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23.4094 · Postulat · 2023-09-27

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Bericht in Erfüllung des Vorstosses liegt vor

Wortlaut

Der Bundesrat wird gebeten, in einem Bericht aufzuzeigen, welche Auswirkungen die Entwicklung zu mehr Teilzeitpensen auf die Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräftepotenzials hat und mit welchen Massnahmen höhere Arbeitspensen bei Personen ohne familiäre Versorgungs- bzw. Unterstützungsaufgaben gefördert werden können.

Begründung

Immer mehr Menschen in der Schweiz arbeiten Teilzeit. So hat der Anteil der Teilzeit-Männer von 1991 - 2022 von 7,8 auf 18,7 Prozent, bei den Frauen von 49,1 auf 57,9 Prozent zugenommen. Diese Entwicklung hat eine positive Seite, ist sie doch mit einer höheren Erwerbsquote der Frauen verbunden. Arbeiten bei einem Paar beide 70 Prozent, so führt dies zu einem höheren Arbeitsvolumen als wenn nur eine Person Vollzeit arbeitstätig wäre.

In gewissem Sinn negativ zu Buch schlägt auf der anderen Seite der Anstieg der Teilzeitarbeit bei Personen, die keine familiären Unterstützungs- und Versorgungsaufgaben haben. Im liberalen Rechtsstaat sind die freie Wahl des Arbeitspensums und der Verzicht auf den Einsatz eines Teils der eigenen Ressourcen im Arbeitsprozess nicht in Frage zu stellen. Motive mag es viele geben: Von der besseren Work-Life-Balance über Engagements ausserhalb der bezahlten Arbeit, die Optimierung der Steuerbelastung bis hin zur Vermeidung von Schwelleneffekten etwa bei der individuellen Prämienverbilligung. Diese "freiwillige" Teilzeitarbeit führt zu einer Verringerung des Arbeitsvolumens, zu Ausfällen bei den direkten Steuern, zu Mindereinnahmen bei den über Lohnbeiträge finanzierten Sozialversicherungen, zu Mehrausgaben bei der individuellen Prämienverbilligung, für die Arbeitgeber zu Herausforderungen bei der Rekrutierung und der Planung der Arbeitseinsätze und wohl zu weiteren Effekten, die im Bericht darzustellen sind. Interessant ist auch die Beantwortung der Frage, ob zwischen "freiwilliger" Teilzeitarbeit und der Höhe des erzielbaren Einkommens für ein Vollzeitpensum sowie dem Bildungsniveau eine Korrelation besteht.

Bei den vorzuschlagenden Massnahmen ist darauf zu achten, dass nicht die eingangs beschriebenen positiven Effekte der Teilzeitarbeit auf das Gesamtarbeitsvolumen gefährdet werden, sondern dort Anreize für höhere Pensen geschaffen werden, wo der Verzicht auf "freiwillige" Teilzeitarbeit ein Beitrag zur Bekämpfung des Arbeitskräftemangels leisten würde.

Antrag des Bundesrates

Annahme

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.

Inländisches Arbeitskräftepotenzial ausschöpfen. Die Rolle der Teilzeitarbeit | Lexipedia | Lexipedia