26.3302 · Postulat · 2026-03-19
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, gestützt auf Artikel 63 der Bundesverfassung (BV) einen Bericht auszuarbeiten, der konkrete Massnahmen zur Aufwertung der dualen Berufsausbildung aufzeigt. Dieser Bildungsweg soll nachhaltig attraktiver werden, damit sich mehr Jugendliche dafür entscheiden. Absolvieren mehr Jugendliche die duale Berufsausbildung, lassen sich die Jugendarbeitslosigkeit und der Arbeitskräftemangel in zentralen Wirtschaftsbranchen bekämpfen, wodurch die Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften zur Sicherstellung des Personalbedarfs sinkt.
Der Bericht soll folgende Fragen beantworten:
Auf welchem Bildungsweg (duale Berufsausbildung oder Hochschulen und Universitäten) werden im Verhältnis zu den Beschäftigungsmöglichkeiten «zu viele» und auf welchem «zu wenige» Personen ausgebildet? In welchen Branchen werden im Verhältnis zum Bedarf der Wirtschaft «zu viele» und in welchen «zu wenige» Personen ausgebildet?
Wie viele öffentliche Mittel (Bund und Kantone) werden für die in Frage 1 genannten Sektoren bereitgestellt? Wäre eine Umverteilung der öffentlichen Mittel von Hochschulen und Universitäten zugunsten der dualen Berufsausbildung (einschliesslich der Weiterbildung auf Stufe Fachausweis und eidgenössisches Diplom) gerechtfertigt?
Wie werden die offenen Stellen in den Branchen (siehe Frage 1) besetzt, für die nicht genügend Personen ausgebildet werden (Einfluss der Zuwanderung)?
Wie kann die Berufslehre bereits ab Beginn der obligatorischen Schule und insbesondere während der schulischen Berufswahlvorbereitung aufgewertet werden? Werden in der schulischen Berufswahlvorbereitung akademische Bildungswege systematisch priorisiert?
Wie entwickeln sich die Löhne in den Lehrberufen und in den akademischen Berufen?
Wie hoch ist bei den zwei unterschiedlichen Bildungswegen die Abbruch- und Wechselquote?
Welche Massnahmen wurden bisher zur Förderung der dualen Berufsausbildung ergriffen und was wurde damit erreicht? Weiter soll der Bericht Massnahmen prüfen, mit denen der Bund die duale Ausbildung stärker unterstützen, fördern und aufwerten kann.
Zum Schluss soll die Wirksamkeit der geschaffenen Bildungsübergänge bewertet werden mit dem Ziel, die Vielfalt der Bildungswege und die Durchlässigkeit des Bildungssystems zu fördern, insbesondere bei der dualen Berufsausbildung (Art. 63 Abs. 2 BV).
Antrag des Bundesrates
Ablehnung
Stellungnahme des Bundesrates
Die Berufsbildung ist grundsätzlich gut aufgestellt und geniesst im In- und Ausland einen hohen Stellenwert. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Massnahmen zur Stärkung ihrer Attraktivität umgesetzt. Der Bundesrat ist überzeugt, dass es mit der beruflichen Grundbildung nach wie vor gut gelingt, die Jugendlichen und Erwachsenen in verschiedenen Bildungswegen auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Auch die höhere Berufsbildung und die Hochschulen leisten gemäss «Bildungsbericht Schweiz 2026» angesichts der steigenden Nachfrage nach höheren Qualifikationen wichtige Beiträge, um den Arbeitsmarkt mit qualifizierten Fachkräften zu versorgen. Bund und Kantone setzen sich gemäss den gemeinsamen bildungspolitischen Zielen für die klare Profilierung der Angebote auf Tertiärstufe ein und fördern die Durchlässigkeit. Dabei liegt ein Augenmerk auch auf einer ausgewogenen Finanzierung der Bildungswege.Trotz der guten Ausgangslage gibt es verschiedene Signale für Handlungsbedarf. Vor diesem Hintergrund hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation 2024 das Projekt «Attraktivität der Berufsbildung» lanciert. Mit den Verbundpartnern der Berufsbildung wurden Herausforderungen analysiert und Stossrichtungen identifiziert. Die Ergebnisse bestätigen die grundsätzlich starke Position der Berufsbildung, zeigen aber auch die Notwendigkeit, auf veränderte Bildungspräferenzen, gesellschaftliche Erwartungen und den Wettbewerb auf der Tertiärstufe zu reagieren. Gestützt auf diese Sondierung haben die Verbundpartner am nationalen Spitzentreffen der Berufsbildung 2025 sieben Stossrichtungen verabschiedet. Diese greifen mehrere Anliegen des Postulats direkt auf. Die Umsetzung der entsprechenden Massnahmen erfolgt seit 2026 im Rahmen der Roadmap «Attraktivität der Berufsbildung». Auch für das Monitoring und die Berichterstattung steht ein Set an Instrumenten zur Verfügung.Am 6. Mai 2026 hat der Bundesrat den Bericht «Attraktivität der Berufsbildung» in Erfüllung des Postulats 22.4202 Nantermod verabschiedet. Damit und mit den bereits eingeleiteten Massnahmen wird auch das Anliegen des vorliegenden Postulates erfüllt.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.