21.3236 · Interpellation · 2021-03-17
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Die Task Force "Perspektive Berufslehre" setzt sich dafür ein, dass trotz Corona-Pandemie möglichst viele Jugendliche eine Lehrstelle finden. Gleichzeitig sollen Lehrbetriebe ihre offenen Lehrstellen besetzen, diese erhalten und damit ihren Bedarf an künftigen qualifizierten Fachkräften decken können. Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um Klärung folgender Fragen:
1. Welche Instrumente hat die Task Force bisher reaktiviert und weiterentwickelt, um die Ungleichgewichte auf dem Lehrstellenmarkt zu bewältigen?
2. Wie beurteilt der Bundesrat die aktuelle Situation auf dem Lehrstellenmarkt im Vergleich zum Vorjahr? Reichen die bisher ergriffenen Massnahmen aus, um allen Jugendlichen und weiteren Interessierten eine angemessene Berufslehre garantieren zu können?
3. Wie entwickeln sich Angebot und Nachfrage nach Lehrstellen namentlich in den von der Corona-Pandemie besonders stark betroffenen Branchen wie Gastronomie, Event-Branche und Kultur?
4. Wie wirkt sich die aktuelle Lage auf die Chancen von lernschwachen Schulabgängerinnen und -abgängern aus, eine Lehrstelle zu finden? Welche speziellen unterstützenden Massnahmen haben die verantwortlichen Stellen für diese Gruppe getroffen?
5. Wie wirkt sich die Krise auf dem Lehrstellenmarkt auf Erwachsene ohne Lehrabschluss oder mit Interesse an einer Zweitausbildung aus? Welche Massnahmen sind in diesem Bereich ergriffen worden?
6. Was sind die Folgen für Umsteigerinnen und Umsteiger in andere berufliche Grundbildungen, Personen in Brückenangeboten oder Zwischenlösungen, Personen ohne schweizerischen Berufsabschluss oder Personen, welche das Gymnasium oder die Fachmittelschule abgebrochen haben? Gibt es hier spezielle Massnahmen?
7. Laut den neuesten Ergebnissen des Lehrstellenpulses der ETH Zürich und der Lehrstellenplattform Yousty hat sich die Situation der Jugendlichen mit der jüngsten Teilschliessung merklich verschlechtert. Welcher Anteil der Betriebe können ihre Lernenden vor Ort nur limitiert einsetzen? Was sind die Folgen?
8. Wie beurteilt der Bundesrat die Folgen der Krise auf die psychische Gesundheit der Jugendlichen? Welche Massnahmen ergreift er, damit sich psychische Schwierigkeiten nicht negativ auf den Einstieg in eine Berufslehre und deren erfolgreichen Abschluss auswirken?
Stellungnahme des Bundesrates
1. Die Kantone und Organisationen der Arbeitswelt (OdA) verfügen über ein erprobtes Set an Massnahmen zur Unterstützung der Jugendlichen und Lehrbetriebe. Die wichtigste Anlaufstelle für Beratung und Information sind die kantonalen Berufs-, Studien- und Laufbahnberatungen (BSLB). Auf der zentralen Internet-Plattform berufsberatung.ch finden sich umfassende Informationen zu Berufen, Ausbildungen und Unterstützungsangeboten sowie der offizielle Lehrstellennachweis. In allen Kantonen sind Begleitangebote vorhanden. Wo derzeit Schnupperlehren oder der Besuch von Informationsveranstaltungen und Berufsmessen nicht möglich sind, helfen virtuelle Veranstaltungen weiter. Die kantonale Lehraufsicht berät zudem die Lehrbetriebe beim Erhalt und der Schaffung von Lehrstellen. Das Instrumentarium kann bei Bedarf ausgedehnt oder mit zusätzlichen Massnahmen erweitert werden. Die Task Force sorgt dabei auf nationaler Ebene für möglichst optimale Vernetzung und Austausch und gibt Empfehlungen zuhanden der Verbundpartner ab.
2./3. Die Berufsbildung hat sich bis jetzt als krisenresistent erwiesen. Der Lehrstellenmarkt 2020 blieb stabil. Die monatlichen Trendmeldungen seitens der Kantone zeigen auch für 2021 eine insgesamt stabile Lehrstellensituation. Gewisse Verzögerungen bei der Rekrutierung von Lernenden zeigen sich in der Fitness- und Eventbranche sowie im Hotel- und Gastronomiebereich. Die Kantone, OdA sowie die Lehrbetriebe setzen sich dafür ein, dass Berufswahl und Lehrstellenbesetzung möglichst reibungslos verlaufen.Projekte zur Stabilisierung des Lehrstellenmarktes unterstützt der Bund weiterhin mit dem Förderschwerpunkt "Lehrstellen Covid-19" (prioritäre Behandlung sowie Übernahme von 80 Prozent statt 60 Prozent der Aufwendungen).
4. Alle Kantone verfügen über Massnahmen, um Jugendliche bei der Berufswahl zu unterstützen. Darunter finden sich Massnahmen, die sich explizit an schulisch schwächere Jugendliche richten. Dazu zählen Coaching und Mentoring. Je nach Situation sind diese Angebote auf spezifische Zielgruppen wie Jugendliche mit Migrationshintergrund ausgerichtet. Falls Jugendliche am Ende der obligatorischen Schule schulische oder soziale Lücken aufweisen, stehen Brückenangebote bereit, die auf eine berufliche Grundbildung vorbereiten und so die Chancen auf dem Lehrstellenmarkt erhöhen.
5. Der Lehrstellenmarkt ist gemäss monatlichen Rückmeldungen der Kantone insgesamt stabil. Davon profitieren auch Erwachsene, die sich für eine berufliche Grundbildung interessieren. Für Erwachsene stehen dabei verschiedene Wege offen, einen Abschluss der beruflichen Grundbildung zu erlangen. Informationen dazu finden sich bei den kantonalen BSLB.
6. Anlaufstelle sind die kantonalen Berufsbildungsämter sowie die BSLB. Sie unterstützen Jugendliche und Erwachsene sowie Unternehmen. Sie sind mit den Verhältnissen vor Ort vertraut und können beispielsweise auch in Zusammenarbeit mit kantonalen OdA gezielt Lösungen finden, z.B. Umplatzierungen innerhalb einer Branche.
7. Die Kantone und regionalen OdA setzen sich dafür ein, dass trotz der Corona-Massnahmen die betriebliche Ausbildung aufrechterhalten werden kann. Seit Januar 2021 sind beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation vermehrt auch Gesuche aus Branchen eingetroffen, in welchen die betriebliche Bildung zurzeit erschwert ist. Dazu zählen beispielsweise Ersatzformate im Hotel- und Gastronomie- sowie im Fitnessbereich und der Eventbranche. Lernende erhalten so die Möglichkeit, trotz den Auswirkungen von Corona ihre Bildungsziele zu erreichen und sich eine gute Grundlage für das Bestehen der Lehrabschlussprüfungen zu sichern. Wichtige Massnahmen zur Stützung der betrieblichen Bildung sind auch die Kurzarbeitsentschädigungen für Berufsbildnerinnen und Berufsbildner sowie für Lernende.
8. Der Bundesrat ist sich bewusst, dass die Corona-Pandemie für alle Generationen eine Belastung ist, mit unterschiedlichen Auswirkungen. Bund, Kantone und OdA setzen sich seit Beginn der Pandemie gemeinsam dafür ein, dass Jugendliche auf dem Lehrstellenmarkt Fuss fassen und eine berufliche Grundbildung absolvieren können sowie Perspektiven nach dem Lehrabschluss haben. Für 2021 haben die Verbundpartner vereinbart, dass die Lehrabschlussprüfungen möglichst regulär stattfinden sollen. Die Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger können so vollwertige und anerkannte Berufsbildungsabschlüsse erlangen.
Antwort des Bundesrates.