22.3224 · Motion · 2022-03-17
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, die Forschung im Bereich der Endometriose stärker zu fördern und dafür dem Schweizerischen Nationalfonds für Forschung einen Auftrag zu erteilen. Im Zusammenhang mit diesem Auftrag sind insbesondere auch die finanziellen Auswirkungen der Endometriose auf die Krankenkassen und die Gesellschaft (späte Operationen, nochmalige Operationen, zahlreiche Arztbesuche, Fehlen am Arbeitsplatz) zu untersuchen.
Begründung
Eine von zehn Frauen ist von Endometriose betroffen; das entspricht mehr als 200 000 Frauen in der Schweiz. Es ist anzunehmen, dass die Zahl aber deutlich höher liegt, da diese Krankheit zu Beginn ihres Auftretens oft nur wenige Symptome aufweist. Für viele Spezialistinnen und Spezialisten explodiert die Anzahl Fälle seit einigen Jahren buchstäblich. Einige haben während ihrer Ausbildung keine einzige Patientin mit diesem Leiden gesehen. Gewisse Spitäler (z. B. Unispital Genf) führen heute aber jede Woche zwei bis drei Operationen durch.
Laut "Revue médicale suisse" liegen zwischen dem Ausbruch der Erkrankung und deren Diagnose acht bis zehn Jahre. Eine möglichst rasche Diagnose ist wichtig, um die Krankheit zu stoppen und die Fruchtbarkeit und eine Lebensqualität für die Patientinnen zu erhalten oder wiederzuerlangen. Das Problem liegt also in einer späten Diagnose, ja in medizinischen Irrungen und Wirrungen. Eine der Lösungen ist die frühzeitige Erkennung.
Laut den Fachleuten des Unispitals Genf und des Inselspitals steckt aber die Früherkennung der Endometriose noch in den Kinderschuhen. Für die Entwicklung der dafür notwendigen Instrumente bedarf es umfangreicher Forschung. Die Schweiz ist in diesem Bereich klar im Rückstand. Wie auch allgemeiner bei der "Women Health", die in der Forschung wenig thematisiert und entsprechend wenig prioritär behandelt wird.
Der Schweizerische Nationalfonds führt kaum Forschung im Bereich der Endometriose durch. Rasches Handeln ist deshalb vonnöten, damit in der Schweiz Kompetenzen in diesem Bereich entwickelt werden, einem grossen Teil der Frauen Erleichterung verschafft wird und hohe Gesundheitskosten, die nach einer Schätzung in der Schweiz bei jährlich 1,5 Milliarden liegen, vermieden werden.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat anerkennt, dass die Endometriose für die betroffenen Frauen belastend sein kann; dies insbesondere, wenn Schmerzen, die mit der Krankheit einhergehen, die Lebensqualität vermindern. Bund und Kantone setzen sich dafür ein, dass jede Person die für ihre Gesundheit notwendige Pflege erhält.
Wie bereits in der Antwort auf die Interpellation Suter Gabriela 21.4253 "Unerkannte Krankheit Endometriose. Starke Periodenschmerzen sind nicht normal" ausgeführt, werden vom SNF bereits einzelne Forschungsprojekte zu Endometriose oder damit verwandten Themen gefördert (https://data.snf.ch/, Stichwort "endometriosis").
Die Forschenden aller Schweizer Hochschulforschungsstätten haben jederzeit die Möglichkeit, über die Projektförderung des SNF - oder bei anwendungsorientierten Themen über die Innosuisse - Mittel für die Durchführung wissenschaftlicher Projekte zu beantragen. Weiter können interessierte Kreise im Rahmen von NFP-Prüfrunden Themenvorschläge für neue Nationale Forschungsprogramme (NFP) beim zuständigen Fachamt (SBFI) einreichen. Die Fristen und Bedingungen für neue NFP-Vorschläge werden jeweils auf der Website des zuständigen Fachamtes kommuniziert (www.sbfi.admin.ch).
Die gesamte Förderung beruht auf dem Bottom-up-Prinzip und die Mittel werden nach Exzellenzkriterien im Wettbewerbsprinzip vergeben. Der Bundesrat erachtet das Bottom-up-Prinzip als zentrales Element für die heutige erfolgreiche Forschungsförderung.
Aus diesen Gründen erachtet es der Bundesrat nicht als sinnvoll, das Forschungsthema der Endometriose vorzugeben.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.