23.3243 · Motion · 2023-03-16
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den französischen Behörden und den betroffenen Bahnunternehmen geeignete Massnahmen zu ergreifen, um den Anschluss an die TGV-Linien für die Verbindungen Neuchâtel-Frasne-Paris und Biel/Bienne-Meroux/Belfort-Montbéliard-TGV-Paris zu verbessern.
Er soll dabei insbesondere Folgendes anstreben:
- Gewährleistung eines schnellen und leicht bedienbaren Buchungssystems für Reisende auf diesen Linien, mit dem die durch unterschiedliche Buchungs- (und Stornierungs-)Systeme auf TGV- und Anschlussverbindungen bedingten Erschwernisse vermieden werden können;
- Abschaffung des Quotensystems, das die Verbindungen Neuchâtel-Paris (via Frasne) und Biel/Bienne-Paris (über Meroux/Belfort-Montbéliard-TGV) beeinträchtigt;
- Erleichterung des Umsteigens in Frasne von und nach Neuchâtel, ohne den Bahnsteig wechseln zu müssen;
- Sicherstellung, dass die Sichtbarkeit dieser Linien durch die Erwähnung von "Paris" auf den Fahrplänen, in den Bahnhöfen und auf den Bahnsteigen erhöht wird;
- Sicherstellung, dass diese Linien in den Mitteilungen der betreffenden Bahnunternehmen klar aufgeführt sind.
Generell dürfen diese Anschlussverbindungen im Vergleich zu den anderen TGV-Linien ab der Schweiz nicht benachteiligt werden, insbesondere was die Reservierung und die Sichtbarkeit betrifft. Die Interessen der Fahrgäste müssen an erster Stelle stehen.
Begründung
Zahlreiche Rückmeldungen von Reisenden sowie Untersuchungen zeigen, dass die Buchungssysteme nach wie vor zu komplex sind und verbessert werden müssen (siehe Anfrage 22.1053 und Antwort des Bundesrates).
Ausserdem sind Plätze, die ab Frasne als reserviert angezeigt werden, in Wirklichkeit verfügbar, aber für Reisende ab Lausanne oder Vallorbe reserviert. Dies führt zu einer unnötig komplizierten Buchung. Die gleichen Probleme bestehen bei Abfahrt von Biel/Bienne aus. Die Fahrgäste sind manchmal gezwungen, eine längere Fahrt zu buchen, um - tatsächlich oder nur auf dem Billett - von anderen Bahnhöfen (z. B. Vallorbe) abzufahren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass TGV Lyria die Quotenpolitik verfolgt, dass nur eine bestimmte Anzahl an Reservierungen aus der Schweiz garantiert wird. Die Linien Neuchâtel-Paris (via Frasne) und Biel/Bienne-Paris (via Meroux) fallen jedoch nicht unter diese Kontingente, da sie als französische nationale Bahnlinien gelten. Durch die restriktive Kennzeichnung von Bahnlinien als "international" werden Quoten angewandt, die das eigentliche Ziel verfehlen. Daher ist es notwendig, dass der Begriff "internationale Bahnlinie" breiter ausgelegt wird, um die Linien ab Neuchâtel und Biel/Bienne einzuschliessen.
Für eine gute Sichtbarkeit der Linien sollten auf dem Fahrplan (einschliesslich der Anzeigetafeln im Bahnhof und auf den Bahnsteigen) auch die internationalen Reiseziele erwähnt werden, zu denen diese Linien letztlich führen (z. B. Frasne-Dijon-Paris). Diese zusätzlichen Informationen werden den Fahrgästen Klarheit verschaffen. Der Anschluss an den TGV nach Paris ist ein wichtiges Ziel dieser Bahnlinien; die Haltestellen Frasne oder Meroux sind für die Reisenden nicht aussagekräftig.
Der Anschluss in Frasne sollte auch ohne Bahnsteigwechsel möglich sein, um das Umsteigen der Fahrgäste zu erleichtern.
Schlussendlich wäre noch zu korrigieren, dass diese Bahnlinien aus den Übersichtskarten des TGV-Lyria-Netzes per Anfang 2023 verschwunden sind.
Um den Bahnverkehr zu fördern, muss gegen einen schrittweisen Abbau dieser als zweitrangig empfundenen Linien zugunsten von Direktverbindungen ab Lausanne oder Basel gekämpft werden. Der Geist der französisch-schweizerischen Vereinbarung über den Anschluss der Schweiz an das französische Eisenbahnnetz, insbesondere an die Hochgeschwindigkeitslinien, die 2001 von der Bundesversammlung genehmigt wurde, muss wieder ins Leben gerufen werden.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat führt die SBB mit strategischen Zielen. Er macht der SBB keine detaillierten Vorgaben zur operativen Betriebsführung und Vermarktung von einzelnen Linien oder Verbindungen. Der Bundesrat erwartet von der SBB, dass sie ihre Marktstellung insbesondere durch Kooperationen stärkt und so den Zugang zum europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz sowie gute Verbindungen zu wichtigen Wirtschaftszentren sicherstellt.
Nach Angaben der SBB bestanden in den Buchungssystemen der Transportunternehmen tatsächlich Schwierigkeiten, die allerdings in der Zwischenzeit behoben werden konnten. Der Verkauf von Billetten auf der Website sbb.ch und an den bedienten Verkaufsstellen in der Schweiz für die Linien Neuenburg-Frasne-Paris sowie Biel/Bienne-Meroux-Paris ist nun gewährleistet. Seit die letzten Fehler Ende 2022 behoben wurden, arbeiten die Systeme stabil. Sowohl der Kauf als auch der Kundendienst erfolgen gemäss den Tarifbestimmungen der Bahnunternehmen SBB und SNCF.
Fahrgäste auf den Linien Neuenburg-Frasne und Biel/Bienne-Meroux werden in die französischen nationalen Quoten eingerechnet, da sie in Frasne oder Meroux (Bahnhof Belfort-Montbéliard) auf Hochgeschwindigkeitszüge auf französischem Gebiet umsteigen. Die Verwaltung dieser Kontingente wird von Lyria und der SNCF vorgenommen. Mit dem Ziel, die Sitzplatzkontingente so weit wie möglich zwischen internationalem und nationalem Verkehr auszugleichen, wird bei Verkaufsstart eine beträchtliche Kapazität für den Inlandverkehr reserviert. Reisende auf den Linien von Belfort-Montbéliard und Frasne aus fallen in die französische nationale Kontingentierung, während Fahrgäste ab Lausanne, Vallorbe oder Genf zum internationalen Kontingent gezählt werden. Die jeweiligen Kontingentanteile können je nach Entwicklung der internationalen Nachfrage, an stark nachgefragten Reisedaten oder wegen Einschränkungen aufgrund von Bauarbeiten variieren.
Aus technischen Gründen ist es derzeit nicht möglich, die ab den verschiedenen französischen Bahnhöfen tatsächlich vorhandene Kapazität separat anzugeben. Dank eines neuen Erfassungsinstruments wird diese differenzierte Angabe jedoch voraussichtlich ab 2024 möglich sein.
Es liegt natürlich im Interesse der SBB, der SNCF und von Lyria, den Kundinnen und Kunden ein möglichst unkompliziertes Reiseerlebnis zu bieten. Das Umsteigen ohne Bahnsteigwechsel ist in Frasne nur für Reisende aus Paris in Richtung Schweiz möglich. In umgekehrter Richtung müssen die Fahrgäste das Perron wechseln. Den TGV auf einem anderen Gleis einfahren zu lassen, würde zu einem Zeitverlust führen, da der Zug weiter vor dem Bahnhof abbremsen müsste, um mit einer geringeren Geschwindigkeit über die Weichen fahren zu können. Diese zusätzliche Fahrzeit kann mit den Fahrplänen auf der Jura-Linie nicht ausgeglichen werden.
Das Anliegen, die Sichtbarkeit der gesamten Linie zu verbessern - sei es auf den Anzeigetafeln oder in der Kommunikation der Eisenbahnunternehmen -, ist nachvollziehbar. Alle Kanäle zur Information von Kundinnen und Kunden (Bahnhof, Züge, SBB Mobile etc.) funktionieren auf die gleiche Weise und können nur die Fahrt eines einzelnen Zuges aufzeigen. Ein Zug "kennt" nur sein Ziel. Dasselbe gilt für den Bahnhof, wo immer der Bestimmungsort des Zuges angegeben wird. Dass Paris auf den Fahrgastinformationsanzeigen als Reiseziel angezeigt wird, ist somit technisch nicht umsetzbar. Die Verbesserung der Sichtbarkeit dieser Verbindungen in den verschiedenen Kommunikationsmitteln könnten die SBB, die SNCF und Lyria SAS gemeinsam erörtern.
Der Bundesrat erhofft sich einen zuverlässigen Betrieb mit den genannten Verbesserungen. Er hat jedoch keine direkte Interventionsmöglichkeit im Sinne dieser Motion.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.