Anpassung der Nährstoffverluste nach oben. Welche Folgen hat dies für die Ökosysteme, die landwirtschaftliche Produktion, die Abschwächung der Klimaerwärmung und die Anpassung an den Klimawandel?
23.4134 · Interpellation · 2023-09-28
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
In der Antwort auf meine Frage 23.7705 kündigt der Bundesrat an, er werde trotz der Annahme der Motion 22.3795 im Jahr 2026 eine Zwischenbilanz über die Fortschritte bei der Reduktion von Nährstoffverlusten ziehen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Ammoniakkonzentrationen bei höheren Durchschnittstemperaturen und trockenerem Wetter höher sind und dass Ökosysteme und biologische Organismen mit der Zunahme von extremen Wetterereignissen anfälliger werden – darauf habe ich schon in meiner Interpellation 22.3627 hingewiesen –, bitte ich den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:
1. Welche Auswirkungen hat diese Senkung des Ziels, die Nährstoffverluste zu reduzieren, auf die Stabilität der Ökosysteme und die von der biologischen Vielfalt erbrachten Ökosystemleistungen, insbesondere auf die Grundlagen der landwirtschaftlichen Produktion?
2. Welche Auswirkungen hat dies auf die Insektenpopulationen, insbesondere die bestäubenden Insekten?
3. Wie wirkt sich das auf die Gesundheit der Wälder aus?
4. Welche Folgen hat das für die Gesundheit von Flüssen und Wasserorganismen?
5. Welche Folgen hat ein Nährstoffüberschuss in den verschiedenen Ökosystemen, und wie wirkt sich ein solcher Überschuss auf die oben genannten biologischen Organismen aus, wenn man auch die Auswirkungen des Klimawandels (Dürren, grosse Hitze usw.) in Betracht zieht?
6. Welche zusätzlichen Kosten entstehen der Gesellschaft und den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern durch diese verlangsamte Verringerung von Nährstoffverlusten?
7. Wie stark wirkt sich die Senkung des betreffenden Ziels auf den Ausstoss von Lachgas aus, einem Treibhausgas, das 297 Mal stärker wärmt als CO2, insbesondere unter Berücksichtigung von Szenarien für steigende Temperaturen und Dürreperioden?
Stellungnahme des Bundesrates
Um die Umweltziele Landwirtschaft (UZL) zu erreichen und damit die Tragfähigkeit der Ökosysteme langfristig sicherzustellen, sollten die Nährstoffverluste reduziert werden. Mit der Annahme der Motion 22.3795 Gapany hat das Parlament den Bundesrat beauftragt, das Reduktionsziel für Nährstoffverluste aufgrund der parlamentarischen Initiative 19.475 "Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren" zu verringern. 1–2) Die anhaltenden Nährstoffverluste führen in Wiesen, im Wald und im Boden zu einer Abnahme der Biodiversität. Dies wirkt sich negativ auf die langfristigen Produktionskapazitäten unserer Agrarökosysteme aus. 3) 90 Prozent der Wälder sind heute von überhöhten Stickstoffeinträgen betroffen. Negative Auswirkungen auf die Waldgesundheit sind die Anreicherung von Nährstoffen und das Ungleichgewicht an verfügbaren Nährstoffen, was zu einer geringeren Resilienz gegenüber Hitze und Trockenheit sowie einer grösseren Anfälligkeit für Windwurf führt. Die Stabilität der Wälder ist gefährdet, und die Schutzwirkung u.a. auf Siedlungen und Infrastruktur nimmt ab. 4) Diverse Fliessgewässer in dicht besiedelten und intensiv genutzten Gebieten enthalten zu viele Nährstoffe. Diese beeinträchtigen sensible Gewässerorganismen und tragen zur Überdüngung der Seen und Meere bei. In Seen begünstigt die Überdüngung übermässiges Algenwachstum, kann toxische Algen fördern und führt zu einem Sauerstoffdefizit. 5) Der Klimawandel begünstigt tendenziell wärmeliebende Arten gegenüber anderen Spezies. Als Folge der Erwärmung wird in Seen weniger Sauerstoff von der Oberfläche in tiefe Seeschichten gelangen und in diesen Schichten die Sauerstoffkonzentration abnehmen. Dadurch geht Lebensraum für Fische verloren. Ein See ohne übermässige Nährstoffbelastung ist resilienter gegenüber dieser Entwicklung. 6) Die zusätzlichen Kosten hängen vom genauen Absenkpfad und von den verschiedenen Wirkungsbeziehungen ab. Es existiert keine umfassende, auf aktuellen Daten basierende Schätzung für die Schweiz. 7) Lachgasemissionen sind grundsätzlich direkt proportional zur Stickstoffmenge, die im Landwirtschaftssystem umgesetzt wird. Die Auswirkungen der Pa. Iv. 19.475 auf die Treibhausgasemissionen (inkl. Lachgas) wurden im Rahmen der Klimaberichterstattung der Schweiz (8th National Communcation, 2022) untersucht. Demnach können Lachgasemissionen bis 2030 gegenüber dem Mittelwert 2014-16 um rund 13 Prozent gesenkt werden. Die tatsächlich erreichte Reduktion hängt massgeblich von der Umsetzung der Massnahmen ab.