AB 28798
Cavalli Franco · Nationalrat · Tessin · Sozialdemokratische Fraktion · 2002-12-11
Wortprotokoll
Um es kurz zu machen: Wir haben für den Antrag Dunant Stimmfreigabe beschlossen, wir werden den Antrag Beck bekämpfen, und wir werden den Anträgen Meier-Schatz, Guisan und natürlich Goll zustimmen. Der Antrag Goll vervollständigt unser Hausarztmodell.
Zum Hauptschauplatz: Es liegen zwei extreme Lösungen vor - auf der einen Seite die heutige Lösung, die wirklich nicht optimal ist, auf der anderen Seite aber das fundamentalistische Modell des Ständerates bzw. des Antrages der Minderheit I (Widrig), das den Krankenkassen die ganze Macht gibt. Sie wissen wie ich: Die Schweizerinnen und Schweizer werden es nicht erlauben, dass ihnen irgendein Krankenkassenbürokrat vorschreibt, zu welchem Hausarzt, zu welchem Kinderarzt und zu welchem Frauenarzt sie noch gehen dürfen. Das werden die Schweizerinnen und Schweizer nicht zulassen. Aus diesem Grund haben wir versucht, eine innovative Lösung zu finden. Es wird uns häufig gesagt, wir seien konservativ; die einzige innovative Lösung, die auf dem Tisch liegt, ist unsere Lösung, nämlich der Antrag der Minderheit II (Gross Jost). Warum ist diese Lösung innovativ? Sie ist innovativ, weil sie nicht nur zukunftsgerichtet ist, sondern auch verschiedene Probleme auf einmal löst.
Auf der einen Seite haben wir zwischen Allgemein- und Spezialmedizin getrennt. Das macht Sinn - warum? Erstens, finanziell gesehen: Kosten treibend sind vor allem die Spezialärzte. Ich weiss, wovon ich spreche, weil die Onkologen die teuersten unter den Spezialärzten sind; wir sind die Kosten treibenden Ärzte, und nicht die Hausärzte. Zweitens ist die Beziehung eines Patienten zu einem Spezialarzt völlig anders als zu einem Hausarzt. Mit dem [PAGE 2087] Hausarztnetz-Modell, das wir Ihnen hier beantragen, liegt Ihnen zum ersten Mal eine Verwirklichung der Forderung nach Einführung des Hausarztmodells, nach der Verbesserung der HMO vor. Wir beantragen Ihnen hier eine konkrete Lösung, die verschiedene Vorteile hat. Ein Vorteil liegt unter anderem darin, dass diese Hausarztnetze Budgetverantwortung zu tragen haben, also kostengünstig sein müssen. Sie müssen auch alle Leistungen anbieten, sowohl ambulant wie stationär; sie müssen also Verträge mit den Spitälern eingehen.
Diese Leistungen können interkantonal erbracht werden, also nicht nur in einem Kanton, sondern in mehreren Kantonen. Wir lösen damit ein Problem, das vielen Schweizern ein Dorn im Auge ist: dass sie nur im eigenen Kanton behandelt werden dürfen. Es ist heute leichter, in der EU von Lissabon nach Helsinki zu gehen und sich ärztlich behandeln zu lassen, als in der Schweiz von Freiburg nach Bern zu gehen, um sich dort ärztlich behandeln zu lassen. Diese mittelalterliche Regelung müssen wir aufgeben; die grosse Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer wollen sie nicht mehr. Mit unserem Modell haben wir eine quantitativ und qualitativ gesicherte Lösung, die auch dieses Problem endlich beheben würde.
Deshalb beantrage ich Ihnen im Namen unserer Fraktion, diesem innovativen und zukunftsträchtigen Modell zuzustimmen. In dieser Beziehung wird uns die Zukunft Recht geben.