21.3567 · Interpellation · 2021-05-05
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
1. Lässt sich aus Sicht des Bundesrates die vorherrschende Knappheit von Holz mit einer besseren Ausnützung des lokalen Holzpotentials ausschöpfen?
2. Ist der Bundesrat mit der Feststellung einverstanden, dass die aktuellen Abnahmepreise für Rohholz in der Schweiz zu unattraktiv sind und dass es zu wenig Kapazitäten in der holzverarbeitenden Industrie gibt?
3. Erachtet der Bundesrat ein Konjukturprogramm zur Erhöhung des Holzpreises als mögliche Massnahme?
4. Welche möglichen kurzfristigen Massnahmen sieht der Bundesrat, um die Holzindustrie, insbesondere die Holzverarbeitung (Sägerei) in der Schweiz langfristig zu stärken?
5. Welche Handlungsspielräume sieht der Bundesrat bei den raumplanerischen Rahmenbedingungen?
6. Wie beurteilt der Bundesrat eine mögliche Lockerung der Kriterien des Labels "Schweizer Holz", bei welchem aus der Schweiz stammendes Holz und im Ausland (max.200km Umkreis) verarbeitetet zu Schweizer Holz zertifiziert werden könnte?
7. Haben die aktuellen Marktverhältnisse Auswirkungen auf den "Aktionsplan Holz" des Bundes?
8. Wie beurteilt der Bundesrat die Lage für kleinere und mittlere Bauunternehmen in der Schweiz aufgrund der Covid-Pandemie und den erhöhten Preisen von Baumaterialien?
9. Geht der Bundesrat mit dem Interpellanten*innen einig, dass die Covid-Pandemie die Vorteile von lokalen Wirtschaftskreisläufen in Bezug auf Krisenfestigkeit (Resilienz) aufzeigt?
10. Die Förderung von Holz als Baustoff ist Teil der Klimapolitik des Bundes: Welche Massnahmen sieht der Bundesrat vor, damit die Klimareduktionsziele trotz anhaltender Holzknappheit erreicht werden können?
11. Was ist die Haltung des Bundesrates zur Einführung eines Holzpreis-Indexes?
Begründung
In ganz Westeuropa herrscht momentan ein Mangel an Bauholz und anderem Baumaterial. Die steigenden Preise und die Lieferengpässe auf dem Holzmarkt sind für die Branche eine grosse Herausforderung. Auch andere Baumaterialien wie Dämmstoffe, Polyethylen, Polypropylen und Lacke sind momentan sehr knapp. Gründe sind einerseits die Unterbrechung globaler Lieferketten durch die Covid19-Pandemie, andererseits aber auch die erhöhte Nachfrage aus den USA und China. Diese Knappheit hat gravierende Auswirkungen auf Bauunternehmungen und Auftragsgeber*innen. Beim mehrgeschossigen Bauen mit Holz gehört die Schweiz zu den führenden Ländern Europas. Von den nachgefragten Mengen an Halbfabrikaten und Holzwerkstoffen kann jedoch nur ein geschätztes Viertel durch die Schweizer Verarbeitungskapazitäten beliefert werden. Der Rest wird aus dem Ausland importiert. Massnahmen wie beispielsweise die Schaffung eines Holzpreis-Index würde die Entwicklung der Einkaufspreise der in der Branche verwendeten Schnittholz- und Holzwerkstoffsortimente aus dem In- und Ausland widergeben und zu einer grösseren Markttransparenz beitragen. Die aktuelle Situation zeigt, dass eine krisenfeste und ökologische Wirtschaft auf möglichst lokalen Wirtschaftskreisläufen basieren muss. Mit dem CO2-Gesetz möchte der Bund das Gebäudeprogramm auf effiziente Holzbauten ausrichten. Im Jahr 2021 publiziert der Bundesrat zudem sein "Aktionsplan Holz" (siehe Antwort des Bundesrates zu Interpellation 20.4607). Hierfür braucht es jedoch genügend Schweizer Bauholz.
Stellungnahme des Bundesrates
1) Im Schweizer Wald besteht noch ein ungenutztes Holznutzungspotenzial von 2 bis 3 Millionen m3 pro Jahr bezogen auf den Zuwachs (Differenz zum Sollwert des Indikators von Ziel 1 der Waldpolitik 2020). In den letzten Jahren ergab sich gleichzeitig ein grosses Angebot von Holz aus Zwangsnutzungen aufgrund von Sturm- und Borkenkäferschäden sowie Trockenheit im Wald. Kurzfristig lässt sich dieses Potenzial zur Minderung der vorherrschenden Knappheit bei Holzprodukten aber nur bedingt nutzen, da die spezifischen Verarbeitungskapazitäten vor Ort nicht ausreichen würden.
2) Die Preise für Rohholz bilden sich am Markt in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage. Dabei entscheiden die Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer oder deren Bewirtschafter, ob die angebotenen Preise für einen Verkauf attraktiv genug sind. Weiter zeigt die Branchenanalyse "Wertschöpfungskette Wald und Holz", dass es in der Schweiz Lücken in der Verarbeitungskette (insbesondere Leimholzproduktion) und in der Versorgung gibt.
3) Es sind keine konjunkturfördernden Massnahmen über die bestehenden Instrumente des Bundes hinaus vorgesehen. Der Bundesrat beobachtet über seine Fachämter (SECO, BAFU, BLW) laufend die Lage auf den Märkten.
4) Dem Bund stehen zur Förderung von innovativen Projekten verschiedene Instrumente wie der Aktionsplan Holz, die Wald- und Holzforschungsförderung, die Umwelttechnologieförderung sowie Förderangebote der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse zur Verfügung. Damit können im vorwettbewerblichen und überbetrieblichen Bereich Projekte der Holzwirtschaft unterstützt werden.
5) Der Bund legt die Rahmenbedingungen fest, und diese stellen auch notwendige Handlungsspielräume sicher. Diese sollen projektbezogen und in Abstimmung mit den kantonalen und kommunalen Richt- und Nutzungsplänen beurteilt werden.
6) Beim Label "Schweizer Holz" handelt es sich um eine privatrechtliche Kennzeichnung. Über die Kriterien entscheiden die Eigner des Labels.
7) Die aktuellen Marktverhältnisse haben insofern Auswirkungen auf den Aktionsplan Holz, als in der ersten Runde der Gesuchseingaben von Ende März 2021 bereits eine Vielzahl von Projekten eingereicht wurden.
8) Der Rückgang der Wertschöpfung im Baugewerbe war mit -3,9 Prozent im Jahr 2020 im Vergleich zu den am stärksten von der COVID-19 Pandemie betroffenen Branchen relativ gering. Auch die Anzahl abgerechnete Kurzarbeitsentschädigung war im Baugewerbe im Vergleich tiefer. Mit den aktuell laufenden Öffnungsschritten und der allgemeinen konjunkturellen Erholung wird auch für das Baugewerbe eine Verbesserung der Lage erwartet.
9) Die aktuelle Lage zeigt bei global gehandelten Produkten die Bedeutung von lokalen Wirtschaftskreisläufen in Bezug auf die Krisenfestigkeit (Resilienz) auf.
10) Die Senkenleistung von Schweizer Holz kann für die Erfüllung der Kompensationspflicht der Treibstoffimporteure gemäss geltendem CO2-Gesetz anerkannt werden. Damit wird der Holzwirtschaft ein wirkungsvolles Instrument zur Teilfinanzierung des Ausbaus von Verarbeitungskapazitäten ermöglicht.
11) Das Bundesamt für Statistik (BFS) erstellt und veröffentlicht bereits mehrere Preisindizes für Rohholz, Schnittholz und einen Teil der Holzprodukte.
Antwort des Bundesrates.