23.3864 · Postulat · 2023-06-15
Departement des Innern
Berichterstattung zum Umsetzungsstand des Vorstosses liegt vor
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen, der den Bedarf erhebt und die Mittel aufführt, die notwendig sind, um dem Mangel an Ärztinnen und Ärzten in der Schweiz, namentlich an Hausärztinnen und Hausärzten, wirksam zu begegnen. Der Bericht soll sich besonders mit folgenden Fragen befassen:
1. Welche Instrumente bräuchte der Bundesrat, um auf den Ärztemangel in der Schweiz zu reagieren und mittelfristig eine Verschlechterung der Situation möglichst zu verhindern?
2. Welche Hebel und Instrumente stehen dem Bundesrat zur Verfügung und welche beabsichtigt er einzuführen, um dieses Problem zu beheben?
3. Welche Mittel sind oder wären auf Ebene der Hochschulen, der Politik und der Institutionen notwendig, um zu erreichen, dass die Studierenden sich für die Hausarztmedizin entscheiden, statt eine der anderen Fachrichtungen zu wählen, bei denen es dann zu einer Überversorgung kommt?
4. Was könnte zusätzlich während des Studiums unternommen werden, um die künftigen Ärztinnen und Ärzte für die Innere Medizin zu gewinnen und sicherzustellen, dass es in diesem Bereich genügend Ausbildungsabschlüsse gibt?
5. Mit welchen strukturellen oder finanziellen Mitteln gedenkt der Bundesrat ganz allgemein den Beruf der Hausärztin und des Hausarztes in der Schweiz aufzuwerten?
Begründung
«Geisterpraxen»: Dies klingt wie die Karikatur des Titels eines schlechten Horrorfilms. Doch leider bezeichnet dies in vielen Regionen der Schweiz ein Phänomen, das sich immer mehr verbreitet und verstetigt und das immer mehr Sorgen bereitet: der Mangel an Ärztinnen und Ärzten und namentlich an Hausärztinnen und Hausärzten, die in einzelnen Gemeinden bereits ganz fehlen. Zum einen wird zahlreichen Studierenden für das erste Jahr des Medizinstudiums ein gnadenloser Numerus clausus auferlegt, um die Ausbildungskosten in den Griff zu bekommen. Zum anderen werden weiterhin fast 40 Prozent der Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland geholt, um den Mangel zu beheben. Damit diese paradoxe Situation beseitigt und der Mangel bekämpft werden kann, braucht es einen ganz neuen Weg und die entsprechenden Mittel. Und zuallererst Mittel für die Ausbildung. So hat Pierre-Yves Rodondi, Direktor des Instituts für Hausarztmedizin an der Universität Freiburg, im vergangenen Oktober in den Medien betont, dass mehr Personen ausgebildet werden müssten und vor allem dass diese dann für die richtige Fachrichtung, die Hausarztmedizin, motiviert werden müssten (1). Der Bundesrat kam schon 2011 zur Einschätzung, dass es zur Deckung des Bedarfs mit in der Schweiz ausgebildeten Personen jährlich 1200–1300 Abschlüsse bräuchte. Und die Präsidentin der FMH, Yvonne Gilli, erinnert daran, dass ebenfalls im Jahr 2011 die 795 Schweizer Abschlüsse durch die Anerkennung von 1930 im Ausland erteilte Diplome ergänzt werden mussten (2). Zehn Jahre später, im Jahr 2021, hat die Schweiz immer noch nur 1118 eidgenössische Diplome in Humanmedizin ausgestellt (3).
Ich beauftrage daher den Bundesrat, einen Bericht zu erstellen, in dem der gesamte Bedarf evaluiert werden kann und in dem die Mittel präsentiert werden, mit denen dieser Bedarf gedeckt werden kann, namentlich über die Erhöhung der Zahl der Ausbildungsplätze, die Aufwertung des Hausarztberufs und mit Instrumenten zur Steigerung von dessen Attraktivität.
(1) Gaudiano Fabrice, «Face à la pénurie de généralistes, les communes n'hésitent pas à investir pour les attirer», RTS, 14.10.2022
(2) Gilli Yvonne, «Quelques réflexions à propos de la pénurie de médecins généralistes», Schweizerische Ärztezeitung, Nr. 47, 2022
(3) Statistik BASS / BAG, «Ärztinnen und Ärzte 2021», April 2022
Antrag des Bundesrates
Annahme
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat ist bereit, unter Einbezug der Kantone zu prüfen, inwiefern im Nachgang zum Masterplan «Hausarztmedizin und medizinische Grundversorgung» weiterer Handlungsbedarf besteht und wie dieser angegangen werden könnte. Das Anliegen des Postulats soll zusammen mit dem Postulat 23.3678 Juillard «Wie kann dem Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten sowie Ärztinnen und Ärzten in bestimmten Fachgebieten sofort begegnet werden, insbesondere in bestimmten Regionen der Schweiz?» erfüllt werden.