23.4262 · Postulat · 2023-09-29
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, in einem Bericht aufzuzeigen, wie mit alternativen Systemen zur Toilettenspülung der Trinkwasserverbrauch reduziert werden kann. Der Bericht soll sowohl die grössten Einsparmöglichkeiten beim Trinkwasserverbrauch im Toilettenbereich aufzeigen als auch beschreiben, welche Strategien erfolgversprechend sind, um Wirtschaftlichkeit und Effizienz von Spül- und Klärsystemen bei Toiletten zu verbessern und damit einer drohenden Trink- und Brauchwasserknappheit vorzubeugen. Der Bericht soll insbesondere darlegen, wie mit alternativen Systemen wie Trenntoiletten oder Regenwasserspülungen Trinkwasser eingespart werden kann und welche Fördermöglichkeiten durch die öffentliche Hand zielführend sind.
Begründung
Obwohl die Schweiz scheinbar endlose Wasservorräte besitzt, ist durch vermehrt aufkommende Dürre- und Hitzeperioden Wasserknappheit zu einem Bedrohungsszenario geworden. Pro Person wird in der Schweiz täglich rund 40 Liter Trinkwasser für die Spülung von Toiletten verwendet. Dieses endet vermischt mit Ausscheidungen in Kläranlagen und muss aufwändig aufbereitet werden. Angesichts alternativer Lösungen, die mit massiv weniger Trinkwasser oder ganz ohne Wasser auskommen, drängt sich eine Abkehr vom aktuellen System der Trinkwasserspülung auf.
Bereits heute sind z.B. in Genfer Siedlungen alternative Toilettensysteme erfolgreich in Betrieb, die entscheidende Vorteile mitbringen. So können z.B. Trenntoilettensysteme einerseits Trinkwasser sparen und andererseits aus Ausscheidungen wertvolle Rohstoffe wie Stickstoff und Komposterde gewinnen. Forschende des Eawag (ETH) konnten die Vorteile eines Trenntoilettensystems bereits in erfolgreicher Anwendung aufzeigen. Weitere Vorteile liegen in einem geringeren Stromverbrauch, geschlossenen Wertstoffkreisläufen, der Entlastung von herkömmlichen Kläranlagen sowie Resilienz durch Dezentralisierung.
Vom Bericht soll zu einem vertieftem Verständnis für den nachhaltigen Umgang mit dem knappen Gut Trinkwasser sowie effektive Lösungswege zu einem sparsameren Umgang mit Trinkwasser im Bereich der Toilettenspülung.
Antrag des Bundesrates
Ablehnung
Stellungnahme des Bundesrates
Die Reduktion des Wasserverbrauchs und die Förderung der Kreislaufwirtschaft im Abwassersektor ist wichtig. Auch die Forschungsanstalten des Bundes bearbeiten diese Themen. Das eidgenössische Wasserforschungsinstitut Eawag forscht seit über zehn Jahren intensiv an Toilettensystemen mit dem Ziel, den Wasser- und Ressourcenverbrauch zu minimieren. Alternativen zum heutigen Spülsystem wurden bereits aufgezeigt. Zur Förderung der Kreislaufwirtschaft im Abwassersektor haben der Bundesrat und das Parlament mehere Massnahmen eingeleitet: So verlangt die Abfallverordnung ab dem 1. Januar 2026, dass Phosphor aus Klärschlamm und Tiermehl zurückgewonnen werden muss. Darüber hinaus fordert die parlamentarische Initiative 20.433 «Schweizer Kreislaufwirtschaft stärken», dass aus Abwasserreinigungsanlagen weitere Nährstoffe wie Stickstoff zukünftig zurückgewonnen werden. Die Pa.Iv. 20.433 befindet sich derzeit in der parlamentarischen Beratung. Für den Bundesrat sind Massnahmen, um mögliche Wasserknappheiten abzuwenden, zentral. Die im Postulat erwähnten Massnahmen sind begrüssenswert, jedoch nicht entscheidend im Umgang mit Wasserknappheit bei Dürre- und Hitzeperioden. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat in seinem Bericht von 2021 «Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweizer Gewässer» dargelegt, dass als Folge des Klimawandels die nutzbaren Wassermengen im Sommer abnehmen werden und es regional und zeitlich begrenzt zu Wasserknappheit kommen kann. Mit Alternativen zu heutigen Spülsystemen können rund 40 Liter pro Person und Tag eingespart werden, dies entspricht durchschnittlich 5 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs über das ganze Jahr. Bei Hitze und Trockenheit ist jedoch das Einsparpotential der Wasserspülung deutlich kleiner als die erwähnten 5%, denn bei der Spitzenbelastung im Sommer fällt der Wasserverbrauchsanteil für Bewässerungs- und Kühlungszwecke viel stärker ins Gewicht als über das gesamte Jahr. Nach Ansicht des Bundesrates bringt ein zusätzlicher Bericht deshalb keinen Mehrwert .
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.