26.3696 · Interpellation · 2026-06-17
Departement des Innern
Eingereicht
Wortlaut
Ich bitte den Bundesrat in Ergänzung von Postulat 25.4842 um die Beantwortung folgender Fragen:
Wie beurteilt er die Ergebnisse und welche Schlüsse zieht er daraus aus Sicht der Gleichstellungs-, Jugend-, Bildungs-, Integrations- und Gewaltpräventionspolitik?
Wie wird dem «Faktor M-Prävention» in der neuen nationalen Strategie gegen geschlechtsspezifische Gewalt, der Gleichstellungsstrategie 2030 und den Folgeprozess zum Nationalen Aktionsplan Istanbul-Konvention konkret Rechnung getragen?
Welche Rolle sieht er für Berufsfachschulen, überbetriebliche Kurse und Lehrbetriebe bei Beziehungskompetenz, Medienkompetenz und Gewaltprävention?
Wie begegnet der Bund Manosphere-Inhalten, misogynen Influencer, algorithmischer Radikalisierung und KI-gestützter sexualisierter Gewalt?
Welche Finanzhilfen können für Pilotprojekte zu männlichkeitsreflektierter Gewaltprävention und Medienkompetenzförderunggenutzt werden?
Sieht er Bedarf für Wiederholungsstudien, Erhebungen bei Minderjährigen und Evaluationen bestehender Präventionsprogramme?
Begründung
Die vom Bund mitfinanzierte Studie «Männlichkeit im Wandel» der Universität Zürich mit männer.ch zeigt besorgniserregende Befunde zu Männlichkeitsbildern, Gewaltakzeptanz, Gleichstellung und Diskriminierung in der Schweiz.
Besonders auffällig sind die Ergebnisse bei jungen Männern: Die 18- bis 24-Jährigen stimmen restriktiv-dominanten Vorstellungen von Männlichkeit am stärksten zu. Frauen-, Schwulen- und Queerfeindlichkeit sind in dieser Gruppe am stärksten verbreitet. Fast jeder zweite junge Mann gibt an, dass «manchmal Gewalt notwendig» sei. Fast jeder dritte 18- bis 24-jährige Mann gehört zur High-Score-Gruppe des «Faktor M», der Gewaltakzeptanz, Dominanzansprüche, Misogynie, Queerfeindlichkeit und die Abwehr von Gleichstellung umfasst. Bei gleichaltrigen Männern mit Berufslehre ist es fast jeder zweite.
Diese Befunde betreffen Gleichstellung, Gewaltprävention, Jugendpolitik, Bildung, Integration, Medienpolitik und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Bildung, Perspektiven und Teilhabe wirken laut Studie als Schutzfaktoren. Es stellt sich deshalb die Frage, welche Schlüsse der Bundesrat zieht und wie bestehende Strategien weiterentwickelt werden müssen.