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Auswirkungen von Pestiziden auf die Gesundheit. Standortbestimmung in der Schweiz

21.3861 · Postulat · 2021-06-17

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erledigt

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen, in dem der aktuelle Kenntnisstand über die Anzahl Erkrankungen an Parkinson, Lymphomen und Hirntumoren bei Personen, die in der Landwirtschaft, im Obstanbau und im Weinbau tätig sind, dargelegt wird.

Begründung

In Frankreich werden seit 2012 mehrere Krankheiten als Berufskrankheiten angesehen. Dazu gehören unter anderem Parkinson, Lymphome und Krebskrankheiten im Hals-Nasen-Ohren-Bereich. Vor Kurzem wurden Hirntumore von Bäuerinnen und Bauern, die 2020 verstorben sind, als Berufskrankheiten angesehen. Es wurde ein Fonds für die Entschädigung von Pestizidopfern geschaffen, aus dem Bäuerinnen und Bauern, aber auch Kinder, die vor der Geburt Pestiziden ausgesetzt waren, entschädigt werden.

Die Schaffung einer nationalen Datenbank über Pestizidopfer stellt ein statistisches Werkzeug wie auch ein Hilfsmittel für die Gesundheitsüberwachung dar. Alle Berufsgruppen sollten dazu ermutigt werden, Daten über Krankheiten zu erheben, die einen potenziellen Zusammenhang mit einer Belastung durch Pestizide haben, deren Übertragungswege verschieden sein können: über die Augen, die Haut, die Atemwege oder die Verdauung. Die am stärksten belasteten Berufe sind Berufe in der Landwirtschaft, im Obstanbau und im Weinbau. Aber auch Personen, die mitten in oder am Rande von Gebieten leben, in denen Pestizide eingesetzt werden, sind stark belastet.

In der Schweiz verfügen wir über kein Register, das die möglichen Zusammenhänge aufführt zwischen der Pestizidbelastung und verschiedenen Krankheiten, von denen bekannt ist, dass sie bei chronischer Belastung eine erhöhte Inzidenz haben. Ein Walliser Neurologe hat bei Patientinnen und Patienten mit Parkinson (das in Frankreich eine 13-prozentig höhere Inzidenz als beim Rest der Bevölkerung aufweist) eine Blutbestimmung von Pestiziden durchgeführt und bis zu zwölf verschiedene Pestizide mit Werten gefunden, die klar sind höher als die Werte, die im Blut als akzeptabel angesehenen sind.

Diese einzelne Studie ermöglicht es jedoch nicht, mit Sicherheit einen Zusammenhang zwischen Krankheiten und der Pestizidexposition der untersuchten Personen herzustellen, und es ist die Aufgabe des Bundesrates, die Auswirkungen der Pestizidbelastung im Rahmen der Berufsausübung auf die Gesundheit zu untersuchen. Die nationale Krebsregistrierungsstelle ist zwar erst seit 2020 tätig, könnte aber bereits dabei helfen, den Zusammenhang zwischen der Inzidenz von gewissen Krebskrankheiten und dem Beruf oder dem Lebensort der betroffenen Patientinnen und Patienten zu untersuchen.

Antrag des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat sorgt sich um die Gesundheit der Personen, die in der Landwirtschaft, im Obstanbau und im Weinbau beschäftigt sind, insbesondere wenn diese durch eine berufsbedingte Exposition gegenüber Pflanzenschutzmitteln beeinträchtigt werden kann. Wie er in seiner Stellungnahme zur Interpellation Munz 20.4193 erwähnte, hat das Institut für Arbeit und Gesundheit der Universität Lausanne im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) eine Literaturstudie über die gesundheitlichen Auswirkungen der beruflichen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft durchgeführt. Gestützt auf die aktuell international vorhandenen epidemiologischen Daten zeigen die Ergebnisse dieser 2017 publizierten Studie, dass gewisse Arten von Krebs und bestimmte neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson bei Personen, die bei ihrer Arbeit Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt sind, häufiger auftreten als bei anderen Berufsgruppen.

Angesichts dieser Erkenntnis hat das SECO im Rahmen des Aktionsplans des Bundesrates zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln die Studie "Überwachung der chronischen Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf die Gesundheit von professionellen Anwendern in der Schweiz" in Auftrag gegeben. Die 2020 publizierte Studie präsentiert verschiedene weltweit bestehende Überwachungssysteme, beschreibt die Voraussetzungen für den Aufbau eines entsprechenden Systems und skizziert die notwendigen Etappen für die Einführung eines an die Bedingungen in der Schweiz angepassten Überwachungssystems. Die Studie kommt zum Schluss, dass in der Schweiz zwar Datenbanken verfügbar sind, diese aber nicht zur Beurteilung der Gesundheitsrisiken von Anwenderinnen und Anwendern von Pflanzenschutzmitteln konzipiert wurden.

Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich anhand der verfügbaren Daten die Anzahl der Personen, die in der Landwirtschaft, im Obstanbau und im Weinbau tätig und potenziell von den im Postulat erwähnten Erkrankungen betroffen sind, nicht genau ermitteln. Es ist daher nicht möglich, einen Bericht zu diesem Thema vorzulegen. Durch die Umsetzung der parlamentarischen Initiative der WAK-S 19.475 sollte sich die Datenqualität zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln jedoch verbessern. Mittelfristig dürfte somit mehr über die Exposition von professionellen Anwenderinnen und Anwendern bekannt sein.

Bestandteil des aktuell umgesetzten Aktionsplans zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist auch die Weiterbildungspflicht für die berufliche Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sowie die Verstärkung der Kenntnisse über den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln in der beruflichen Grundbildung und in der höheren Berufsbildung. Damit sollten professionelle Anwenderinnen und Anwender von Pflanzenschutzmitteln einfacher identifiziert werden können, womit sich auch die Prävention verbessern lässt.

Nach Meinung des Bundesrates wurde die Gesundheitsüberwachung der Landwirtinnen und Landwirte im erwähnten Aktionsplan bereits eingehend behandelt. Somit braucht es zurzeit keinen spezifischen Bericht zu diesem Thema.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.