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22.4202 · Postulat · 2022-09-30

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Zugewiesen an die behandelnde Kommission

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt, im Rahmen eines Berichts zu prüfen, mit welchen Massnahmen die Attraktivität der Berufsbildung für Schulabgängerinnen und Schulabgänger mittel- und langfristig sichergestellt und gestärkt werden kann.

Begründung

Die Schweiz ist stolz auf ihre erfolgreiche duale Berufsbildung, die das praxisorientierte Lernen nahe an der Arbeitswelt und an der Wirtschaft fördert.

In Wirklichkeit steht dieses Modell aber immer mehr unter Druck, zumindest in vielen Kantonen, in denen die Anzahl Lernende abnimmt.

Grundsätzlich gibt es an der freien Wahl der Ausbildung nichts auszusetzen. Trotzdem muss man zugeben, dass die Berufsbildung verglichen mit anderen Bildungswegen ein steiniger Weg ist. Die Arbeitszeiten, der Ferienanspruch oder die Länge der Lebensarbeitszeit sind nur einige Nachteile der Berufsbildung im Vergleich mit dem Studium, die mehr als nur eine Jugendliche oder einen Jugendlichen abschrecken können.

Auch wenn es natürlich nicht möglich und noch weniger sinnvoll oder wünschenswert ist, Berufsbildung und Arbeitswelt zu entkoppeln, gibt es doch Möglichkeiten, um die Attraktivität der Berufsbildung zu erhöhen und zu sichern. Man denke zum Beispiel an mögliche Änderungen und Erleichterungen im Bereich des Arbeitsrechts, an Anreize zur Förderung von Praktika oder Ausbildungsjahren in einer anderen Sprachregion oder an neuartige Konzepte zur Förderung der Lernendenmobilität (Aufbau von Lehrbetriebsverbünden).

Antrag des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.

Stellungnahme des Bundesrates

Die Berufsbildung hat im Schweizer Bildungssystem einen hohen Stellenwert. Rund zwei Drittel der Jugendlichen entscheiden sich für eine berufliche Grundbildung. Gemäss den Statistiken des BFS und weiteren Erhebungen, wie dem Nahtstellenbarometer des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation und den Trendmeldungen aus den Kantonen, sind dieser Anteil und die Situation auf dem Lehrstellenmarkt seit längerem weitgehend stabil. Per Ende August 2022 sind gesamtschweizerisch rund 69'000 Lehrverträge unterzeichnet worden. Auch diese Zahl bewegt sich im Rahmen der Vorjahre.

Eine berufliche Grundbildung bietet den Jugendlichen die Chance, einen Beruf zu erlernen und zugleich im Arbeitsumfeld mit der Erwachsenenwelt vertraut zu werden. Die Unternehmen haben viele Möglichkeiten, um sich als attraktive Lehrbetriebe zu positionieren. Dazu gehören beispielsweise die Übertragung von anspruchsvollen Aufgaben und mehr Verantwortung oder der Besuch von Förder- und Freikursen. Unternehmen können ihren besten jungen Berufsleuten zudem die Chance bieten, sich national ("SwissSkills) und international ("EuroSkills" und "WorldSkills") an Berufsmeisterschaften zu messen.

Aus Sicht der Jugendlichen und Eltern ist entscheidend, dass die Berufsbildung auch Karriereperspektiven bietet. Dies ist gewährleistet: Die Berufsmaturität eröffnet den Weg an die Fachhochschulen, mit einer Zusatzprüfung auch an die universitären und die pädagogischen Hochschulen. Die höhere Berufsbildung ermöglicht eine Höherqualifizierung auf Tertiärstufe auch ohne Maturität.

Die Förderung von Mobilität und Austausch in der Bildung ist ein erklärtes Ziel von Bund und Kantonen. Die von der öffentlichen Hand getragene nationale Agentur Movetia stellt zahlreiche Mobilitätsangebote im In- und Ausland bereit, auch für Lernende in der beruflichen Grundbildung.

Lernende einer beruflichen Grundbildung haben sodann die Möglichkeit, ihre Ferientage - in Absprache mit dem Lehrbetrieb - flexibel zu beziehen. Ausserdem steht es den Lehrvertragspartnern frei, zusätzliche Ferientage zu vereinbaren. Für Lehrbetriebe kann das eine Möglichkeit sein, sich im Wettbewerb um Lernende von anderen Lehrbetrieben abzuheben und so den eigenen Nachwuchs an Fachkräften zu sichern.

Im internationalen Vergleich ist die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe in der Schweiz hoch. In der Westschweiz ist der Anteil der Jugendlichen in betrieblich organisierten beruflichen Grundbildungen zwar tiefer als in der Deutschschweiz. In den letzten Jahren haben verschiedene Kantone aber grosse Anstrengungen unternommen, die Berufsbildung in der Westschweiz bekannter zu machen und zu fördern. Der Bund hat entsprechende kantonale Projekte finanziell unterstützt.

Die Berufsbildung ist nach Ansicht des Bundesrats ein Erfolgsmodell, das sich bewährt und erhalten werden soll. Dies ist eine Daueraufgabe, die von den Verbundpartnern (Bund, Kantone, Organisationen der Arbeitswelt) aktiv wahrgenommen wird. Aufgrund des Auftrags des Parlaments im Rahmen der Legislaturplanung 2019-2023, eine Strategie für den Erhalt und die Schaffung von Lehrstellen zu verfassen, wird der Bundesrat bis Ende 2022 einen Bericht verabschieden, der aktuelle Entwicklungen und Massnahmen der verschiedenen Akteure aufzeigt. Einen zusätzlichen Bericht auf Basis dieses Postulats erachtet der Bundesrat nicht als zielführend.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.