AB 314893
Wettstein Felix · Nationalrat · Solothurn · Grüne Fraktion · 2023-03-02
Wortprotokoll
Swissness hat bei den Konsumentinnen und Konsumenten in unserem Land einen hohen Stellenwert. Viele von uns achten beim Einkaufen darauf, und das ist auch gut so. Ein Lebensmittel, das aus der Schweiz stammt, geniesst ein hohes Vertrauen. Es gilt a priori bei vielen als gesünder, als wertvoller, oft auch als ökologischer, als wenn es sich um ein Importprodukt handelt. Objektiv gesehen gibt es diesen vermuteten Qualitätsvorsprung zwar nicht immer. Wenn ich solche Qualitäten will, dann muss ich nicht nach dem Herkunftswappen, sondern eben nach dem Qualitätslabel fragen, nach der Knospe oder wenigstens dem "Chäferli" von IP-Suisse, nach Max Havelaar, Demeter oder ähnlichen Labels. Nichtsdestotrotz wissen natürlich auch die Marketingabteilungen der Grossverteiler, des übrigen Detailhandels und der Firmen aus der Lebensmittelverarbeitung, dass das Prädikat Schweiz zieht.
Den meisten Konsumentinnen und Konsumenten von tierischen Lebensmitteln dürfte nicht bekannt oder zumindest im Moment des Kaufentscheides nicht bewusst sein, wie das Tier in der Schweiz grossgezogen wurde. Hier setze ich mit meiner Motion an. Der Bundesrat weist in seiner Antwort zu Recht darauf hin, dass bei Fleisch die Herkunftsbezeichnung Schweiz nur verwendet werden darf, wenn ein Tier den überwiegenden Teil seines Lebens in der Schweiz verbracht hat. Bei den übrigen tierischen Produkten wie Milch und Eier ist massgebend, dass das Tier in der Zeit, in der es das Produkt liefert, in der Schweiz gehalten wurde. Der Bundesrat weist auch darauf hin, dass es freiwillig ist, Herkunftsangaben zu machen.
Das alles wird mit meiner Motion nicht geändert. Mit meiner Motion kommt nur hinzu, dass die Futtermittel für diese Tiere überwiegend in der Schweiz gewachsen sein müssen. Das ist heute leider oft nicht der Fall. Je nach Tiergattung und Produktionsweise werden die Tiere fast ausschliesslich mit importiertem Futter grossgezogen. Am extremsten ist das bei den Hühnern. 12[NB]000 Tonnen des Eiweisses im Futter kommen aus dem Inland, aber 63[NB]000 Tonnen werden importiert. Bekanntlich ist der Hühnerfleischkonsum in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Poulets und Eier werden als Schweizer Produkte verkauft, und den wenigsten Konsumenten und Konsumentinnen dürfte bekannt sein, wie die Hühner ihr kurzes Leben fristeten und was sie fressen mussten. Nur wenig besser sieht es bei den Schweinen aus: 81 Tonnen des Eiweisses im Futter werden importiert, das sind rund 61 Prozent.
Mit meiner Motion darf alles verkauft werden wie bisher, es gelten alle Labels wie Bio Suisse oder IP-Suisse wie bisher, die Herkunftsbezeichnung Schweiz darf aber nur noch vergeben werden, wenn ein Mindestanteil des Futters in der Schweiz gewachsen ist.
Ich danke Ihnen für die Zustimmung zu meiner Motion.