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22.3245 · Interpellation · 2022-03-17

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Erledigt

Wortlaut

Ein Tunnel zwischen Linthal GL und Trun GR (Töditunnel) würde den strukturschwachen Regionen Glarner Hinterland und Surselva und damit den Kantonen Glarus und Graubünden Potential eröffnen, dem Kanton Glarus eine südliche ganzjährige Erschliessung geben und einen zusätzlichen Zugang zum schweizerischen Schmalspurnetz schaffen.

Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:

1. Als wie wichtig wird das schweizerische Schmalspurnetz für die Alpenregion beurteilt und wäre es sinnvoll, als Ergänzung zum Grimseltunnel, über den Töditunnel einen zusätzlichen Zugang zu diesem Netz zu schaffen?

2. Wie beurteilt der Bundesrat die volkswirtschaftlichen und regionalpolitischen Auswirkungen eines Töditunnels für den Kanton Glarus und die Surselva?

3. Besteht die Bereitschaft, im Sinne einer gesamtheitlichen Betrachtung der Weiterentwicklung des Schmalspurnetzes, analog zum Grimseltunnel, auch einen Studienauftrag zum Töditunnel zu erteilen?

4. Wären mit einem Töditunnel zusätzliche Nutzungen möglich (Erweiterung Hochspannungsnetz und Autoverlad)?

5. In welchem Zeithorizont wäre ein Töditunnel frühestens realisierbar?

Begründung

Bis zum Beschluss, die Neat auf der Gotthardlinie zu bauen, also bis in die frühen 90er-Jahre, war als alternative Alpentransversale die Tödi-Greina-Biasca Linie in der Diskussion. Auch mehrere Bundesparlamentarier aus der Ostschweiz haben sich für diese Linienführung stark gemacht. Sie ist nicht zuletzt daran gescheitert, dass andere Teile der Ostschweiz die Splügen-Variante propagierten. Seit dem Neat-Beschluss dürfte die Tödi-Greina-Biasca Linie als Alpentransversale in absehbarer Zeit nicht realistisch sein. So sind denn auch die Diskussionen über diese für die Ostschweiz günstige Linienführung eingeschlafen.

Tatsache ist aber, dass ein Töditunnel auch ohne Verlängerung durch einen Greinatunnel, also als Verbindung Linthal-Trun, grosse Implikationen auf die Surselva und auf das Glarner Hinterland, aber auch auf die Nutzung des Schmalspurnetzes, haben könnte.

Mit dem Grimseltunnel, der im Rahmen des STEP 2035 als Studienauftrag weiterverfolgt wird, würde die wichtigste Lücke im Schmalspurnetz geschlossen Es bestünde dann im Alpenraum ein geschlossenes Schmalspurnetz, mit der Achse Chur-Disentis-Andermatt-Brig. Zugänge vom Normal- ins Schmalspurnetz wären in Chur/Landquart, im Berner-Oberland und im Wallis vorhanden. Ein zusätzlicher Zugang über den Kanton Glarus könnte ein Potential für die gesamte Ostschweiz bieten, da so vom touristischen Nutzen des Schmalspurnetzes profitiert werden könnte.

Der (gegenüber einem Töditunnel etwas längere) Vereinatunnel, hatte auf die Regionen Graubündens einen günstigen Einfluss. Die Studie "ZuGkunft Grau-bünden" aus dem Jahr 2001 zeigt auf, dass der Töditunnel durchaus wünschbar wäre. Angesichts dessen, dass es sich sowohl bei der Surselva, als auch beim Glarner Hinterland um strukturschwache Regionen handelt, ist diese Frage von Relevanz. Hinzu kommt, dass der Kanton Glarus über keinen ganzjährigen südlichen Ausgang mit dem öffentlichen Verkehr verfügt und lediglich über eine einzige Bahnlinie erschlossen ist.

Analog dem Grimseltunnel stellt sich zudem die Frage, ob allenfalls die Möglichkeit von Zusatznutzungen besteht. So könnte die bestehende Hochspannungsleitung (Freileitung von Tavanasa über Elm nach Schwanden) erdverlegt werden. Diese Idee einer kombinierten Tunnelnutzung ist eher neu.

Weiter wäre abzuwägen, ob der Tunnel mit oder ohne Autoverlad zu planen wäre. Die zusätzliche Nutzung wäre attraktiv und würde eine massive Fahrtverkürzung aus der Ostschweiz und dem Raum Zürich in viele Tourismusgebiete bieten. Andererseits stellt sich die Frage, ob die Verkehrsinfrastruktur im Kanton Glarus auf diese Zusatzbelastung ausgelegt ist. Der Bundesrat wird gebeten, zu beiden Zusatznutzungen Stellung zu nehmen.

Es ist mit dem STEP 2040 anzustreben, dass im Kanton Glarus eine Taktverdichtung erfolgt. Dazu braucht es Infrastrukturinvestitionen. Die Linie Ziegelbrücke-Linthal ist, bedingt durch den Rückbau Ende der 90er-Jahre, nicht mehr fähig, einen Halbstundentakt zu ermöglichen. Das bedeutet, dass ohnehin erhebliche Investitionen in die Linie notwendig werden. Das heisst aber auch, dass damit eine erhebliche Voraussetzung für eine Weiterführung der Linie in einem Töditunnel nach Trun geschaffen würde. Dieser wäre als Normalspurtunnel auszugestalten, würde aber Anschluss an das Schmalspurnetz bieten.

Aus diesen Gründen und mit einem langfristigen Zeithorizont stellt sich heute die Frage, ob und in welcher Zeit ein Töditunnel realisiert werden kann. Dies wäre wohl am besten in einem Studienauftrag, analog dem Grimseltunnel, zu untersuchen. Der Bundesrat wird gebeten, Stellung zu nehmen, ob er dazu bereit ist.

Stellungnahme des Bundesrates

Mit der Botschaft über den Bau der schweizerischen Eisenbahn-Alpentransversale aus dem Jahr 1990 (BBI 1990 II 1075) hat der Bundesrat das sogenannte "Ostalpenbahnversprechen" politisch aufgehoben. Dafür wurden die Einbindung der Ostschweiz ins nationale und internationale Bahnnetz verbessert und massgebliche Ausbauten in der Surselva über den NEAT-Kredit finanziert. Der Verzicht auf die Tödi-Greina-Biasca-Linie wurde damit vom Bund bereits einmal kompensiert.

1./2./4. Das schweizerische Schmalspurnetz nimmt heute für die Alpenregion eine zentrale Erschliessungsfunktion ein. Die Beurteilung einer Ergänzung des Schmalspurnetzes über den Töditunnel wurde bisher nicht geprüft, da seitens der involvierten Kantone kein Bedarf für eine Verbindung angemeldet wurde. Ebenso liegen keine Beurteilungen für zusätzliche Nutzungen vor.

3. Relevant für die Auslösung von Abklärungen und Studien im Hinblick auf einen nächsten Ausbauschritt ist die Eingabe entsprechender Angebotsziele durch die Kantone, die gemäss Artikel 48d des Eisenbahngesetzes für die regionale Angebotsplanung verantwortlich sind. Im behördenverbindlichen Sachplan Verkehr "Mobilität und Raum 2050" ist auf auf lange Sicht raumplanerisch kein Töditunnel eingetragen.

5. Voraussetzung für eine vertiefte Studie über einen Töditunnel ist, dass die betroffenen Kantone einen Bedarf für eine Verbindung geltend machen und dieses Bedürfnis im Rahmen eines Angebotskonzepts in die Planung eines der nächsten Ausbauschritte eingeben.

Antwort des Bundesrates.