26.3424 · Interpellation · 2026-03-20
Departement des Innern
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Wortlaut
Der Bundesrat antwortet auf die Frage 26.7093, dass verschiedene PFAS unterschiedlichste Risikopotentiale für die menschliche Gesundheit hätten. Tatsächlich wurden weniger als 1% aller PFAS auf ihre gesundheitlichen Risiken untersucht. Die Stoffe stellten sich jedoch fast alle als chronisch giftig heraus. Das legt laut Wissenschaft nahe, dass die Mehrheit der Stoffe, die durch mindestens eine vollständig fluorierte Methyl- (-CF3) oder Methylen-Gruppe (-CF2) definiert sind, der Gesundheit schaden.
Offenbar birgt insbesondere die chronische Belastung durch PFAS-Risiken: Werden über Jahre hinweg stets geringe Mengen aufgenommen, etwa via Nahrung oder Trinkwasser, können Schäden entstehen.
Im Bericht zum Postulat 22.4585 hält der Bundesrat fest, dass bei mehr als der Hälfte der Erwachsenen in Europa die gesundheitlich unbedenkliche Menge an PFAS im Körper bereits überschritten ist. Daten aus der Schweiz zeigen: Bei 41% der gebärfähigen Frauen liegt die PFAS-Konzentration im Blut über dem Wert für mögliche schädliche Folgen bei Säuglingen. Bei einem Hobby-Fischer am Zugersee überschritten die PFAS im Blut den geltenden Grenzwert offenbar um das 77-fache!
Die Exposition gegenüber PFAS, via Nahrung und Wasser, ist bei Kleinkindern und Kindern offenbar rund zweimal so hoch wie bei Erwachsenen. Darum haben Schweden, Norwegen und Dänemark für Trinkwasser PFAS-Grenzwerte festgelegt, die sich am Körpergewicht von Kleinkindern orientieren und viel tiefer sind als die der Schweiz.
Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:
Was sind die PFAS-Grenzwerte in den oben genannten Ländern und was würde es für die Trinkwasserversorgung bedeuten, wenn sie in der Schweiz eingeführt würden?
Ist davon auszugehen, dass heute geborene Kinder im Laufe ihres Lebens mehr PFAS aufnehmen als die Generationen davor und weshalb?
Ist davon auszugehen, dass die gesundheitliche Belastung durch PFAS noch lange nach einer Regulierung an der Quelle, inkl. einem allfälligen Verbot, andauern oder gar zunehmen würde und weshalb?
Was empfiehlt der Bundesrat besorgten Eltern, welche die PFAS- Belastung ihrer Kinder minimieren wollen?
Jetzt wo das Schweizer Humanbiomonitoring-Projekt gestrichen wurde, wie will er künftig messen, ob die versprochenen Massnahmen tatsächlich zu einer Reduktion der gesundheitlichen Belastung für Menschen führen?
Stellungnahme des Bundesrates
1. Die Höchstwerte für per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) in Trinkwasser liegen in Schweden bei 0,1 µg/l für den EU-Parameter «Summe der PFAS» (PFAS-20) und bei 0,004 µg/l für die Summe der folgenden vier PFAS (PFAS-4): PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS. In Norwegen gilt ein Höchstwert von 0,004 µg/l für PFAS-4. Die PFAS-Höchstwerte in Dänemark liegen bei 0,1 µg/l für den erweiterten Parameter PFAS-20, sowie bei 0,002 µg/l für PFAS-4. Basierend auf Daten einer Trinkwasserkampagne der Kantone würde die in der Schweiz geplante Einführung des EU-Parameters PFAS-20 mit Höchstwert von 0,1 µg/l bei nur einem Prozent der Wasserversorgungen zu Beanstandungen führen. Ein PFAS-4-Höchstwert von 0,004 µg/l respektive 0,002 µg/l würde 18 bzw. 26 Prozent der Wasserversorgungen betreffen.2. und 3. PFOS und PFOA sind Verbindungen, die in protein- und fettreichen Lebensmitteln und im menschlichen Serum dominieren. Der Höhepunkt der menschlichen Belastung durch diese Stoffe wurde in Westeuropa vermutlich bereits in den 1990er bis in den frühen 2000er Jahren erreicht. Seither zeigen die Konzentrationen tendenziell einen rückläufigen Trend. Andere PFAS-Konzentrationen hingegen stiegen und steigen im menschlichen Serum noch an, das allerdings auf einem deutlich tieferen Niveau. Wie die Situation in der Schweiz einzuschätzen ist, bleibt aber aufgrund mangelnder Humanbiomonitoring-Daten zu PFAS derzeit unklar. Eine Regulierung an der Quelle dürfte die gesundheitliche Belastung durch PFAS langfristig reduzieren. Wegen der hohen Umweltpersistenz und den teilweise langen Halbwertszeiten im Menschen würde das nicht sofort passieren. Sinkende Konzentrationen in der Umwelt sind nur durch aktive Sanierungen oder durch eine räumliche Verlagerung der Belastungen, etwa in Ozeane oder tiefere Boden‑ und Sedimentschichten, zu erwarten. 4. Der Bundesrat empfiehlt eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit einer breiten Auswahl an unterschiedlichen Lebensmitteln. 5. Mit Verzicht auf die Schweizer Gesundheitsstudie im Frühling 2025 ist zur Zeit von Bundesseite kein nationales langfristiges Humanbiomonitoring geplant. Durch ein Umweltmonitoring – zum Beispiel die nationale Grundwasserbeobachtung (NAQUA) – kann jedoch überwacht werden, ob die Massnahmen wirken. Damit können indirekt auch Rückschlüsse auf die Belastungssituation des Menschen gezogen werden.