, die die Marmorierte Baumwanze für die ganze Schweiz darstellt, rechtfertigt gleichwohl eine substanzielle Erhöhung der Mittel, die für eine nachhaltige Lösung erforderlich sind. Der Bundesrat geht davon aus, dass für vier Jahre rund 500 000 Franken pro Jahr zusätzlich benötigt werden, um Forschungsarbeiten über die Marmorierte Baumwanze zu finanzieren.

Der Bundesrat hat am 30. November 2018 entschieden, für Agroscope ein neues Standortkonzept mit einem zentralen Forschungscampus, zwei regionalen Forschungszentren sowie dezentralen Versuchsstationen zu erarbeiten. Die mit der Umsetzung dieser Standortstrategie mittelfristig erreichte Effizienzsteigerung im Betriebsaufwand in der Höhe von geschätzt 16 Millionen Franken soll der landwirtschaftlichen Forschung von Agroscope zugutekommen. Der Bundesrat beabsichtigt, die Motion im Rahmen dieser Mittel umzusetzen. Die Marmorierte Baumwanze ist allerdings nur ein Beispiel einer Vielzahl neu in der Schweiz vorkommender Arten. Die "Strategie der Schweiz zu invasiven gebietsfremden Arten" des Bundesrates zeigt die Vielfältigkeit der Auswirkungen sowie die betroffenen Akteurenkreise auf. Gleichzeitig wird darin auch auf die im Vergleich zu den von diesen Arten ausgehenden Schäden bislang tiefen Ressourcen hingewiesen. Ein zusätzlicher Finanzbedarf würde vom Bundesrat bestimmt und dem Parlament beantragt.

Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion.