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preparatory:AB 115219

Forster-Vannini Erika · Ständerat · St. Gallen · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2010-12-15

Wortprotokoll

Wie Sie von Herrn David gehört haben, vertritt er die Meinung, dass sich integrierte Versorgungsnetze nur auf die Behandlung von Chronischkranken spezialisieren sollen, dass es Netze für das Disease Management geben soll. Dabei sollen die spezialisierten Netze den gleichen Bedingungen unterstellt werden wie die integrierten Versorgungsmodelle.

Der Nationalrat, Ihre Kommission und der Bundesrat geben einem anderen Konzept den Vorzug: Die Versicherten wählen das Netz, und innerhalb dieses Netzes können sie den Arzt frei wählen. In der Regel ist dies der Hausarzt als wichtigste Vertrauensperson. Der Hausarzt koordiniert die Spezialisten und arbeitet mit einem Netz von bevorzugten Leistungserbringern und Spitälern zusammen. Dabei möchte ich nochmals betonen, dass die Netze nicht alle [PAGE 1282] Spezialbehandlungen offerieren müssen. Die Netze werden dazu vielmehr Verträge mit Spezialisten aushandeln. Es kann dabei durchaus sein, dass ein Spezialist eine Vereinbarung mit verschiedenen Netzen trifft. Der Versicherte wählt innerhalb des Netzes den Arzt seines Vertrauens aus und wird von ihm dann betreut. In besonderen Krankheitssituationen, wie den von Herrn David angesprochenen, kann durchaus ein Spezialist oder ein ärztlich geführtes Betreuungsteam die Aufgaben des Gesundheitsmanagers oder -koordinators übernehmen. Das Anliegen von Herrn David wird aufgenommen, aber eben innerhalb des Netzes. Und das Netz wiederum kann die komplexen Behandlungssysteme, die aufgrund der Chronischkranken nötig sind, per Vereinbarung einkaufen. Mit der Idee von Herrn David, wonach die Behandlung von bestimmten Chronischkranken nach einem Disease Management konzentriert eingeführt werden soll, würde die Idee der integrierten Versorgung, wie wir sie besprochen haben und für die wir uns jetzt überall mehrheitlich entschieden haben, gewissermassen ausgehebelt.

Ich möchte noch zu den Bemerkungen etwas sagen, die Herr Kollege David gemacht hat: Es geht vor allem auch darum, dass damit die Budgetverantwortung dieser Netzwerke gewissermassen überzogen wird. Netzwerke übernehmen in der Regel Kosten zwischen 10 000 und 30 000 Franken im Jahr. Die Differenz geht zulasten der Krankenkassen. Die Versichertenpauschale wird je nach Risikogruppen der Versicherten berechnet. Anschliessend werden von den Versicherern Grossrisikodeckungs-Korrekturen vorgenommen. Bis zu einem Betrag von 3 Prozent der Netto-Capitation gehen 100 Prozent des Gewinns oder des Verlustes an das Netz. Übersteigen der Gewinn oder der Verlust 3 Prozent der Netto-Capitation, so werden sie zu 100 Prozent von den Versicherern getragen. So wird das heute von bestehenden Netzen offenbar mit gutem Erfolg betrieben. Wir haben von niemandem gehört, dass das so nicht funktioniert. Die heutigen Netze funktionieren in dem Sinn, dass es für Chronischkranke keine speziellen Netze gibt. Die Versicherten sollen von Beginn an in diese Netze gehen, damit sie, wenn sie chronisch krank werden, bereits in diesen Netzen sind und dann möglicherweise an Spezialisten überwiesen werden können.

In diesem Sinne bitte ich Sie, dem Antrag der Mehrheit zuzustimmen.

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