23.4158 · Motion · 2023-09-28
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, bei der anstehenden Erneuerung der SRG-Konzession vorzusehen, dass dem Frauen- und Männersport gleich viel Gewicht beigemessen wird.
Begründung
Die SRG als öffentlich-rechtliche Medienanbieterin muss dazu beitragen, dass dem Frauen- und dem Männersport gleich viel Gewicht beigemessen wird, und zwar im Breitensport wie auch im Spitzensport, im Mannschafts- wie auch im Einzelsport. Davon sind wir noch weit entfernt, auch wenn es Fortschritte gibt, wie man bei der kürzlich durchgeführten Frauenfussballweltmeisterschaft (Juli/August 2023) in Australien sehen konnte, über die umfassend berichtet wurde.
Dieses grossartige Sportereignis hat gezeigt, dass Fussballerinnen technisch auf einem hohen Niveau spielen und der Welt des Männerfussballs in nichts nachstehen. Seltsam ist jedoch, dass die Welt und die Schweiz den Frauenfussball erst damit zu entdecken schienen, obwohl bei uns wie auch anderswo Frauen und Mädchen auf kommunaler, nationaler und internationaler Ebene seit Jahrzehnten Fussball spielen und an Wettbewerben teilnehmen. Die Unterstützung durch Trainerinnen, Trainer und Familien ist gewährt, doch beklagen alle den Mangel an finanziellen Mitteln und die fehlende Sichtbarkeit in den Medien. Die fehlende Sichtbarkeit, insbesondere in den öffentlich-rechtlichen Medien, verhindert, dass im Medienraum Vorbilder entstehen, die für die Identifikation junger Spielerinnen von entscheidender Bedeutung sind. Diese Vorbilder gibt es zwar, aber sie werden meistens nicht erwähnt oder wenig gewürdigt. Dies gilt nicht nur für den Fussball, sondern auch für viele andere Mannschaftssportarten.
In einigen Einzelsportarten wie Tennis oder Skifahren allerdings finden Mädchen ihre Motivation durch die Leistungen von Champions, über die in den Medien mehr informiert wird. Dies ist vor allem auf das Engagement von Spitzensportlerinnen früherer Generationen zurückzuführen, die sich in diesen Sportarten Anerkennung verschafft haben. In der Leichtathletik wird zwar über Frauenwettkämpfe berichtet, bei denen junge Mädchen Vorbilder finden, aber in den Medien im Allgemeinen und bei der SRG dominieren nach wie vor Männerwettkämpfe.
Die aktuelle Konzession (Art. 3) sieht allgemein vor, dass die SRG sich in ihrem publizistischen Angebot um eine angemessene Darstellung und Vertretung der Geschlechter bemühen muss. Das reicht nicht.
In diesem Zusammenhang erscheint es notwendig, im Rahmen der Erneuerung der Konzession, die Ende 2024 ausläuft, eine echte Forderung nach einer ausgeglichenen Gewichtung von Frauen- und Männersport vorzusehen, um den Frauensport im Allgemeinen und den Mannschaftssport im Besonderen grundsätzlich aufzuwerten, ohne dabei den Fokus auf die Spitzensportlerinnen zu vergessen.
Antrag des Bundesrates
Ablehnung
Stellungnahme des Bundesrates
Eine Studie zur Darstellung von Frauen in der Berichterstattung der Schweizer Medien von 2021 zeigt, dass im publizistischen Bereich des Sports die Untervertretung der Frauen am ausgeprägtesten ist. Die SRG hat dies erkannt und misst dem Frauensport nun mehr Bedeutung bei. So hat die SRG ihr Live-Frauensport-Angebot in den letzten Jahren verdreifacht. 2022 machte der Anteil von Übertragungen von Frauensport bereits über 35 Prozent des gesamten Live-Sport-Angebots aus. Der Bundesrat begrüsst diesen Ausbau. Die Sensibilität der SRG zum Thema ist gegeben. Der Bundesrat sieht keinen zusätzlichen Regulierungsbedarf.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.