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Stahl Jürg · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2017-11-27
Wortprotokoll
Vor genau 52 Wochen haben Sie mich zu Ihrem Präsidenten gewählt und mir das Vertrauen ausgesprochen. Sie haben mir dieses Amt zugetraut.
Chers collègues, même s'il y a des moments plus faciles dans la vie d'un président que de lire la lettre de démission d'un membre du Conseil fédéral dans la langue maternelle de celui-ci, et, après des cours particuliers intensifs, de prononcer correctement le prénom de son successeur, caro Ignazio, ou encore de comprendre un rapporteur de langue latine ou romanche, ce dont il s'agit en fin de compte, ce n'est pas seulement la prestation orale qui importe, mais bien ce que nous ressentons dans notre coeur, et c'est ce qui fait la cohésion de notre beau pays.
Nun gut, in einer präsidialen Schlussrede, zu der es keine Reglemente, Vorschriften, Empfehlungen oder gar Zeitlimiten gibt, könnte ich nun über die 278 Stunden Debatten in meinem Amtsjahr - jene, die immer anwesend waren, waren also sage und schreibe elfeinhalb Tage mit mir im selben Raum - nachdenken oder eine politische Wertung der 974 Entscheide vornehmen, die Sie in diesem Jahr per Knopfdruck gefällt haben. Oder ich könnte über Erlebnisse in meinem präsidialen Alltag berichten, wie jenes anlässlich eines Besuchs in unserem sehr geschätzten Nachbarland, dem Fürstentum Liechtenstein. Bei einem Treffen mit dem Erbprinzen Alois antwortete ich auf seine Erklärung, dass der grosse Unterschied zwischen dem Fürstentum Liechtenstein und der mit ihm befreundeten Schweiz in der Monarchie bestehe, dass ich mich sehr wohl Monarchien gewohnt sei, denn bei uns zu Hause regiere die kleine Prinzessin. (Heiterkeit) Oder wir könnten auch über die Bundesratswahlen vom vergangenen 20. September sprechen. Sie alle waren da, 246 an der Zahl, und es war sehr ruhig im Saal. 86 Minuten nachdem ich die Sitzung der Bundesversammlung eröffnet hatte, schloss ich sie mit der Ankündigung, der Nationalrat tage um 15 Uhr weiter. Wir haben nicht wochenlang um eine Regierung gerungen - wir haben sie in 86 Minuten komplettiert, und darauf bin ich stolz.
Ich werde nicht über all das sprechen. Aber ich werde dann auf dem Platz dort drüben im Saal wieder an den inhaltlichen Diskussionen teilnehmen dürfen.
Seit dem 28. November des vergangenen Jahres habe ich neben meiner Hauptaufgabe, dem Präsidieren unseres Rates und der Vereinigten Bundesversammlung, unzählige Begegnungen, Kontakte, Anlässe, Gespräche und Emotionen erleben dürfen. Eines kann ich zusammenfassend über dieses intensive Jahr mit Überzeugung sagen: Beeindruckend für mich sind die Vielfalt und die Vielseitigkeit unserer Schweiz und der Menschen, die unsere Schweiz ausmachen. Auf Berndeutsch würde ich sagen: "I has scho geng gwüsst", aber es tut gut, es so anschaulich spüren zu dürfen.
Wenn ich mir erlauben darf, am heutigen Tag einen einzigen Rat anzubringen - danach verzichte ich auf Empfehlungen und Ratschläge -, ist es dieser: Selbst wenn wir als Politikerinnen und Politiker naturgemäss dorthin schauen müssen, wo etwas nicht oder nicht gut funktioniert, so ermuntere ich Sie doch, die Musse, die Zeit und den Mut aufzuwenden, auch dorthin zu schauen, wo es funktioniert. Und es funktioniert an vielen Orten sehr gut, ohne dass darum ein grosses Aufsehen gemacht wird. Sagen Sie bei dieser Gelegenheit auch einmal all jenen Danke, die nicht so wie Sie und ich im Rampenlicht stehen. Unsere Schweiz ist ein Kollektiv. Die [PAGE 1747] Schweiz ist nicht abhängig von einer Person, von einer Branche, von einer Institution oder von einer Fähigkeit.
In meiner Ansprache vor einem Jahr habe ich von Menschen gesprochen, die mich auf meinem bisherigen Weg begleitet haben; heute spreche ich von den Menschen, die in diesem Jahr auf demselben Weg gegangen sind wie ich. Genau darum liegt es jetzt, so kurz vor der Weitergabe der Verantwortung, an mir, ihnen allen zu danken. Ich danke meinen beiden Vizepräsidenten; sie haben mich im Team ebenso stark unterstützt wie der Generalsekretär und der Sekretär des Nationalrates. Mein Dank gilt auch meinem Amtskollegen, Herrn Ständeratspräsidenten Ivo Bischofberger, für seine loyale und immer angenehme Zusammenarbeit und für seine Freundschaft. Dem Ratsbüro und im Speziellen den Chefinnen und Chefs der sieben Bundeshausfraktionen sage ich Danke, nicht nur, weil Letztere mich auf eine anspruchsvolle Reise nach Russland begleitet haben, sondern vielmehr, weil wir es zusammen geschafft haben, die Pendenzen, aber auch die anstehenden Vorlagen gemäss dem vorgesehenen Zeitplan abzuarbeiten. Das Büro hat mir immer den Rücken gestärkt.
Mein Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Parlamentsdienste. Die Parlamentsdienste sind ein Uhrwerk, das dank vielen verschiedenen Teilen funktioniert, kleineren und grösseren, die wir manchmal nicht so direkt spüren, die aber ebenso wichtig sind für die Gesamtleistung des Parlamentes. Vom Reinigungsteam über das Archiv, die Übersetzung, die Gastronomie bis zur Sicherheit - alle sind wichtig, auch jene, die ich jetzt nicht namentlich genannt habe.
Ich möchte auch der Frau Bundespräsidentin und dem gesamten Bundesrat danken. Ich glaube, es ist uns gelungen, in der Gewaltentrennung die Balance zu finden - mir als gelerntem Drogisten liegt die Drogistenwaage nahe - und atmosphärisch eine gute Ausgangslage für die Debatten in unserem Ratssaal zu schaffen.
Ich bedanke mich bei meiner Fraktion, die mich vor gut drei Jahren als Vizepräsidenten nominiert hat und somit am Anfang meiner drei Jahre im Präsidium steht. Ich danke insbesondere dem bis vorletzten Samstag amtierenden Fraktionspräsidenten der SVP. Wir haben zusammen - das wissen nicht alle - über 6000 Fallschirmabsprünge absolviert, wir kennen uns länger, als unsere politischen Karrieren dauern, wir haben die gleiche militärische Ausbildung durchlebt - merci, Ädu!
Danken möchte ich aber auch meinen Freunden aus dem Sport und den anderen Bereichen der Gesellschaft, speziell - das erlauben Sie mir sicher - meinen Kollegen der Männerriege Brütten. Die Männerriege ist eine Abteilung des Turnvereins in meiner Wohngemeinde. Sie hat zu meinem Amtsantritt eine Brücke aus Holz gezimmert. Diese Brücke steht als Friedensbrücke zu Ehren des Nationalratspräsidenten auf unserem Schulhausplatz. Immer wenn sich Schüler gestritten haben oder Unstimmigkeiten hatten, reichen sie sich im Anschluss die Hand auf dieser Friedensbrücke - ein starkes und bewegendes Zeichen für mich persönlich und hoffentlich auch für unsere Gesellschaft, auch für meine postpräsidiale Zeit.
Jetzt muss ich ein bisschen in den Bauch atmen. Ich danke meiner Familie: meiner Frau Sabine, die mich so nimmt, wie ich bin, und mich nicht nur in diesem Jahr so stark unterstützt hat; meinem Mami, das mich seit exakt 49 Jahren und 45 Wochen erträgt, beschützt, begleitet und unterstützt; meinen Schwiegereltern aus Konolfingen, welche jetzt gerade zu unserer kleinen Valerie schauen. Ich kann Ihnen sagen, wir haben geübt mit unserer Tochter: Das ist die Glocke, meine persönliche Glocke; sie hat mich als Maskottchen begleitet. Es ist ein Geschenk von meinem Freundeskreis, und wir haben geübt mit ihr. Ich kann Ihnen versichern, sie hätte sie seit Beginn meiner Ansprache bis jetzt sicher schon öfter geläutet, als ich sie in diesem Jahr geläutet habe.
Also, ich danke all den Menschen in unserem Land für ihren täglichen Einsatz. Für Sicherheit, Unabhängigkeit, Freiheit und Wohlstand gibt es keine Garantie, und sie sind schon gar nicht eine Selbstverständlichkeit. Tragen Sie Sorge dazu, dass dieser Einsatz auch in Zukunft geleistet wird. Meinen Einsatz in diesem Jahr für die Gemeinschaft habe ich mit Leidenschaft und grosser Motivation erbracht. Alles, was gelingt, wurde einmal gewagt. Mein Wunsch ist, dass Sie diesen Spruch mitnehmen. Darum: Un grand merci et tout de bon pour le futur de notre patrie! (Stehende Ovation)
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