preparatory:AB 196331
Schneider-Ammann Johann N. · Bundesrat · Bern · 2016-03-10
Wortprotokoll
Lassen Sie mich die BFI-Botschaft in Erinnerung rufen, die Sie in der nächsten Zeit debattieren werden. Wir haben dort einen Fokus auf den wissenschaftlichen Nachwuchs gelegt; das hat auch etwas mit dem Befördern der technischen Disziplinen zu tun. Wir haben dort auch einen Fokus auf den ETH-Bereich gelegt. Es sind immerhin 2 Prozent, die dieser Bereich von Jahr zu Jahr mehr an Mitteln zur Verfügung gestellt bekommt. Das ist nicht, was wir ursprünglich wollten. Aber es ist das, was im Stabilisierungsprogramm und unter der Schuldenbremse Platz hatte. Es wird also bewusst etwas mehr in die technische Domäne als in andere Bereiche geleitet.
Mit anderen Worten: Der Bundesrat ist sich sehr bewusst, dass wir hier nach wie vor einen Nachholbedarf haben. Herr Ständerat Bischof, wenn ich richtig zugehört habe, haben Sie die aufkommende vierte industrielle Revolution - wenn man die Digitalisierungswelle so nennen darf - nicht spezifisch hervorgehoben. Das ist aber das, was auf uns zukommt. Damit wir diese Welle in den nächsten Jahren auffangen können, müssen wir die jungen Leute ausbilden und in die Lage versetzen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Wir kommen nicht darum herum.
Herr Ständerat Bischof hat richtigerweise auch auf die 50 000 studierten Menschen hingewiesen, die nach ihrem Studium aus ehrenwerten Gründen, wie er es gesagt hat, eben nicht im Arbeitsprozess landen. Auch das muss ein Schwergewichtsthema bleiben. Wir haben eine Lösung vorgespurt. Wir sind mit Nachdruck an der Umsetzung der Idee, solchen Personen, die nach der Ausbildung nicht im Beruf landen, später die Möglichkeit zu verschaffen, zuerst mit einem Teilzeitpensum in den Beruf einzusteigen und dann vielleicht das Teilzeitpensum zu erweitern. Dann gewinnt man etwas von dem zurück, was in die Ausbildung investiert worden ist - dies natürlich vor einem technischen Hintergrund, über den wir ja reden.
So gesehen, hat mir Ihre private Geschichte mit dem kleinen Mädchen ganz gut gefallen: Man kann nicht jung genug anfangen, die Kinder an die Technik heranzuführen! Das macht z. B. ein Branchenverband wie damals der meinige ganz systematisch. Ich behaupte nicht, dass das dann auch wirklich erfolgreich umgesetzt wird, aber es darf kein Versuch unterlassen werden, um die Sensibilisierung zu befördern und um das Interesse zu wecken.
Ich habe die Zahlen der Studierenden inklusive der Doktoranden an den ETH vor mir: Da sind wir 2011 bei etwa 8000 Absolventen, was gegenüber 2006 immerhin eine Steigerung um 23 Prozent bedeutet. Das ist sicherlich eine gute Nachricht. Wir haben auch in den Fachhochschulen gute Entwicklungen: Im Jahr 2014 waren es rund 11 000 Studierende, das sind 13 Prozent mehr als 2011.
Es wird vieles gemacht, es beteiligen sich alle Interessierten. Mit der Masseneinwanderungs-Initiative ist der Druck zusätzlich gestiegen, weil das Abrufen schwieriger werden wird. So gesehen ist auch diese Entwicklung gar nicht nur nachteilig. Der Kampf um die besten Fachkräfte ist entbrannt, und das hat dann auch etwas zu tun mit den Lohnkosten und damit mit den Kosten für die Leistung, die in diesem Land im Quervergleich zur internationalen Umgebung abgeliefert wird. Auch das ist mit zu beachten.
Eine letzte Bemerkung: Die beiden ETH sind mit Wanderausstellungen unterwegs, um aufzuklären. Man versucht wirklich, die jungen Menschen, die Menschen, die vor der Entscheidung stehen, in welche Richtung sie sich ausbilden [PAGE 157] wollen, aber auch die ganz jungen Menschen zu erreichen, um sie zu sensibilisieren. Diese Bemühungen sind sicherlich beachtlich. Tatsache ist allerdings, dass wir nach wie vor Mühe haben, alle unsere technisch orientierten Fachkräfte auf den verschiedensten Niveaus in genügender Anzahl sicherstellen zu können.