preparatory:AB 285576
Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-06-16
Wortprotokoll
Unsere Kommission hat sich ausführlich mit den Auswirkungen der Corona-Krise auf unsere Jugend befasst, dies im Zusammenhang mit der Situation sowohl der Studierenden als auch der Jugend in der Berufsbildung. Anlässlich dieser Auseinandersetzung haben wir uns auch mit der psychischen Gesundheit der Jugend befasst und uns mit 14 zu 8 Stimmen bei 2 Enthaltungen für das vorliegende Postulat ausgesprochen.
Zum Inhalt des Postulates: Die Corona-Krise und deren indirekte Auswirkungen stellen Familien, Bildungsinstitutionen und vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vor grosse Herausforderungen. Dies bestätigen die regelmässigen und zunehmenden Aufrufe von Fachgremien und Fachkräften, welche sich, höchst besorgt über die psychische Gesundheit unserer Jugend, an die Öffentlichkeit wenden. Zudem ist davon auszugehen, dass die psychologischen Effekte der Corona-Krise längerfristig spürbar sein werden.
Es ist offensichtlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Was jedoch fehlt, ist ein Gesamtüberblick über die aktuelle Lage in der Schweiz. Deshalb wird der Bundesrat aufgefordert, in einem dringlichen Bericht die Situation darzulegen und aufzuzeigen, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen hat. Zudem wird der Bundesrat gebeten, konkrete Massnahmen zur Wahrung der psychischen Gesundheit und zur Sicherstellung der Versorgung der Kinder und Jugendlichen in unserem Land aufzuzeigen.
Zur Begründung des Postulates: Unsere junge Generation verdient ein besonderes Lob aufgrund des grossen Beitrags, den sie seit über einem Jahr für die Gesundheit unserer Gesellschaft leistet. Es gilt anzuerkennen, dass der Bundesrat während der Corona-Krise grosse Sensibilität für die Kinder und Jugendlichen zeigt. Umso wichtiger ist es, dass künftig eine Fachperson aus der Kinder- und Jugendmedizin in der Covid-Taskforce Einsitz nimmt.
Dass dringender Handlungsbedarf besteht, zeigt sich auch daran, dass sich regelmässig Fachkräfte und Fachgremien aus den unterschiedlichsten Perspektiven höchst besorgt zu Wort melden. Die Situation scheint sich zuzuspitzen. Stellvertretend folgende Beispiele:
Anfang Woche gelangten die Stiftung Pro Mente Sana, der Fachverband Public Health sowie die Dargebotene Hand mit einem Appell an die Öffentlichkeit, in dem sie 100 Millionen Franken für die Unterstützung der psychischen Gesundheit der Jugendlichen fordern.
Im wissenschaftlichen Bericht der Taskforce vom 5. Mai 2021 äussern sich Fachpersonen wie folgt: "Insgesamt ist die wissenschaftliche Datenlage zu Häufigkeit und Verteilung von psychischen Störungen von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz und zum Einfluss der aktuellen Pandemie [...] weiterhin dürftig und erfordert national koordinierte interdisziplinäre Massnahmen und Studien." Genau das fordert das vorliegende Postulat.
Ende April 2021 richteten sich alle namhaften Dachverbände der Kinder- und Jugendorganisationen - darunter Unicef, die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände und Pro Juventute - in einem Appell an den Bundesrat. Die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen äusserte sich in einem Schreiben an die Ratsmitglieder sehr besorgt über die Situation. Zudem schlagen die Kinder- und Jugendpsychologen Alarm; sie sind in den Kantonen überlastet, und es bestehen sehr lange Wartefristen.
Eine Kommissionsminderheit teilt zwar die Auffassung, dass der psychischen Gesundheit unserer Jugend hohe Priorität eingeräumt werden soll, sie ist jedoch der Ansicht, dass es keine neue oder genauere Datenerfassung braucht.
Im Namen der Kommissionsmehrheit bitte ich Sie, das vorliegende Postulat anzunehmen und damit die Grundlage zu schaffen für die dringend nötige Basis der Daten, die wir brauchen, um gezielt Massnahmen zur Stärkung unserer Kinder und Jugendlichen durchzusetzen.