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preparatory:AB 186616

Schneider-Ammann Johann N. · Bundesrat · Bern · 2015-06-17

Wortprotokoll

Wir haben in den letzten wenigen Wochen, in den letzten Tagen insbesondere, sehr intensiv über die Thematik Medizinerausbildung gesprochen. Wir visieren die BFI-Botschaft 2017-2020 an, die nächstes Jahr hier ins Parlament kommt und die jetzt [PAGE 625] innerhalb des SBFI quasi im Stadium der Finalisierung angekommen ist.

Der Bundesrat hat festgelegt, dass es im Wesentlichen vier Schwergewichtsgebiete geben muss, nebst all den herkömmlichen Aufgaben, die sowieso wahrzunehmen sind. Und einer dieser vier Schwergewichtsaspekte ist die Medizinerausbildung. Der Bundesrat hat in seiner vorletzten Sitzung auch 100 Millionen Schweizerfranken freigegeben, über den mutmasslichen Zahlungsrahmen der BFI-Botschaft 2017-2020 hinaus, um einen Akzent im Medizinbereich setzen zu können.

Die Schweizerische Hochschulkonferenz, das ist das neue Gremium gemäss dem Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz, in dem die Kantone und der Bund vertreten sind, hat am 28. Mai 2015 intensivst über das Thema Medizinerausbildung gesprochen und auch Dispositionen getroffen. Ich beanspruche, dass wir in bester Absprache mit den Kantonen und den zuständigen kantonalen Gremien daran sind, endlich auf den Medizinermangel eine Antwort zu geben.

Lassen Sie mich ein paar Zahlen bezüglich Abschlüsse auf Master-Stufe, eidgenössische Diplome und Weiterbildungstitel nennen: Im Jahr 2013 waren es 786 Master-Abschlüsse. Mit dem Master-Abschluss können die Kandidatinnen und Kandidaten das eidgenössische Diplom erlangen. Dieses eidgenössische Diplom berechtigt aber erst zu einer unselbstständigen Berufsausübung. Im Jahr 2014 wurden 861 solche Diplome erteilt. Für die selbstständige Berufsausübung braucht es dann noch den eidgenössischen Facharzttitel. Im Jahr 2014 hat die zuständige FMH 1637 entsprechende Weiterbildungstitel erteilt. Wir müssen uns dann schon über die gleichen Zahlen unterhalten, aber insgesamt haben Sie Recht: Es gibt ein Defizit in der Grössenordnung von 200 bis 300 Auszubildenden, die dann auch tatsächlich im Arbeitsmarkt ankommen.

Sie haben richtigerweise gesagt: Der Frauenanteil liegt in der Grössenordnung von 60 Prozent. Das ist gut so, verstehen Sie mich richtig. Aber es ist auch eine Tatsache, dass jede fünfte Frau oder jede fünfte Person, um sehr korrekt zu sein, die die Medizinerausbildung beendet, gar nie im Arbeitsmarkt ankommt. Und bei denjenigen, die im Arbeitsmarkt ankommen, auf Teilzeitbasis, mit einem Teilzeitpensum - das ist auch eine Erscheinung insbesondere der vergangenen Jahre -, reduziert sich das Pensum tendenziell, und es geht nicht in die gegenteilige Richtung. Wir verlieren also auch dort Kapazitäten an Ausgebildeten.

Das Problem ist erkannt, wir sind am Arbeiten. Mit der BFI-Botschaft müssen die Gelder bereitgestellt werden, soweit es den Bund betrifft. Die Kantone sind ihrerseits sehr engagiert unterwegs; ich zähle jetzt ganz bewusst keine einzelnen Kantone auf, weil ich sie möglicherweise nicht ganz vollständig aufzählen würde, was zu Kritik führen könnte. Es ist keine Frage: Wir wollen unsere Mediziner vermehrt selber ausbilden.

Ich war vor nicht allzu langer Zeit in Stuttgart und wurde relativ rüde empfangen, indem mir die baden-württembergische Regierung sagte, es könne doch nicht sein, dass sie Fachkräfte ausbilden liessen, die Kosten dafür trügen und wir diese Fachkräfte dann absaugten und beschäftigten - ja, jetzt sind wir wieder beim Thema der Personenfreizügigkeit.