AB 148730
Diener Lenz Verena · Ständerat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2012-12-12
Wortprotokoll
Ich habe all den Voten sehr aufmerksam zugehört. Was ich ein bisschen wenig gehört habe, ist die zentrale Frage des Strukturwandels in der Landwirtschaft. Wir müssen uns doch nichts vormachen: Was unsere Agrarpolitik für die nächsten Jahre vorsieht, ist eine Veränderung hin zur Extensivierung in der Landwirtschaft. Die ökologischen Anliegen können nämlich nur so aufgenommen werden. Das heisst aber, dass immer mehr Betriebe Nebenerwerbsbetriebe werden, und es wird eine Spaltung geben in unserem Land: Da haben wir dann auf der einen Seite die vollberuflichen Landwirtinnen und Landwirte mit einer hohen fachlichen Ausbildung und daneben eine wachsende Zahl von Betrieben mit einer Schnellbleiche, sage ich jetzt einmal, weil von einer anderen Berufsbildung her nur Brückenangebote zur Ausbildung von Landwirtinnen und Landwirten bestehen. Das wird den Strukturwandel massiv bremsen.
In der Landwirtschaft erwarte ich eine ganz hohe Fachkompetenz, es ist eine äusserst anspruchsvolle Aufgabe. Im Konzept, wie es der Bundesrat vorgeschlagen hat, ist eine gute Grundbildung eine Voraussetzung. Dann gibt es die Möglichkeit, Ausnahmen zu machen, die durchaus sinnvoll sind und gegen die ich mich in keiner Art wehren will. Aber wenn wir generell einfach nur die Ausbildung als Basis nehmen, werden wir, glaube ich, den hohen Ansprüchen unserer Konsumentinnen und Konsumenten, aber auch unserer Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, die letztendlich diese Direktzahlungssysteme finanzieren, nicht gerecht.
Ich muss sagen: Ich verstehe nicht, warum man nicht eben auch den Ausbildungsbereich als etwas ganz Wichtiges ansieht. Wenn ich sehe, wie die Ziele im Umweltbereich bei den Pestiziden, beim Stickstoff und in ganz vielen anderen Bereichen heute nicht erreicht werden, dann muss ich sagen, dass das nicht immer nur mit schlechtem Willen in der Landwirtschaft zu tun hat, sondern vielleicht auch mit Nichtwissen. Wenn dann ein Nebenerwerbsbetrieb wieder als solcher an die nächste Generation geht, wird das eine immer schmalere Ausrichtung im Angebot dieser Nebenerwerbsbetriebe geben. Wir wollen doch eigentlich Betriebe, die ein möglichst breit gefächertes Angebot haben.
Ich denke, es ist längerfristig für die Landwirtschaft ein Bumerang, wenn wir hier der Kommission und nicht dem Bundesrat folgen. Deshalb halte ich hier an meinem Antrag fest.