preparatory:AB 125269
Schneider-Ammann Johann N. · Bundesrat · Bern · 2012-06-11
Wortprotokoll
Das Postulat rennt grundsätzlich offene Türen ein. Die demografischen Herausforderungen und die damit zusammenhängenden geringeren Schulabgängerzahlen kommen auch nicht ganz überraschend. Unser Berufsbildungssystem ist flexibel, und das ist eine Stärke unseres Systems. Es stehen Massnahmen bereit, um Ungleichgewichten auf dem Arbeitsmarkt begegnen zu können, Massnahmen, die im Verbund zwischen Organisationen der Arbeitswelt, Kantonen und dem Bund entwickelt wurden.
Zur Angebotsseite: Es werden zusätzliche, auch anspruchsvolle Grundbildungen in neuen Berufsfeldern angeboten. Weiter bietet die in Zusammenhang mit der Flexibilität schon angesprochene Durchlässigkeit in unserem Bildungssystem Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten. Es werden auch Werbekampagnen gefahren, die auf die Vorzüge einer Berufsbildung aufmerksam machen, z. B. die Aktion "berufsbildung.ch" oder in meiner ehemaligen Industrie die Aktion "tecmania.ch". Da versucht man, an die jungen Leute heranzukommen und irgendwo eine Faszination auszulösen, sie zu begeistern und insbesondere auch die jungen Frauen zu erreichen. Dann seien auf der Angebotsseite noch die Berufswettbewerbe erwähnt, die auch ihre Wirkung haben. Unsere Berufswettbewerb-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer sind die besten Werbeträger für alles, was dann Berufsbildung und duale Berufsbildung bedeuten soll.
Auf der Nachfrageseite gibt es den Lehrstellenausweis, der laufend die offenen Stellen anzeigt. Es werden Brückenangebote zur Verfügung gestellt; damit sind Coaching-Programme gemeint, auch das Case Management gehört in diese Kategorie. Damit wird Jugendlichen, deren Vorbildung Defizite aufweist und die nicht ohne Weiteres den Weg in die Berufsbildung finden, eine Unterstützung geboten. Last, but not least schafft das Lehrstellenbarometer Transparenz und wirkt vermittelnd. Letztlich sind vor allem die Branchen und die Firmen gefordert, und das setzt natürlich voraus, dass die Branchen und die Firmen eine wirtschaftliche Perspektive haben, die es ihnen ermöglicht, in die jungen Leute zu investieren. Nach meiner heutigen Einschätzung ist das nach wie vor gegeben.
Kurz, das Instrumentarium ist vorhanden, das Instrumentarium funktioniert. Der Bundesrat ist der Meinung, es sei keine wesentlich oder komplett andere bzw. neue Aktivität [PAGE 1026] auszulösen, und deshalb empfehle ich Ihnen, das Postulat abzulehnen.