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22.4378 · Interpellation · 2022-12-14

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Erledigt

Wortlaut

Versorgungssicherheit und Klimawandel erfordern einen raschen Übergang zu grösserer Energie-Effizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien. Doch in der Baubranche und im Handwerk droht der Fachkräftemangel zum entscheidenden Hindernis zu werden. Obschon der Bundesrat bereits 2013 in seiner Botschaft zum ersten Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 feststellte: "Ohne eine ausreichende Zahl an Fachleuten können die Massnahmen weder zeit- noch qualitätsgerecht umgesetzt werden" und Artikel 48 Energiegesetz (SR 730.0) die Förderung der "Aus- und Weiterbildung von Personen, die mit Aufgaben nach diesem Gesetz betraut sind" fordert.

1. Wie beziffert der Bundesrat "eine ausreichende Zahl an Fachleuten" zahlenmässig pro Beruf aktuell, in fünf Jahren und in zehn Jahren?

2. In welchem Mass wird diese Zielgrösse bei Elektrikern, Elektronikern, Heizungs-, Sanitär- und Solarinstallateuren und -Monteuren, Bauspenglern, Dachdeckern und Erdsonde-Fachleuten und weiteren Personen verfehlt, die mit Aufgaben nach dem Energiegesetz betraut sind?

3. Wie viele Lehrstellen werden in den erwähnten und weiteren Berufen, die Aufgaben nach dem Energiegesetz erfüllen, angeboten und wie viele besetzt? Wie viele braucht es in zehn Jahren?

4. Welche konkreten und messbaren Ziele setzt sich der Bundesrat, um den Fachkräftemangel zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 in den nächsten zehn Jahren zu beseitigen?

5. Welche konkreten und messbaren Ziele sind die Organisationen der Arbeitswelt im Rahmen der 2022 lancierten "Bildungsoffensive Gebäude" eingegangen?

6. Mit welchen Instrumenten überprüft der Bundesrat, ob diese Ziele in der "Bildungsoffensive Gebäude" tatsächlich erreicht werden?

7. Stehen die Anreize der Förderprogramme zur Senkung der Investitionskosten im Gleichgewicht mit den Massnahmen zur Behebung des Fachkräftemangels oder braucht es in der Berufsbildung ehrgeizigere Programme, um die Kohärenz der Massnahmen zu wahren?

8. 500 000 Erwachsene haben keinen Sek-II-Abschluss. Erleichtert eine Modularisierung der Berufsbildung, mehr Erwachsene für Aus- und Weiterbildungsangebote im Energiebereich zu gewinnen?

9. Jugendliche entscheiden sich früh, für welchen Beruf sie sich begeistern können und welche Lernumgebung ihnen am besten gefällt. Welche Sensibilisierungsprogramme gibt es, damit bereits Kinder in der Grundschule die Grüne Transformation konkret erleben können?

Stellungnahme des Bundesrates

1., 2. und 4. Der Bundesrat hat im Januar 2022 zusammen mit den Akteuren der Branche die Bildungsoffensive Gebäude lanciert und gemeinsam eine Roadmap erarbeitet. Der Bundesrat hat im Rahmen der Umsetzung der Roadmap einen Auftrag vergeben, um ein Wirkungsmodell zu erarbeiten, Wirkungsindikatoren festzulegen sowie ein Monitoringkonzept zu erstellen. Dabei soll auch der zukünftige Fachkräftebedarf für die wichtigsten Berufsleute, welche für die Erreichung von spezifischen Energiezielen (z.B. Anzahl Fachleute für den Ersatz fossiler Heizungen bis 2035/2050) notwendig sind, geschätzt werden. Die Ergebnisse liegen frühestens Anfang Mai 2023 vor. Somit verfügt der Bundesrat im Moment über keine Zahlen für die konkrete Beantwortung der Fragen 1, 2 und 4. Er erachtet es nicht als zielführend, solche Zahlen für alle aufgeführten Berufsgruppen zu erheben, sondern plant, die Zahlen wie erwähnt für spezifische "Energieziele" abzuschätzen.

3. Die Anzahl Lehrstellen der erwähnten Berufe werden im Rahmen des erwähnten Auftrages zur Erarbeitung eines Wirkungsmodells resp. zur Erstellung eines Monitoringkonzeptes ebenfalls aufbereitet. Auch soll die Branche befragt werden, inwiefern die Lehrstellen besetzt werden können. Zudem soll grob geschätzt werden, wie viele zusätzliche Lehrstellen nötig sind.

5. Die Organisationen der Arbeitswelt haben sich im Rahmen der Bildungsoffensive zu keinen messbaren Zielen verpflichtet. Jedoch werden bei allen durch EnergieSchweiz unterstützten Projekten messbare Projektziele festgelegt. Die Baubranche hat sich zudem im Jahr 2016 in einer Charta zu den Zielsetzungen der Energiestrategie 2050 und zur Umsetzung einer Bildungsoffensive bekennt. Es ist im Interesse der Branche, den Fachkräftemangel zu beheben.

6. Mit Hilfe des Wirkungsmodells und der festgelegten Wirkungsindikatoren werden die Ziele der Bildungsoffensive gemessen und deren Erreichung regelmässig überprüft.

7. Beide Programme sind zentral für die Energiewende und den Ausbau der erneuerbaren Energien und ergänzen sich. Die Branche ist daran, erste Massnahmen der Bildungsoffensive umzusetzen. Die Auswirkungen werden in den fünf nächsten Jahren messbar sein.

8. Um Fachkräfte für den Energiebereich zu gewinnen, steht bereits ein grosses Angebot an Aus- und Weiterbildungen bereit. Erwachsene können dabei einerseits aus einer breiten Palette an berufsorientierter Weiterbildung auswählen, wie beispielsweise fachspezifische Kurse, und so rasch das notwendige Wissen erwerben. Andererseits können Erwachsene auch einen Berufsabschluss erlangen. Die Möglichkeit zur Modularisierung von beruflichen Grundbildungen besteht, die Zuständigkeit liegt bei den Organisationen der Arbeitswelt.

9. Für die Volksschulen sind die Kantone zuständig. Die Lehrpläne haben diverse Bezüge zu Nachhaltigkeitsthemen. Im Rahmen der Bildungsoffensive sind Massnahmen in Planung, die Schülerinnen und Schüler besser über Gebäudeberufe zu informieren (z.B. Tag der Gebäudeberufe oder Materialien für die Berufsinformationszentren). Der Bundesrat hat in den vergangenen Jahren im Rahmen des Programmes EnergieSchweiz Projekte von privaten Akteuren unterstützt, die in Zusammenarbeit mit externen Fachpersonen "Energie-Unterricht" in Schulen anbieten (www.energieschweiz.ch > Bildung > Unterrichtsthema > Sorgen Sie für Abwechslung im Unterricht.).

Antwort des Bundesrates.