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Lustenberger Ruedi · Nationalrat · Luzern · Fraktion CVP-EVP · 2014-06-02
Wortprotokoll
Leider müssen wir die Session auch mit einem Nachruf beginnen. Wir gedenken heute des ehemaligen Nationalratspräsidenten Jean-Jacques Cevey, der am 11. Mai 2014 im Alter von 85 Jahren verstorben ist.
Jean-Jacques Cevey wurde 1967 auf der Liste der FDP des Kantons Waadt in den Nationalrat gewählt, dem er bis 1991 angehörte. Seine politische Karriere begann der gelernte Jurist und Chefredaktor der Zeitung "Journal de Montreux" 1958, als er als 30-Jähriger in die Exekutive der Gemeinde Montreux-Planches gewählt wurde. Von 1969 bis 1988 war er Stadtpräsident von Montreux, später wurde er Ehrenbürger der Stadt. Auch im Grossen Rat des Kantons Waadt engagierte er sich während zehn Jahren.
In seiner Zeit im Nationalrat arbeitete er in über 130 Ad-hoc-Kommissionen mit sowie in der Aussenwirtschaftskommission, die er präsidierte, in der Finanzkommission, der Kommission für auswärtige Angelegenheiten und den Kommissionen für Wissenschaft und Forschung sowie für Gesundheit und Umwelt.
In der Wintersession 1986 wählte der Nationalrat Jean-Jacques Cevey mit einem Glanzresultat zu seinem Präsidenten. In seiner Eröffnungsrede betonte er, wie wichtig es sei, dass die Volksvertreterinnen und Volksvertreter die Vielfalt der Meinungen in einen funktionierenden parlamentarischen Prozess einbringen könnten. Unser Parlament, führte er weiter aus, müsse ein Ort der lebendigen Demokratie bleiben, stets inspiriert durch den Respekt vor unseren staatlichen Institutionen, die der Schweiz einen privilegierten Platz unter den Nationen gesichert hätten. Die Ratsverhandlungen leitete er "in sehr liebenswürdiger, konzilianter und trotzdem zielstrebiger und effizienter Art", wie sein Nachfolger Rudolf Reichling anmerkte.
Jean-Jacques Cevey war eine prägende und geachtete Persönlichkeit des Waadtländer und Schweizer Freisinns. Von 1982 bis 1985 leitete er auch die freisinnig-demokratische Fraktion der Bundesversammlung. Er wurde geschätzt als ein Mann des Ausgleichs, der sich bemühte, einen Konsens unter den verschiedenen Interessen zu finden, um zu einer tragfähigen Lösung zu gelangen.
Das politische Auftreten von Jean-Jacques Cevey war distinguiert und respektvoll gegenüber den anderen. Er war zudem ein eloquenter Redner, der die französische Sprache [PAGE 774] meisterhaft beherrschte und seine Voten häufig auch mit einer Prise Humor würzte.
Seine politischen Schwerpunkte lagen in wirtschaftlichen Fragen, der Aussenpolitik, der Forschung und der Kulturpolitik. Als weltoffener Mensch setzte er sich bereits früh für einen Uno-Beitritt der Schweiz ein. Besonders stark engagierte sich Jean-Jacques Cevey für den Tourismus. Er präsidierte die Schweizerische Verkehrszentrale von 1980 bis 1994. In dieser Funktion reiste er in alle Welt. Grosse Aufmerksamkeit erreichte er mit einer Parade in den Strassen New Yorks, welche das Winzerfest von Vevey nachahmte und so für den Waadtländer Wein Werbung machte. Für seine grossen Verdienste für den Tourismus und die Kultur erhielt er 1985 den Ehrendoktor der Universität Aix-en-Provence.
Jean-Jacques Cevey engagierte sich noch in vielen weiteren Organisationen, so etwa als Präsident des Schweizerischen Instituts für experimentelle Krebsforschung oder des Ausbildungszentrums der schweizerischen Uhrenindustrie. Daneben blieb dem begeisterten Skifahrer auch noch Zeit für sportliche Betätigung.
Wir alle werden Jean-Jacques Cevey als integren, kultivierten und hochgeachteten Menschen und Politiker in Erinnerung behalten. Im Namen der Bundesversammlung spreche ich seiner Familie mein herzliches Beileid aus.
Ich bitte Sie und die Besucher auf den Tribünen, sich zu erheben und des Verstorbenen in einem Moment des Schweigens zu gedenken.
[VS]
Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen
L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt