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22.449 · Parlamentarische Initiative · 2022-06-17

Parlament

Erledigt

Wortlaut

Die Erklärung von Mailand muss auf zuckerhaltige Getränke ausgedehnt werden, mit Zielen, die von den Unternehmen erreicht werden müssen.

Begründung

Es ist heute bekannt, dass der Zuckerkonsum der Schweizer Bevölkerung deutlich über den von der WHO empfohlenen Werten liegt. Der Hauptanteil des konsumierten zugesetzten Zuckers stammt aus Süssigkeiten und zuckerhaltigen Getränken. Zur Erinnerung: Die WHO empfiehlt, den Konsum bei einer Kalorienzufuhr von 2000 kcal pro Tag auf 50 g zu begrenzen.

42 Prozent der Bevölkerung sind übergewichtig oder fettleibig. Eine kürzlich in Genf durchgeführte epidemiologische Studie konnte einen Zusammenhang feststellen zwischen Personen mit einem hohen Body-Mass-Index, dem Wohnort und einem hohen Konsum von zuckerhaltigen Getränken.

Nach der WHO sind in der Schweiz ausserdem schon 23 Prozent der 5- bis 9-Jährigen übergewichtig. Man weiss auch, dass sich die Konsumgewohnheiten von jungen Menschen im Erwachsenenalter nicht ändern. Darum hat es die Industrie mit einem aggressiven Marketing schon auf die Kinder abgesehen.

Die neue Umfrage des Westschweizer Konsumentenschutzes (Fédération Romande des Consommateurs), der Konsumentenschutzorganisationen der Deutschschweiz und des Tessins hat gezeigt, dass von 344 Produkten, die sich an Kinder richten und deren Zusammensetzung und Werbung analysiert wurden, nur 20 den WHO-Kriterien entsprechen.

Die Erklärung von Mailand, der sich etwa 15 Unternehmen angeschlossen haben, sieht eine Verringerung des Zuckergehalts nur in Joghurts und Frühstückscerealien vor. Wenn man berücksichtigt, wie wichtig Süssgetränke bei Gewichts- und damit auch bei Gesundheitsproblemen vor allem in der jüngeren Bevölkerung erwiesenermassen sind, wäre es äusserst wünschenswert, wenn der Bundesrat die Industrie nachdrücklich dazu anregen würde, die Zusammensetzung von zuckerhaltigen Getränken zu ändern. Ist es z. B. normal, dass ein halber Liter Fanta in Grossbritannien 23 g Zucker enthält, in Frankreich 32,5 g, in Deutschland 45,5 g und ... in der Schweiz 51,5 g? Wie erklärt man solche Unterschiede? Ist es nicht an der Zeit, Massnahmen zu treffen?