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24.4659 · Interpellation · 2024-12-20

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Erledigt

Wortlaut

PFAS sind eine Gruppe von starken Kohlenstoff-Fluorid-Bindungen, die sich in der Umwelt kaum abbaut, also eine hohe Persistenz aufweisen (Ewigkeitschemikalien). Zu dieser Gruppe gehört auch die Trifluoressigsäure (TFA), eine hochmobile, persistente Substanz. Untersuchungen zeigen, dass TFA im Grundwasser von Schweizer Ackerbaugebieten in vergleichsweise hohen Konzentrationen auftreten. Sie werden aber auch weitab von diesen Gebieten in der Umwelt nachgewiesen.

Auf meine Frage 24.7919 schreibt der Bundesrat: «Trifluoressigsäure TFA gelangt über diverse Wege ins Grundwasser. Ein Eintrag kann über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf Ackerland erfolgen oder über den Niederschlag als Folge von Kältemittel-Emissionen.»

Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Welche in der Schweiz zugelassenen Pflanzenschutzmittel enthalten Stoffe, die sich nachweislich zu TFA abbauen? Gibt es Pestizide, bei denen dies unklar ist? Wenn ja, was ist das Problem und was will er tun?

  2. Welcher Anteil des Eintrags von TFA erfolgt nachweislich aus Kühlmitteln und via Niederschläge, welcher Anteil erfolgt aus Pestiziden? Wo sind die entsprechenden Nachweise publiziert?

  3. Ist es möglich, dass TFA auch via die Verdunstung von Pestiziden in die Atmosphäre gelangt, da verfrachtet und via Niederschlag, weitab vom Einsatzort, eingetragen werden? Wenn ja, was ist der Stand des Wissens und wo ist er publiziert? Wenn nein, warum nicht?

  4. In der EU wird aktuell eine Beschränkung bzw. ein Verbot von PFAS verhandelt. Falls die EU eine solche Beschränkung oder ein Verbot beschliessen sollte: Wann könnte das geschehen?

  5. Wären PFAS als Wirkstoffe, Beistoffe bzw. als Abbauprodukte von Pestiziden voraussichtlich auch betroffen? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, wie schnell wird er den Entscheid der EU nachvollziehen?

Stellungnahme des Bundesrates

1) Die Bildung von TFA ist bisher für die zwei Wirkstoffe Flufenacet und Tritosulfuron nachgewiesen worden. Flufenacet ist in 32 Pflanzenschutzmitteln (PSM) enthalten, Tritosulfuron in 6 PSM. Für 26 weitere Wirkstoffe, die theoretisch TFA bilden können, wurde die Bildung von TFA bis jetzt nicht nachgewiesen. 2) Je nach Standort spielen die einzelnen Quellen von TFA eine unterschiedlich grosse Rolle für die Belastung im Grundwasser. Aus dem Niederschlag wird TFA aufgrund von Kältemittel-Emissionen über die gesamte Fläche der Schweiz in das Grundwasser eingetragen. Unter Ackerland ist zudem der Eintrag durch PSM eine wichtige Quelle. Punktuell kann die Einleitung gereinigter industrieller Abwässer in die Fliessgewässer zu einer erheblichen Belastung des Grundwassers mit TFA führen.Die Ergebnisse der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA sind auf der Website des Bundesamts für Umwelt (BAFU) publiziert (www.bafu.admin.ch/naqua-tfa). Eine Studie zur Abschätzung der Einträge aus dem Niederschlag in Böden und Oberflächengewässer soll noch im ersten Quartal 2025 veröffentlicht werden. 3) Eine Verdunstung, Verfrachtung und Ablagerung von PSM mit dem Niederschlag kann nicht ausgeschlossen werden. Der gleichzeitige Abbau zu TFA ist aber unwahrscheinlich, da PSM vorwiegend im Boden abgebaut werden. Nur wenige gasförmige fluorierte Vorläuferverbindungen, die zum Beispiel als Kältemittel verwendet werden, können in der Atmosphäre zu TFA umgewandelt werden und dann mit dem Niederschlag auf den Boden gelangen. 4) und 5) Eine umfassende Beschränkung von PFAS in der EU wird nicht vor 2026 erwartet, da die Risiken von PFAS sowie die Auswirkungen einer PFAS-Regulierung für alle relevanten Verwendungsbereiche separat beurteilt werden. Die Schweiz wird eine Übernahme dieser Regelungen im Rahmen des regulären Rechtsetzungsverfahrens prüfen. PFAS als Wirkstoffe, Beistoffe oder Abbauprodukte von PSM und Biozidprodukten sollen gemäss den diskutierten Vorschlägen in der EU von allfälligen Beschränkungen und Verboten ausgenommen bleiben, da PSM und Biozidprodukte einem Zulassungsverfahren unterliegen. Die Umweltrisiken werden in diesem Verfahren bewertet.