preparatory:AB 151056
Girod Bastien · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2014-03-03
Wortprotokoll
Das Postulat will die alpine Solarnutzung fördern, indem deren Potenzial und Wirtschaftlichkeit untersucht werden, und zwar das Potenzial innerhalb bestehender Infrastrukturen, zum Beispiel Stauseen oder Lawinenverbauungen.
Unverständlicherweise unterstützt der Bundesrat das Postulat nicht. Er sagt, das Potenzial sei zu gering. Er sagt also etwas über das Potenzial, bevor er das Potenzial richtig untersucht hat. Dabei wird eigentlich unterschätzt, dass die alpine Solarnutzung einen grossen Beitrag zur Versorgungsautonomie alpiner Standorte leisten würde und auch für diese Gemeinden ein Unterscheidungsmerkmal im Bereich Tourismus darstellt, wenn also eine Gemeinde zum Beispiel sagen kann, dass ihr Skigebiet mit Solarstrom betrieben wird. Es geht also auch darum, dass Gemeinden an der Energiewende teilnehmen wollen, zum Beispiel die Gemeinde St. Antönien, die eigentlich auch positiv auf diesen Vorstoss reagiert hat. Solche Gemeinden sollen auch unterstützt werden, statt dass man einfach das Vorhandensein des Potenzials bestreitet.
Auch verkennt der Bundesrat den Wert der winterlichen Stromproduktion. Es ist so, dass mit alpiner Solarnutzung mehr produziert werden kann. Das hat eigentlich drei Gründe: Erstens ist die Sonneneinstrahlung stärker, zweitens hat man wegen des Schnees eine Reflexion, die dann auch noch genutzt werden kann, und drittens ist auch das Wetter zumindest besser als im Mittelland. Das führt zu einer deutlich höheren Stromproduktion in alpinen Gebieten. Das führt dazu, dass man im Winter mit der halben Fläche gleich viel Strom wie im Mittelland produzieren kann, was doch erheblich ist, und zwar vor allem dann, wenn man den Klimaschutz insofern ernst nimmt, als man möglichst ohne Gaskraft Strom produzieren will. Dann ist eben die winterliche Stromversorgung besonders wichtig. Deshalb wäre es hier wichtig, dass man den Beitrag alpiner Regionen wirklich genau untersucht.
Es geht auch darum, schweizspezifische Innovationen zu fördern. Solche Innovationen gibt es. Zum Beispiel hat das Elektrizitätswerk Zürich zusammen mit einem Start-up, Hydrosun AG, das Projekt Wasserlilie - auf Englisch "waterlily" - durchgeführt. Dort konnten sie zeigen, dass eigentlich mit Wasserlilien, welche Solarstrom produzieren, fast gleich viel Strom auf der Oberfläche eines Stausees produziert werden kann, wie der Stausee selber produziert. Der grosse Vorteil besteht darin, dass man bei solchen Projekten die Netzanbindung bereits hat. Sie konnten zeigen, dass im Winterhalbjahr wirklich bis zu 40 Prozent der Stromproduktion von diesen Wasserlilien ausgehen würden. Das sind also innovative Ideen, und man sollte diese zumindest genauer anschauen - das Postulat verlangt ja nicht deren Umsetzung - und damit auch den Bergregionen ermöglichen, an der Energiewende teilzuhaben. [PAGE 28]