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22.3878 · Postulat · 2022-06-30

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Abschreibungsantrag liegt vor

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Kantonen in einem Bericht die bisher ergriffenen Massnahmen zur Steigerung des Frauenanteils in den MINT-Berufen darzulegen. Dieser Bericht soll insbesondere eine Analyse der Wirksamkeit dieser Massnahmen enthalten sowie eine spezifische Strategie. Mit dem Bericht sollen insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:

a) Welche quantitativen Ziele will der Bund in Bezug auf die Geschlechterverteilung in den MINT-Berufen erreichen und bis wann?

b) Welche bestehenden und neuen Massnahmen werden eingesetzt, um:

- die Geschlechterstereotypen in der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung zu durchbrechen?

-Projekte zum Thema Geschlechtergerechtigkeit in den MINT-Berufen im Rahmen der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften auf allen Schulstufen zu fördern?

- das Interesse der Mädchen an Berufen mit geringem Frauenanteil (Informatik, Elektronik, Elektrotechnik, Physik, Bauwesen usw.) im schulischen und ausserschulischen Rahmen zu steigern?

- den Frauenanteil in den Ausbildungsgängen und Hochschulen für MINT-Berufe zu steigern?

- die Bemühungen des Industriesektors zu unterstützen, den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zu bekämpfen und Frauen in den MINT-Berufen zu halten?

- die Auswirkungen der kantonalen Praxis zu evaluieren und Defizite zu ermitteln?

- die Massnahmen zur Förderung des Nachwuchses, insbesondere von Frauen, in den MINT-Berufen auf nationaler Ebene zu koordinieren?

Eine Minderheit der Kommission (Gutjahr, Gafner, Haab, Herzog Verena, Huber, Tuena, Wobmann) beantragt, das Postulat abzulehnen.

Begründung

Trotz der Bemühungen der Schweiz seit 2009 konnte der Frauenanteil in den MINT-Berufen - insbesondere in der Informatik - nicht signifikant erhöht werden. Die Schweiz gehört weiterhin zu den OECD-Ländern mit dem tiefsten Anteil (zweitletzter Platz im Ranking von 2017). Die Schweizer Wirtschaft ist bekanntlich darauf angewiesen, dass der Mangel an qualifiziertem Personal in den MINT-Bereichen behoben wird. So findet sich dieses Anliegen in der Legislaturplanung 2019-2023 (Leitlinie 1 "Die Schweiz sichert ihren Wohlstand nachhaltig und nutzt die Chancen der Digitalisierung") sowie in der BFI-Botschaft 2021-2024. Auch ist es teilweise in die Gleichstellungsstrategie 2030 aufgenommen worden, die sich in erster Linie auf Massnahmen im Bereich der tertiären Ausbildung (Hochschulen) konzentriert.

Mit einer umfassenden Analyse der auf Kantons- und auf Bundesebene umgesetzten Massnahmen sollen die "Good Practices" gesammelt und die Defizite identifiziert werden. Auch kann so eine nationale Strategie im Hinblick auf die BFI-Botschaft 2025-2028 erarbeitet werden. Ziel ist es, den Rahmen zu formalisieren, der für eine bessere Umsetzung der Politik im Bereich der Nachwuchsförderung - und insbesondere der Förderung von Frauen - in den MINT-Berufen erforderlich ist. So soll beispielsweise eine nationale Fach- und Koordinationsstelle für MINT-Fragen geschaffen werden.

Mit der Einreichung des Postulats hat die Kommission der Petition 21.2039 Frauensession 2021. "Halbe-Halbe" in MINT-Berufen: Den Frauenanteil steigern Folge gegeben.

Antrag des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat teilt die Auffassung der Kommission bezüglich Bedeutung der Förderung von Frauen im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Die Initiativen und Massnahmen von Bund, Kantonen, Organisationen der Arbeitswelt (OdA), Bildungseinrichtungen und anderen Akteuren zeigen, dass dem Thema in der Schweizer Bildungslandschaft ein hoher Stellenwert beigemessen wird.

Im Bildungswesen hat der Bund Kompetenzen im Bereich der Sekundarstufe II und der Tertiärstufe. Auf diesen beiden Stufen werden bereits zahlreiche Massnahmen umgesetzt, die den Forderungen des Postulats entsprechen. Einen Überblick über die Massnahmen für die Förderperiode 2021-2024 im Bereich Bildung, Forschung und Innovation (BFI) betreffend die Chancengerechtigkeit und die Förderung des Frauenanteils im MINT-Bereich ist auf der Website des SBFI verfügbar (www.sbfi.admin.ch > BFI-Politik > Transversale Themen > Chancengerechtigkeit im BFI-Bereich). Der Aktionsplan Gleichstellungsstrategie 2030 des Bundesrates enthält ebenfalls verschiedene Massnahmen zur Förderung von Frauen im MINT-Bereich. So etwa das von der Schweizerischen Hochschulkonferenz genehmigte Projekt P-10 "Weiterführung und Ausweitung nationales Netzwerk zur Förderung der MINT-Bildung - hochschultypenübergreifende Aus- und Weiterbildung", das Lehrkräfte für den MINT-Bereich sensibilisiert und eine gendersensitive Lernumgebung fördert. Ausserdem ist die Sensibilisierung und Begeisterung von Mädchen und jungen Frauen für MINT-Fächer durch ausserschulische Aktivitäten ein Hauptziel des MINT-Mandats, mit dem das SBFI die Akademien der Wissenschaften Schweiz beauftragt hat. Auch bei Informationsangeboten zur Berufswahl wird darauf geachtet, starre Rollenbilder in der Berufsbildung abzubauen, so etwa am "Nationalen Zukunftstag" und an den Berufsmessen.

In der BFI-Botschaft 2025-2028 soll diese Thematik ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Konkret bedeutet dies, dass die BFI-Akteure die Thematik in ihrer Mehrjahresplanung berücksichtigen und insbesondere Massnahmen zur Förderung von Frauen in MINT-Berufen vorsehen müssen. So wurde swissuniversities von der SHK beauftragt, Massnahmen auszuarbeiten, mit denen der Frauenanteil bei den Professuren und Dozierenden an jeder Hochschule bis 2028 von 25 Prozent auf durchschnittlich mindestens 35 Prozent erhöht werden soll. In der Berufsbildung unterstützt der Bund weiterhin Kantone, OdA und Dritte bei Projekten zur Gleichstellung von Frau und Mann. Für die Inhalte der verschiedenen Bildungsangebote und das Gewinnen künftiger Fachkräfte sind die OdA zuständig. Da sie ein ureigenes Interesse haben, ihren Nachwuchs sicherzustellen, richten sie sich in ihrer Berufswerbung oft spezifisch an junge Frauen.

So hat der Berufsverband ICT-Berufsbildung Schweiz die Kampagne "IT-dreamjobs" unterstützt, welche gezielt junge Frauen ansprach.

Die Analyse der Chancengerechtigkeit gehört zu den ständigen Aufträgen des Bildungsmonitorings von Bund und Kantonen und umfasst auch den MINT-Bereich. Somit können sich die Behörden und politischen Gremien bei der Steuerung des Schweizer Bildungssystems stets auf die neusten wissenschaftlichen Daten und Erkenntnisse stützen. Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen, dass Neueinschreibungen von Frauen in MINT-Fächern an den Fachhochschulen und Schweizer Universitäten zwischen 2009 und 2020 um 65 Prozent (von 2921 auf 4827) zugenommen haben. Bei den Männern wurde im gleichen Zeitraum ein Anstieg um 30 Prozent (von 7614 auf 9865) verzeichnet.

Aus all diesen Gründen ist der Bundesrat der Ansicht, dass die Förderung von Frauen in MINT-Berufen durch die Bildungsakteure im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten bereits umfassend vorgenommen wird. Er sieht folglich in der Erstellung eines Berichts keinen Mehrwert.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.