Pro Helvetia. Benachteiligen die neuen Strategien die italienischsprachige Schweiz und die Mehrsprachigkeit?
21.4258 · Interpellation · 2021-09-30
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Auf Anfang Januar 2021 hat die Pro Helvetia die Förderungsmodalitäten geändert und damit implizit beschlossen, insbesondere Fachbücher bzw. Sachpublikationen einschliesslich deren Übersetzungen anders als bisher zu behandeln. Texte über geschichtliche, soziale und wissenschaftliche Themen und deren Übersetzungen werden demnach nicht mehr unterstützt, obwohl sie dem heutigen kulturellen und künstlerischen Schaffen als Grundlage dienen und zum Wissen, zur gegenseitigen Verständigung und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und damit zur Erreichung der prioritären Ziele beitragen, auf denen die Kulturbotschaft 2021-2024 des Bundes beruht.
Die Kulturbotschaft 2021-2024 gründet aber ausdrücklich auf der Kontinuität der Inhalte. Es wird festgehalten, die im Zeitraum von 2016-2020 eingeführten Massnahmen würden beibehalten und gezielt weiterentwickelt. Der Unterstützungsbeitrag, den die Pro Helvetia jedes Jahr erhält, wurde nicht gekürzt, im Gegenteil. Weder in der Botschaft noch in der parlamentarischen Debatte war die Rede von einem Strategiewechsel und von der Einstellung der Finanzhilfen für Übersetzungen.
Wie will der Bundesrat die Kontinuität gewährleisten und geschichtliche, soziale und wissenschaftliche Werke und deren Übersetzungen in alle Landessprachen fördern?
Stellungnahme des Bundesrates
Pro Helvetia hat innerhalb der durch die Kulturbotschaft 2021-24 gesetzten Rahmenbedingungen und inhaltlichen Zielsetzungen wie jedes Jahr auch auf 2021 Priorisierungen innerhalb des Förderportfolios vorgenommen, die zu einer angepassten Praxis im Umgang mit dem Sachbuch und dessen Übersetzung führen: Folge davon ist, dass gewisse Übersetzungsprojekte, die bis Ende 2020 noch Unterstützung erhalten konnten, seit 2021 nicht mehr gefördert werden können. Für Übersetzungen von Sachbüchern ins Italienische betrifft dies maximal ein bis drei Projekte pro Jahr. Dementsprechend war die Übersetzung von Fachbüchern schon in der Kulturbotschaft 2016-2020 nicht mehr erwähnt.
Anpassungen im Förderportfolio und Präzisierungen der Fördermassnahmen finden während jeder Kulturbotschaftsperiode statt. Dadurch wird die Kontinuität der Kulturförderung nicht in Frage gestellt und von einer strategischen Neuausrichtung kann daher nicht gesprochen werden.
Als Stiftung mit eigener Rechtspersönlichkeit setzt Pro Helvetia gestützt auf Artikel 32 Kulturförderungsgesetz KFG (SR 442.1) Veränderungen des Förderportfolios unter jederzeitiger Respektierung des gesetzlichen Auftrags autonom um. Diese operative und inhaltliche Freiheit von Pro Helvetia wird vom Bundesrat auch bei der Festlegung der strategischen Ziele der Stiftung berücksichtigt. In den strategischen Zielen des Bundesrates für die Stiftung Pro Helvetia 2021-2024 wird die Unterstützung von Publikationen zu historischen, gesellschaftlichen oder wissenschaftlichen Themen folgerichtig nicht als Ziel vorgegeben.
Grundsätzlich ist der Bundesrat der Meinung, dass die Förderung von Übersetzungen thematischer Publikationen bei Pro Helvetia eine angemessene und wichtige Stellung einnimmt denn es werden weiterhin Veröffentlichungen und deren Übersetzungen in alle Landessprachen unterstützt, sofern sie sich mit dem aktuellen Schweizer Kunst- und Kulturschaffen auseinandersetzen.
Pro Helvetia fördert das mehrsprachige literarische Schaffen aus allen Sprachregionen der Schweiz mit Blick auf Vielfalt und nationale wie internationale Ausstrahlung. Die Stiftung unterstützt die Entstehung literarischer Werke aus allen Landessprachen und deren Übersetzungen, die Vermittlung des literarischen Schaffens ans Publikum, den Kulturaustausch im Inland und die Verbreitung von Schweizer Literatur im Ausland. Durchschnittlich werden pro Jahr rund dreissig Übersetzungen ins bzw. aus dem Italienischen in andere Zielsprachen unterstützt, wodurch ein vielfältiges mehrsprachiges Angebot gewährleistet ist.
Antwort des Bundesrates.