21.3817 · Postulat · 2021-06-17
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, Vorschläge auszuarbeiten, um die Promotion von alkoholischen Getränken einzuschränken, vor allem bei den Jungen.
Begründung
Im August 2016 wurden in der Zeitschrift "Addiction" Studien publiziert, die zwischen Alkoholwerbung und Konsumexzessen bei den Jungen einen eindeutigen Zusammenhang nachwiesen. Die Studie wurde mit 9000 Jugendlichen aus Deutschland, Italien, den Niederlanden und Polen durchgeführt; das Durchschnittsalter betrug 14 Jahre. Zwischen der konsumierten Alkoholmenge und dem Kontakt mit Werbung wurde in diesen Ländern ein Zusammenhang festgestellt, obwohl das Umfeld und die kulturellen Gewohnheiten unterschiedlich sind.
In der Schweiz hat eine repräsentative Umfrage von Sucht Schweiz gezeigt, dass Jugendliche auf Alkoholwerbung besonders sensibel reagieren. So wurde festgestellt: Je mehr die befragten Personen solche Werbung wahrgenommen hatten, desto häufiger gaben sie an, gelegentlich in riskanten Mengen zu konsumieren. Diese Korrelation ist vor allem in der Altersgruppe der 15-24-Jährigen festzustellen. Darüber hinaus soll mehr als die Hälfte der kontaktierten Personen für strengere Einschränkungen bei der Werbung sein.
In letzter Zeit konnte man beobachten, dass die Pandemie starke Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden der Jungen hat. Eine schlechte psychische Gesundheit erhöht aber das Risiko von problematischem Konsum von psychotropen Stoffen bei den Jungen. Zusätzlich zu den Präventionsprogrammen, mit denen Lebensbedingungen geschaffen werden sollen, die für die Entwicklung der Jungen förderlich sind, empfehlen die Gesundheitsfachleute auch eine Reduktion der Anreize zum Konsum.
Das digitale Marketing für Alkohol ist bald omnipräsent, und die Alkoholmarken nutzen sehr viele Online-Plattformen und soziale Medien, um ihre Produkte zu bewerben. Besonders die Jungen sind durch die Kommunikationskanäle, die sie nutzen, konstant mit Werbung konfrontiert.
Es ist daher an der Zeit, etwas zu unternehmen, um diese negative Entwicklung zu stoppen. In seiner Antwort auf einen anderen Vorstoss zu diesem Thema hielt es der Bundesrat Anfang 2017 nicht für angezeigt, neue Einschränkungen vorzuschlagen. Seither sind aber vier Jahre verstrichen, und die Pandemie wird Spuren hinterlassen. Es ist darum nötig, Massnahmen zu ergreifen, insbesondere um die Jungen vor dem Kontakt mit Alkoholwerbung speziell in der digitalen Welt zu schützen.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat anerkennt das von der Postulantin eingebrachte Anliegen, Jugendliche vor Alkoholwerbung zu schützen. Er hält jedoch an seiner Stellungnahme zum Postulat 16.4013 Fehlmann Rielle "Klarer Zusammenhang zwischen Alkoholwerbung und übermässigem Alkoholkonsum. Es braucht Massnahmen!" fest und erachtet weitergehende gesetzliche Bestimmungen bei der Alkoholwerbung derzeit als nicht opportun.
Hingegen will der Bundesrat ein Augenmerk auf den Vollzug der Bestimmungen zur Alkohol-Werbung im Alkoholgesetz (AlkG; SR 680) und dem Lebensmittelgesetz (LMG; SR 817.0) legen. Denn die Kontrolle der Werbung, insbesondere im Internet wurde in den letzten Jahren aufgrund der Vielzahl der Kanäle wie auch der zunehmenden Algorithmisierung immer schwieriger. So ist der Bundesrat bereit, in einem Bericht zu evaluieren, wie die geltenden Bestimmungen zur Alkohol-Werbung im Internet umgesetzt werden und insbesondere wo dabei die Herausforderungen liegen.
Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.