21.3119 · Postulat · 2021-03-10
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht über den Energieverbrauch der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) und der dazugehörigen Blockchain-Technologie (insbesondere Proof-of-Work-Blockchains) vorzulegen. In diesem legt er dar, wie er den Energieverbrauch von Kryptowährungen in der Schweiz zu reduzieren gedenkt und Alternativen fördert, die weniger Energie verbrauchen.
Begründung
Bitcoins liegt eine sehr umweltschädliche Technologie zu Grunde (Proof-of-Work-Blockchains), da sie eine enorm hohe Rechenleistung erfordert. Gemäss des "Center for Alternative Finance" der Universität Cambridge werden dafür mittlerweile 124 Terawattstunden (TWh) Strom pro Jahr gebraucht. In anderen Worten verbraucht der Bitcoin jährlich gleich viel Strom wie Norwegen oder Argentinien - oder mehr als die Schweiz (56 TWh) und Österreich (67 TWh) zusammen. Der Bundesrat anerkennt in der Interpellation Molina 19.4137 die schwache Ökobilanz der Bitcoins. In der Schweiz liegen allerdings bislang keine exakten Zahlen zum Energieverbrauch von Bitcoins vor. Auch wird im Rahmen der "Strategie Digitale Schweiz" nicht dargelegt, wie der Bundesrat gedenkt, den Energieverbrauch der Bitcoins und anderer Kryptowährungen zu senken. Nichtsdestotrotz plant der Bundesrat, die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) als Ganzes, zu welcher Blockchains und deren Anwendung, die Bitcoins, zählen, langfristig zu fördern. Angesichts der Tatsache, dass die Schweiz das Pariser Klimaabkommen ratifiziert und die Energiestrategie 2050 verabschiedet hat, wäre es fatal, die Schweiz zum Standort für klimaschädliche Blockchain-Technologie machen zu wollen, ohne dabei Rücksicht auf Klima-Folgen zu nehmen.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) wird vielseitig und in verschiedenen Sektoren angewendet, weshalb eine Quantifizierung ihres Elektrizitätsverbrauchs schwierig ist. Wie der Bundesrat in seiner Antwort auf die Ip. 19.4137 Molina "Klimawirkung der Blockchain-Technologie" festgehalten hat, muss zudem berücksichtigt werden, dass der Elektrizitätsverbrauch von DLT-Lösungen und von Bitcoin aufgrund der Cloud-Technologie oft nicht in der Schweiz anfällt. Darauf weist auch eine Untersuchung der Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung (TA Swiss).
Der Elektrizitätsverbrauch für den Verwendungszweck Information, Kommunikation und Unterhaltung ist seit 2010 rückläufig. Heute liegt er bei rund 3000 Gigawattstunden (GWh), was 5.3 Prozent des Schweizer Elektrizitätsverbrauchs entspricht. Der Elektrizitätsverbrauch wird jährlich erhoben, so dass ein Anstieg zeitnah festgestellt werden kann.
Der Elektrizitätsverbrauch von Rechenzentren in der Schweiz steht in einem gewissen, wenn auch losen Zusammenhang mit der DLT-Nutzung, denn entsprechende digitale Transaktionen werden in Rechenzentren durchgeführt. Eine aktuelle Analyse des Bundesamtes für Energie (BFE) zeigt, dass diese im Jahr 2019 etwa 2100 GWh Elektrizität verbrauchten, was etwa 3.6 Prozent des gesamten Elektrizitätsverbrauchs der Schweiz entspricht. Die Szenarien zeigen, dass in Zukunft ein Anstieg des Elektrizitätsverbrauchs der Schweizer Rechnungszentren bis zu 4000 GWh möglich ist. Hierzu tragen allerdings nicht nur DLT, sondern auch Digitalisierungstrends wie Big Data, Internet der Dinge, Streaming oder Cloud-Computing bei. Das Effizienzpotential der Rechenzentren ist nicht zu vernachlässigen und beträgt aktuell etwa 46 Prozent des aktuellen Verbrauchs. Mit der Kampagne "effiziente Rechenzentren" fördert das Programm EnergieSchweiz des BFE Massnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz von Rechenzentren. Weiter unterstützt der Bund freiwillige Ansätze wie das Effizienzlabel der Swiss Datacenter Efficiency Association (SDEA) oder die Umsetzung von Massnahmen im Rahmen des Programms ProKilowatt. Zudem werden Grundlagenarbeiten zur Entwicklung von energieeffizienten DLT-Anwendungen im Strommarkt gefördert.
Aufgrund der derzeit geringen Erfolgsaussichten einer Quantifizierung des Elektrizitätsverbrauchs von DLT in der Schweiz erscheint die Vertiefung dieser Frage im Rahmen eines Postulatberichts nicht angezeigt.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.