26.3644 · Interpellation · 2026-06-15
Departement des Innern
Eingereicht
Wortlaut
Im Mai 2026 wurde die neue "UNICEF Report Card 20" zur Situation von Kindern in wohlhabenden Ländern veröffentlicht. Untersucht wurde z.B., warum es Kindern trotz Wohlstand besser oder schlechter geht oder inwiefern sich Ungleichheit auf die Lebenszufriedenheit, schulische Kompetenzen und Gesundheit auswirkt.
Insgesamt wird der Schweiz zwar ein gutes Zeugnis ausgestellt, die Studie zeigt aber auch, dass sich ökonomische Ungleichheiten in allen Bereichen auf das Leben von Kindern auswirken. Kinder aus wirtschaftlich benachteiligten Verhältnissen weisen tendenziell eine schlechtere physische Gesundheit und schulische Leistungen auf, ausserdem haben sie ein geringeres psychisches Wohlbefinden. Zudem hat die Kinderarmut im Vergleich zu den weiteren OECD-Staaten mit mehr als 10% überdurchschnittlich zugenommen. Die ungleichen Startchancen von Kindern beginnen schon häufig direkt nach der Geburt. Die Schweiz investiert dabei im internationalen Vergleich sehr wenig in die Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung. Ausserdem gelang es nicht, Kinderarmut in den letzten zehn Jahren zu reduzieren. Das alles stellt die Chancengerechtigkeit sowie die Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen grundsätzlich in Frage. Aus diesem Grund bitte ich den Bundesrat zur Beantwortung folgender Fragen:
Wie beurteilt der Bundesrat die Resultate des Reports? Welchen Handlungsbedarf sieht er in Bezug auf die Resultate der Studie grundsätzlich für die Chancengerechtigkeit und Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen?
Die Lebenszufriedenheit ist zwar überdurchschnittlich hoch, korreliert aber stark mit dem Einkommen. Die Platzierung ist im Bereich «mental health» vergleichsweise schlecht, das äussert sich z.B. in einer hohen Suizidrate. Welchen Handlungsbedarf sieht der Bundesrat in der Verbesserung der psychischen Gesundheit – insbesondere auch für einkommensschwächere Familien?
Es geht aus dem Report deutlich hervor, dass es je nach verfügbarem Einkommen sehr viel schlechter um die physische Gesundheit steht. Welche Massnahmen sieht der Bundesrat vor, um diese grosse Lücke zu schliessen?
Welche Massnahmen hat der Bundesrat zur Bekämpfung von Kinderarmut und der sozioökonomischen Ungleichheit bereits ergriffen? Wird er dieses Thema in die Armutsstrategie einfliessen lassen und konkrete Massnahmen daraus ableiten?