24.3126 · Postulat · 2024-03-11
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, zu prüfen, ob es in Bezug auf die Auswirkungen von Mikroplastikpartikeln in der Luft auf die menschliche Gesundheit zweckmässiger ist, dem Parlament einen Entwurf für einen Erlass vorzulegen oder aber Massnahmen zu ergreifen und einen Bericht über die Auswirkungen von vorzulegen. Im Bericht soll dargestellt werden, woher diese Partikel stammen, wie sie sich auswirken und wie sich deren Konzentration verringern lässt.
Begründung
In der Schweiz hat sich Luftqualität in den letzten 30 Jahren deutlich verbessert. Sie bleibt aber zu bestimmten Zeiten und in gewissen Regionen problematisch, insbesondere in Bezug auf die Ozon- und die Feinstaubwerte. Zum Feinstaub gehören Mikro- und Nanopartikel aus Kunststoff, deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit bislang nur unzureichend quantifiziert sind.
Im Jahr 2020 wurde eine im Auftrag des Bundes durchgeführte Studie (1) veröffentlicht, in der die Erkenntnisse über Kunststoffe in der Umwelt zusammengefasst wurden. Diese Studie wies auf verschiedene kunststoffbedingte Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier hin und auf den grossen Forschungsbedarf in diesem Bereich. Vor Kurzem, im Februar dieses Jahres, berichtete eine neue Studie (2) über Mikroplastik in menschlichen Plazenten, was Fragen hinsichtlich der Auswirkungen auf die Gesundheit des Fötus aufwirft. Es wurden potenzielle Verbindungen zu entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Darmkrebs und einer verminderten männlichen Fruchtbarkeit hergestellt. Parallel dazu hat eine weitere Studie (3) herausgefunden, dass die Menge der in der Luft schwebenden Mikroplastikpartikel bislang stark unterschätzt wurde, da die Messinstrumente die kleinsten Partikel nicht erfassen konnten.
Angesichts dieser verschiedenen Entwicklungen ersuche ich den Bundesrat, eine neue Studie durchzuführen, die einen Überblick über Mikroplastik in der Umwelt verschafft, und dabei den Fokus auf die Erforschung der Frage der Luftqualität und deren Auswirkungen auf die Gesundheit zu legen. Besonderes Augenmerk ist auf die Herkunft der Mikropartikel und auf deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu legen. Die damit verbundenen Kosten für das Gesundheitswesen sind offenzulegen.
Nötigenfalls sind erste Massnahmen zur Verringerung dieser Art von Verschmutzung auszuarbeiten.
1. Plastik in der Schweizer Umwelt. Schweiz. 2020. EBP Schweiz AG. https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/61314.pdf
2. Microplastics in Every Human Placenta, New UNM Health Sciences Research Discovers. Michael Haederle, 20. Februar 2024.
https://hsc.unm.edu/news/2024/02/hsc-newsroom-post-microplastics.html
3. Evidence and mass qualification of atmosphérique microplastics in a costal New Zealand city, Wenzia Fan et al. ACS Publications.
https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.est.2c05850
Antrag des Bundesrates
Ablehnung
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat hat die Problematik von Kunstoffen in der Umwelt erkannt. Im entsprechenden Bericht in Erfüllung der Postulate Thorens Goumaz (18.3196), Munz (18.3496), Flach (19.3818) und Mitte-Fraktion (19.4355) wurde unter anderem der Wissensstand der Auswirkungen von Mikroplastik auf Umwelt und Gesundheit dargelegt. Dabei wurde festgehalten, dass das Wissen über die Auswirkungen von Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit aktuell noch begrenzt ist. Im Rahmen des Berichts in Erfüllung des Postulats Schneider Schüttel (19.3559) hat der Bundesrat die Belastung durch Reifenabrieb als grösste Quelle von Mikroplastik evaluiert und Massnahmen zur Schliessung von Wissenslücken und der Entschärfung des Problems vorgeschlagen. Menschen können Kunststoffpartikel oder darin enthaltene Bestandteile vorwiegend mit der Nahrung, aber auch durch die Atmung und über die Haut aufnehmen. Es ist bekannt, dass Mikroplastikpartikel toxische Effekte auslösen und gesundheitsgefährdend sein können. Ob diese Effekte auch bei den heutigen Umweltkonzentrationen auftreten, ist nicht abschliessend geklärt. Der Anteil an Mikroplastik an der gesamten Feinstaubbelastung der Luft ist gering. Um die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit weiter untersuchen und einschätzen zu können, braucht es gute Kenntnisse über die Belastung durch Mikroplastik. Zur Bestimmung der Belastungssituation in der Schweiz werden in Zusammenarbeit mit Agroscope, Eawag und der Empa Methoden zur Charakterisierung und Quantifizierung von Mikroplastik in der Luft, in Fliessgewässern, im Abwasser und im Boden entwickelt. Die Untersuchung der Belastung des menschlichen Körpers durch chemische Substanzen ist Bestandteil der Schweizer Gesundheitsstudie, deren Durchführung aktuell abgeklärt wird. Auf internationaler Ebene ist die Schweiz in die Partnership for the Assessment of Risks in Chemicals (PARC) eingebunden, in welchem u.a. die Auswirkungen von Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit untersucht wird. In der Europäischen Union laufen grossangelegte Forschungsprojekte, in welchen die Auswirkungen von Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit erforscht wird (European research Cluster to Understand the Health Impacts of Micro- and Nanoplastics). Die Resultate der genannten nationalen und internationalen Forschungsarbeiten gilt es abzuwarten, bevor weitere Untersuchungen eingeleitet werden. Aus diesem Grund erachtet der Bundesrat die Erarbeitung eines zusätzlichen Berichts zurzeit als nicht notwendig.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.