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23.3198 · Motion · 2023-03-16

Departement des Innern

Erledigt

Wortlaut

Der Bund entwickelt zusammen mit Akteur*innen des Gesundheitswesens

- eine Informationskampagne zur Sensibilisierung der Bevölkerung

- ein Aus- und Weiterbildungsmodul für Fachpersonen über den Zusammenhang zwischen Umwelt und Gesundheit bzw. menschlichem Wohlbefinden, über die gesundheitlichen Gefahren der Klimaerhitzung, der Umweltverschmutzung bzw. der Abnahme der Biodiversität sowie über die Rolle und die Möglichkeiten des Gesundheitspersonals.

Begründung

Die Auswirkungen der Klimaerhitzung und der Umweltverschmutzung sind frappant. Naturkatastrophen, Erdbeben, Tsunamis oder Bergstürze machen die Erde (teilweise) unbewohnbar. Hitzesommer nehmen zu. Die Abnahme der Biodiversität gefährdet einen Grossteil unserer Lebensmittelproduktion. Dies hat Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit: Die Klimaerhitzung, die Umweltverschmutzung und der Verlust der Biodiversität gehören heute zu den grössten gesundheitlichen Bedrohungen und stellen die öffentliche Gesundheit vor grosse Herausforderungen.

Untersuchungen zeigen, dass die Übersterblichkeit im Hitzesommer 2019 schon 3,5 Prozent betrug, bei den Menschen ab 85 gar 6,8 Prozent. Die Luftverschmutzung führt jährlich zu rund 2300 frühzeitigen Todesfällen, 12 000 Fällen von akuter Bronchitis bei Kindern, 2300 Fällen chronischer Bronchitis, 3,6 Millionen Tagen eingeschränkter Aktivität bei Erwachsenen und Kosten von bereits 7 Milliarden Franken.

Bei steigender Temperatur beginnt die Pollensaison früher, dauert länger und die Wahrscheinlichkeit für ganzjährigen Pollenflug steigt. Die Klimakrise führt zu verstärkter UV-Strahlung, die das Risiko für Hautkrebs und Grauem Star deutlich erhöht. Mit zunehmender Hitze steigt durch neue Übertragungswege auch die Gefahr neuer Krankheiten. Die Zecke, häufig verantwortlich für Borreliose und Hirnhautentzündung, überlebt besser. Pestizidangereicherte Lebensmittel können Allergien auslösen.

Dies sind einige Beispiele für die Auswirkungen der Umwelt auf die Menschen, die das Gesundheitswesen zusätzlich belasten. Bundesrat und BAG haben bereits Informationen und Verhaltenstipps zum Hitzeschutz erarbeitet. Eine Aufklärungs- und Informationskampagne und spezifische Aus- und Weiterbildungsmodule sollen die Bevölkerung nachhaltig informieren und eine bessere Vorsorge bzw. Schutz ermöglichen. Sie ermöglichen dem Gesundheitspersonal zudem, eine aktivere Rolle in der Prävention von Krankheiten einzunehmen.

Antrag des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat teilt das Anliegen der Sensibilisierung und nimmt im Rahmen seiner Zuständigkeit bereits verschiedene Informationsaufgaben zur Sensibilisierung der Bevölkerung und der Fachpersonen über umweltbedingte Gesundheitsrisiken wahr. Zu den Gesundheitsrisiken in der Umwelt wie Hitze, Zecken, Pollen, Luftverschmutzung, Biodiversitätsverlust gibt es Online-Informationsportale des Bundes. Der Bund informiert über das Naturgefahrenportal (www.naturgefahren.ch) die Bevölkerung, Medien und Behörden über drohende Naturgefahren.

Für Gesundheitsfachpersonen organisiert der Bund diverse Tagungen, beispielsweise alle 2 Jahre zu UV-Strahlungen zusammen mit der Krebsliga. Auch haben im Jahr 2022 der Verein Public Health Schweiz und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zusammen die nationale Tagung "Eine gesunde Umwelt für gesunde Menschen" durchgeführt (vgl. Publikation des BAG "Spectra" zu diesem Thema unter www.spectra-online.ch). Eine Vielzahl an Strategien, Aktionsplänen oder Aktivitäten des Bundes im Bereich "Umwelt und Gesundheit" beinhalten Sensibilisierungs- und Informationsaktivitäten für die Bevölkerung und Fachpersonen. Dies zeigt die Roadmap "Umwelt und Gesundheit", ein Produkt, das gemeinsam vom BAG und vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) 2022 als Teil der bundesrätlichen Strategie Gesundheit2030 "Gesundheit über die Umwelt fördern" erarbeitet wurde. Die Roadmap wurde Gesundheitsfachpersonen an der erwähnten Public-Health-Fachtagung 2022 vorgestellt. Diese aktuellen Beispiele zeigen, dass das Thema bei Gesundheitsfachpersonen bereits eine hohe Relevanz hat.

Ausbildungsmodule zu Umweltthemen für gezielte Aus- und/oder Weiterbildungen von Gesundheitsfachpersonen sind durch die auf Stufe Bund definierten Kompetenzen von Gesundheitsfachpersonen (Art. 3 Abs. 2 GesBG; SR 811.21) und Medizinalfachpersonen (Art 4 Abs. 2 MedBG; SR 811.11) schon jetzt denkbar. Der Bund hat aber keine Kompetenz bei der Detailausgestaltung der Curricula der Hochschulen. Die Kompetenz liegt bei den jeweiligen Bildungsinstitutionen, welche sich in dieser Hinsicht auf Autonomie berufen können.

Ergänzend zu den dargestellten Sensibilisierungs- und Bildungsmassnahmen des Bundes informieren auch die Kantone die Bevölkerung über Umweltrisiken.

Vor dem Hintergrund der aufgezeigten Massnahmen erkennt der Bundesrat keinen zusätzlichen Handlungsbedarf.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.