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Ampelanlagen Cadenazzo–Quartino. Überprüfung der vom ASTRA zugrunde gelegten Annahme einer Verkehrszunahme

22.4306 · Interpellation · 2022-12-05

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Erledigt

Wortlaut

Die Begründung des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) für die Installation von Ampeln auf der Strecke Cadenazzo-Quartino beruht auf der Annahme, dass der Verkehr auf diesem Abschnitt zunimmt und dass trotz des erweiterten Bahnangebots durch "TILO 2021" eine ungenügende Verlagerung von der Strasse auf die Schiene stattfindet, dies auch als Folge der Covid-Krise (so wurde es in der Sendung Millevoci auf RSI berichtet).

Unserer Kenntnis nach scheint dies nicht der Realität zu entsprechen.

Am 1. Dezember haben die SBB darüber informiert, dass im Tessin die Zahl der Fahrgäste im TILO-Regionalverkehr stark zugenommen hat. Die Zunahme beträgt aufs Ganze gesehen 18 Prozent (70 000 Fahrgäste pro Tag) im Vergleich zu Oktober 2019, auf der Ceneri-Strecke gar 45 Prozent. Diese Zahlen stehen im Einklang mit den Zahlen des Kantons für 2021: Gemäss dem Tessiner Mobilitätsbericht 2021 haben auf der Bahnlinie, die parallel zum besagten Strassenabschnitt verläuft, die Passagierzahlen schon 2021 um 10 Prozent zugenommen im Vergleich zu 2019, und dies ohne Berücksichtigung der Interregio-Züge.

Zum Vergleich: Auf gesamtschweizerischer Ebene lagen die Zahlen im vergangenen Oktober 8,2 Prozent unter den Zahlen der Vor-Covid-Periode von Oktober 2019.

Es ist offensichtlich, dass das neue Bahnangebot "TILO 2021" trotz der Covid-Krise 2020-2021 bereits zu einem beträchtlichen Anstieg der Passagierzahlen geführt hat. Die Zahlen können noch einmal signifikant steigen, dies mit dem bestehenden Angebot und erst recht mit dem nächsten Ausbauschritt.

Was den Strassenverkehr betrifft, der mit Ampeln gesteuert werden soll, so scheint dieser nicht zuzunehmen, wie es das ASTRA behauptet. Die Daten mit Stand Sommerhalbjahr 2022 zeigen einen Rückgang um 7 Prozent im Vergleich zum Höchststand von 2015, was bestätigt, dass das Wachstum beim öffentlichen Verkehr zu einer Reduktion des motorisierten Individualverkehrs beigetragen hat.

Fragen:

1. Wie hat sich auf diesem Strassenabschnitt der durchschnittliche Tagesverkehr (DTV) in den letzten 10 Jahren entwickelt?

2. Welche Verkehrsprognosen ergeben sich nach den Berechnungen des ASTRA im Bereich Magadinoebene für 2030 und 2040?

3. Welche Verkehrsprognosen ergeben sich nach den Berechnungen des ASTRA im Bereich Locarnese für 2030 und 2040?

4. Welches sind die Prognosen in Bezug auf die Passagierzahlen im öffentlichen Verkehr auf der SBB-Linie Locarno-Cadenazzo (Bellinzona/Lugano) für 2030 und 2040?

Begründung

In der Antwort auf die Interpellation 22.3088 steht Folgendes:

"Das lokale Strassennetz besteht aus dem Mappo-Morettina-Tunnel mit je einem Fahrstreifen pro Richtung - wobei der Verkehr ungestört fliessen kann, da der Tunnel keine seitlichen Einfahrten besitzt - und zwei Kantonsstrassen mit Gegenverkehr in Richtung Locarno bzw. Gambarogno. Dies hat zur Folge, dass der dem "Kreisel Riazzino A13" nachgelagerte Bereich eine höhere Kapazität aufweist als der vorgelagerte. Die vorgesehene Lösung würde somit auch dazu beitragen, die vorhandenen Kapazitäten im nachgelagerten Bereich besser auszunutzen".

Es stellt sich die Frage, ob das ASTRA beabsichtigt, den (bereits jetzt ausgelasteten) Mappo-Morettina-Tunnel und die genannten Kantonsstrassen (Via San Gottardo in Minusio?) mit noch mehr Verkehr zu fluten und die Staus damit von Cadenazzo und Contone nach Tenero Mappo und in die Gemeinden Minusio und Muralto zu verlagern.

Das Ganze scheint auf dem überholten Konzept der Angebotssteuerung zu beruhen, statt dass man die Nachfrage steuert und neben dem öffentlichen Verkehr auch das Arbeiten im Homeoffice und Fahrgemeinschaften fördert.

Stellungnahme des Bundesrates

1. Auf dem Abschnitt zwischen Cadenazzo und Quartino war der durchschnittliche Tagesverkehr (DTV) in den letzten zehn Jahren ziemlichen Schwankungen unterworfen: 2015 waren es über 28 000 Fahrzeuge täglich, 2020 lag der DTV bei 24 000 Fahrzeugen. Der Spitzenwert betrug 28 409 Fahrzeuge im Jahr 2015, der tiefste Wert mit 24 259 Fahrzeugen wurde infolge der Corona-Pandemie im Jahr 2020 gemessen. 2021 stieg der DTV erneut auf 26 390 Fahrzeuge, nahm 2022 weiter zu und belief sich schliesslich auf 26 927 Fahrzeuge (+2 %). Zwar wirken sich die Spitzenzeiten, in denen sich Staus bilden und der Verkehr stockt, wenig auf den DTV aus, dennoch ist der Abschnitt überlastet. Diese Situation rechtfertigt die Einführung eines modernen und effizienten Verkehrsmanagementsystems.

2. / 3. / 4. Die Verkehrsprognosen für 2030 und 2040 basieren auf den Grunddaten des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE), die über das Gesamtverkehrsmodell des Kantons Tessin (MCT) den lokalen Gegebenheiten angepasst wurden. Die Detailprognosen werden fortlaufend aktualisiert. Sie berücksichtigen das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung, das öffentliche Verkehrsangebot und den Ausbau des Strassennetzes. In den kürzlich fortgeschriebenen Verkehrsperspektiven 2040 des ARE wird auf den betreffenden Abschnitten eine kaum wahrnehmbare Zunahme ausgewiesen. Anhand des MCT wird eine jährliche Steigerung von 0,3 Prozent prognostiziert. Die angepassten Werte zur Verkehrsentwicklung in den erwähnten Räumen werden im Dossier zum Ausführungsprojekt verfügbar sein. Dieses wird derzeit erarbeitet und soll bis 2024 vorliegen.

Antwort des Bundesrates.