preparatory:AB 299355
Huber Alois · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2022-03-17
Wortprotokoll
Kinder verkommen in der Schweiz zunehmend zur Ware. Ethische Grenzen, welche die Würde von Frau und Kind bisher erfolgreich schützten, sollen nun fallen. Stimmen wir heute der Eizellenspende zu, ist uns dabei hoffentlich bewusst, dass die nächste Forderung die Leihmutterschaft sein dürfte. Weitere Schritte werden bestimmt folgen.
Die Eizellenspende ist der Wegbereiter einer Praxis, die in der Schweiz bis heute aus Gründen der Menschenwürde verboten ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen, sind Frauen für Sie Produktions- und Gebärmaschinen, oder sind sie es nicht? Ist das Kind ein Mensch, oder ist es nur eine Ware, ein Konsumgut, mit dem Erwachsene sich ihre Wünsche erfüllen dürfen, wie es ihnen beliebt? Um genau diese Fragen geht es in der heutigen Abstimmung zur Eizellenspende.
Die Befürworter der Motion argumentieren, dass es ihnen bei der Eizellenspende darum gehe, eine Ungleichbehandlung von Frau und Mann zu beheben. Die Eizellenspende zuzulassen, wäre jedoch aus unserer Sicht ein frauenfeindlicher Rückschritt. Die Eizellenspende ist ein sehr massiver Eingriff in die physische und psychische Verfassung und den Körper der Spenderin wie auch der Empfängerin und ist mit einer Samenspende überhaupt nicht zu vergleichen. Sie haben es vorhin gehört: Die Erfolgsrate ist - neben den gesundheitlichen Risiken - sehr klein.
Die Spenderinnen werden für die Entnahme von Eizellen massiven körperlichen Risiken ausgesetzt. Auch wirkt sich die nötige Behandlung mit Hormonen sehr negativ auf die Psyche der Spenderin, aber auch der Empfängerin aus. Bekannte Nebenwirkungen sind Blutungen, Stimmungsschwankungen, Unterleibs- und Kopfschmerzen und Thrombosen. Die Hyperstimulation steht zudem in Verdacht, Eierstock- und Gebärmutterkrebs zu fördern. Die Entnahme der Eizellen mittels einer Punktion erfordert Beruhigungsmittel und eine lokale Narkose. Dabei kann es zu Blutungen und Infektionen kommen. Wenn der Eileiter verletzt wird, droht auch eine Unfruchtbarkeit der Spenderin.
Das Argument, wenn Frauen freiwillig Eizellen spendeten, sei doch alles in Ordnung, ist unserer Ansicht nach nur ein Feigenblatt. Wird die Eizellenspende legalisiert, dann fördert das die körperliche Ausbeutung der Frauen. Inwieweit sich eine Frau freiwillig ausbeuten lässt und wie viel ihr dafür bezahlt wird, ändert nichts daran, dass sie ausgebeutet wird. Schon allein die Tatsache, dass sie ausgebeutet wird und in westlichen Ländern, in denen die Eizellenspende erlaubt ist, viel zu wenig Spenderinnen gefunden werden, sollte uns zu denken geben. Bedenklich ist hier die Ausnutzung der finanziellen Situation von Frauen in ärmeren Ländern, welche für die Eizellenspende geködert oder passiv dazu gezwungen werden.
Dass Schweizer Paare sich im Ausland Eizellen beschaffen können, ist aus unserer Sicht ebenfalls kein Grund, die Eizellenspende in der Schweiz zu legalisieren. Im Ausland werden auch Kinderehen geschlossen, und ich nehme nicht an, dass jemand von Ihnen diese kinderfeindliche Praktik deshalb bei uns legalisieren möchte.
Eizellenspende und Leihmutterschaft sind in unserem Land bisher aus ethischen Gründen für alle Paare verboten und sollen dies auch bleiben. Es gibt kein Recht auf Kinder, aber Kinder und Frauen haben ein Recht auf Schutz vor Ausbeutung und Verzweckung. Wäre es hier nicht angebracht, den Willen der Natur zu akzeptieren?
Jetzt noch eine persönliche Bemerkung: Sehr erstaunlich ist für mich, dass die gleichen Personen in diesem Saal von mir als Biobauer nicht nur erwarten, sondern auch fordern, von technischen Methoden bei der Fortpflanzung der Tiere möglichst abzusehen. (Zwischenruf der Präsidentin: Herr Huber, Sie müssen ein Ende finden!) Ja, ich komme gleich zum Ende, vielen Dank.
Ich bitte alle, denen das Kindeswohl am Herzen liegt, dem Interesse und dem Schutz der Kinder durch ein klares Nein Priorität zu geben. Ich bitte alle, denen die Würde und der [PAGE 562] Schutz der Frauen am Herzen liegen, dies durch ein Nein zur Eizellenspende auszudrücken.