21.7511 · Fragestunde. Frage · 2021-06-07
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Laut einer dänischen Studie nimmt das Krebsrisiko bei Nitrat im Trinkwasser ab einer Belastung von 3.87 mg/Liter signifikant zu. Die gewählte Methodik wird als statistisch robust beurteilt und als starker Hinweis auf eine tatsächlich vorhandene Kausalität (je höher die Nitrat-Konzentration, desto höher das individuelle Darmkrebs-Risiko). Der Grenzwert in der Schweiz beträgt 25 mg/Liter, Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung:
Was zeigen entsprechende Studien für die Schweiz?
Stellungnahme des Bundesrates
Die Mehrzahl der Studien - wie die Studie von 2018 von Schullehner et al., "Nitrate in Drinking Water and Colorectal Cancer Risk", auf welche die Frage sich bezieht - deutet auf einen möglichen, wenn auch schwachen Zusammenhang zwischen Nitrat im Trinkwasser und Darmkrebs hin. Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, wird jedoch von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Fünf bis Zehn Prozent dieser Erkrankung werden genetischen Faktoren zugeschrieben. Zudem erhöhen auch veränderbare Faktoren wie Rauchen, hoher Alkoholkonsum, hoher Body Mass Index, sowie fehlende körperliche Aktivität das Darmkrebsrisiko. Neben all diesen Faktoren muss bei epidemiologischen Studien zum Zusammenhang zwischen der Nitrataufnahme aus dem Trinkwasser und dem Risiko für Darmkrebs immer bedacht werden, dass Nitrat auch in anderen Lebensmitteln enthalten ist, beispielsweise in Gemüse und gepökelten Fleischwaren. Daher kann der Beitrag des im Trinkwasser enthaltenen Nitrats zum Darmkrebsrisiko nicht abschliessend bestimmt werden. Mangels Datenlage und Studien zur tatsächlichen Nitratexposition können in der Schweiz zurzeit keine verlässlichen Verknüpfungen zu Dickdarmkrebsfällen gemacht werden. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen wird allerdings noch im Verlaufe dieses Sommers eine Studie publizieren, die Erkenntnisse zur Nitrataufnahme aus Trinkwasser in der Schweiz aufzeigen wird.