26.3786 · Interpellation · 2026-06-18
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Eingereicht
Wortlaut
Der Bundesrat wird um die Beantwortung der folgenden Fragen gebeten:
Wie beurteilt der Bundesrat die Ergebnisse der UNICEF-Report Card 20 zu den Zusammenhängen zwischen sozialer Herkunft, Bildungserfolg, Lebenszufriedenheit und gesellschaftlicher Teilhabe?
Welche Entwicklungen sind seit dem Auftrag an den Schweizerischen Wissenschaftsrat im Jahr 2018 festzustellen?
Welche Ursachen sieht der Bundesrat für die ausgeprägten Bildungsunterschiede zwischen Jugendlichen aus privilegierten und benachteiligten Haushalten?
Welche Erkenntnisse liegen zu den Auswirkungen von Kinderarmut und Einkommensungleichheit auf Bildung, Gesundheit, Wohlbefinden und Teilhabe vor?
Wie beurteilt der Bundesrat die Wirksamkeit der bestehenden Massnahmen zur Förderung der Chancengerechtigkeit?
In welchen Bereichen sieht er Handlungsbedarf zur Verringerung sozial bedingter Bildungsungleichheiten?
Welche Bedeutung misst er der frühen Förderung, der familienergänzenden Kinderbetreuung, Tagesschulen und gezielten Förderangeboten für benachteiligte Kinder und Jugendliche bei?
Ist der Bundesrat bereit, gemeinsam mit den Kantonen und der EDK zusätzliche Massnahmen zur Verringerung des Einflusses der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg zu prüfen?
Sieht der Bundesrat Bedarf für eine verstärkte nationale Koordination oder eine gemeinsame Strategie von Bund, Kantonen und EDK zur Förderung der Chancengerechtigkeit? Falls nein, weshalb nicht?
Begründung
Bereits 2018 beauftragte der Bundesrat den Schweizerischen Wissenschaftsrat mit einer Analyse zur sozialen Selektivität im Bildungswesen. Der Bericht zeigte, dass der Bildungserfolg in der Schweiz stark von der sozialen Herkunft abhängt. Auch der Bildungsbericht 2026 stellt fest, dass beim ungleichen Zugang zu Bildung zwischen 2012 und 2022 keine wesentlichen Veränderungen erkennbar sind.
Die im Mai 2026 veröffentlichte UNICEF-Report Card 20 bestätigt diese Befunde. Während 91 Prozent der Jugendlichen aus privilegierten Haushalten grundlegende Kompetenzen erreichen, gelingt dies nur 46 Prozent der Jugendlichen aus benachteiligten Familien. Damit gehört die Schweiz zu den OECD-Ländern mit den grössten Leistungsunterschieden nach sozialer Herkunft. Die Studie zeigt zudem Zusammenhänge zwischen sozialer Lage, Lebenszufriedenheit und gesellschaftlicher Teilhabe. Gleichzeitig haben auch Kinderarmut und generelle Einkommensungleichheit zugenommen.