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21.3153 · Interpellation · 2021-03-15

Departement für auswärtige Angelegenheiten

Erledigt

Wortlaut

In der "Samstagsrundschau" (20.2.2021) hat sich Bundesrat Cassis zur Schweizer Beteiligung an der Sklaverei geäussert. Sein Positionsbezug geht erfreulicherweise über das hinaus, was Bundesrätin Leuthard 2017 in Benin zur Schweizer Rolle in Sklaverei und Kolonialismus geäussert hat. Jedoch vertritt Bundesrat Cassis einmal mehr die These, dass weder die Schweiz als Land noch die "Organe des Landes" in die Sklaverei involviert gewesen seien und wir als Land "keine koloniale Vergangenheit" hätten. Dies ist dreifach falsch und durch die historische Forschung wiederlegt:

Die atlantische Sklaverei dauerte von 1444 bis 1888. Dass es die Schweiz als Staat erst seit 1848 gibt, ist nicht unser Verdienst. Anstatt sich auf die Gnade der späten Geburt zu kaprizieren, sollten die Verstrickung unseres ökonomischen, kulturellen, ideologischen und gesellschaftlichen Raums analysiert werden. Es geht nicht nur um Spuren staatlichen Handelns, sondern es gilt: "Follow the blood-money".

Es gab durchaus staatliche Körperschaften der Eidgenossenschaft, die in die atlantische Sklaverei involviert waren: die alten Orte Zürich, Bern und Solothurn. Ausserdem hat der Bundesrat noch 1864 Sklavenhandel und Sklaverei entschuldigt, gerechtfertigt und als "zweckmässig" dargestellt. Dies damit erklären zu wollen, der Bundesrat sei von den Normen geprägt gewesen, "die in den 1860er Jahren vorherrschten" (Antwort auf Interpellation 18.3072), ist ebenso absurd wie ahistorisch.

Auch in den übrigen europäischen Kolonialmächten war Sklavenhandel und Sklaverei bis ins 18. Jahrhundert weitgehend Sache von Privaten. Die französischen, holländischen, dänischen und englischen Ost- und Westindiengesellschaften waren privatrechtlich organisierte kommerzielle Unternehmen mit eigenen Truppen, Verwaltungsorganen, Gerichtsbarkeit und Landbesitz.

Ich bitte den Bundesrat um Beantwortung dieser Fragen:

Ist er sich bewusst, dass die von Bundesrat Cassis besuchte und so emotional geschilderte Insel Gorée für die Verschiffung von Versklavten unbedeutend war und als Mythos vor allem dem Tourismus dient?

Teilt er die Meinung von Bundesrat Cassis, die in Afrika dominierende schwarze Hautfarbe sei eine Folge des heissen Klimas?

Was unternimmt der Bundesrat, damit das Wissen seiner Mitglieder bezüglich der Schweizer Beteiligung an Kolonialismus, Sklavenhandel und Sklaverei auf den aktuellen Stand des historischen Wissens gebracht wird?

Stellungnahme des Bundesrates

Die Insel Gorée ist im Laufe der Zeit zu einem Ort der Erinnerung an den Sklavenhandel geworden. In dieser Eigenschaft ist die Insel seit 1978 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Der Bundesrat anerkennt die Bedeutung von Erinnerungsorten für die Vergangenheitsarbeit. Er unterstützt in diesem Sinn mit seiner Aussenpolitik die Bemühungen mehrerer Länder Afrikas. Der Bundesrat masst sich aber nicht an, besser zu wissen als die afrikanischen Länder, wie und wo sie der leidvollen kolonialen Geschichte gedenken sollen.

Antwort des Bundesrates.

Bundesrat Cassis, die Schweiz und die Sklaverei | Lexipedia | Lexipedia