AB 169819
Egerszegi-Obrist Christine · Ständerat · Aargau · FDP-Liberale Fraktion · 2013-11-28
Wortprotokoll
Ist es nicht wunderbar, in einem Land leben zu können, in dem das Parlament so lange darüber diskutieren kann, ob für eine Organspende ausdrücklich die Zustimmung des Spenders vorhanden sein muss oder ob er vorher ein Nein festhalten muss, wenn er das nicht will? Wir haben hier die entsprechenden medizinischen Möglichkeiten; eine Flugstunde entfernt erübrigt sich diese Frage total. Das darf man nicht vergessen.
Ich möchte bestreiten, was Kollege Jenny gesagt hat, nämlich wenn man für eine Organspende sei, müsse man hier die Widerspruchslösung gutheissen. Alle in der Kommission waren, dafür, dass wir, weil wir zu wenig Organspenden haben, alles unternehmen müssen, um Leben zu retten. Unbestritten war auch, dass, wer sich ein fremdes Organ erhofft, theoretisch auch selber bereit sein sollte, Gegenrecht zu halten. Um diese Fragen geht es hier nicht. Es geht allein darum: Wenn man vorbereitende Massnahmen trifft, dann muss man das machen, wenn das erste Organ ausfällt, und in dieser Zeit müssen die Angehörigen entscheiden können. Diesen Druck wollten wir nehmen. Es war der Mehrheit wichtig, dass die Sterbenden oder allenfalls deren Angehörige ihre Zustimmung geben sollen, dass deren Persönlichkeitsrechte nicht tangiert werden und dass deren Ansprüche auf Würde und Stille beim Loslassen und Abschiednehmen geschützt sind. Es gibt nicht nur das Recht auf ein Organ von der Seite derjenigen, die schon lange darauf warten, wirklich darauf angewiesen sind und sehr froh um eine Organspende sind. Es gibt auch die andere Seite, die Rechte und Ansprüche hat. In diesem Abwägen hat sich die Mehrheit nicht gegen eine Organspende, aber gegen die Widerspruchslösung gestellt. Dies hat sie wirklich auch in der Überzeugung getan, dass der Bundesrat mit dem Aktionsplan mehr erreichen kann, wenn die breite Öffentlichkeit weiss, dass man mit Organspenden Leben retten kann.
Deshalb hat sich die Kommission mit 9 zu 3 Stimmen mehrheitlich für die jetzt geltende Lösung ausgesprochen.