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preparatory:AB 319582

Wyss Sarah · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2023-05-04

Wortprotokoll

Es sind über zehn Jahre verstrichen, seit die Volksinitiative "6 Wochen Ferien für alle" abgelehnt wurde, zehn Jahre, seit viele Gegnerinnen und Gegner immer wieder sagten: Sechs Wochen Ferien für alle - das doch eher nicht, aber man kann darüber sprechen, ob es für gewisse Gruppierungen, beispielsweise Lernende, so sein könnte. Heute können Sie mehr als nur darüber sprechen; heute können Sie darüber entscheiden und Nägel mit Köpfen machen.

Ich muss zugeben: Als ich diese Motion eingereicht habe - das war vor zwei Jahren -, war der Fachkräftemangel noch nicht so stark und omnipräsent. Heute ist er es. Deshalb ist das Anliegen noch viel wichtiger geworden. Wir befinden uns mitten in einer Zeit des Fachkräftemangels. Ein Grossteil der betroffenen Berufe wird mittels einer Berufslehre erlernt. Heute haben Sie also die Chance, Lernenden sechs Wochen Ferien zu geben, damit wir gemeinsam dem Fachkräftemangel nachhaltig entgegentreten können. Denn wir haben als Gesellschaft, aber auch in der Wirtschaft ein grosses Interesse daran, die Berufslehre noch attraktiver auszugestalten. Sechs Wochen Ferien wären ein Puzzlestein. Anders als ihre Freunde, welche eine weitergehende Schule besuchen, haben Lernende nicht dreizehn Wochen, sondern meist nur fünf Wochen Ferien. Und an den Arbeitstagen ist längst nicht Schluss nach dem Ausstempeln. Das Lernen für Prüfungen beschäftigt auch in der Freizeit, insbesondere wenn daneben noch eine Berufsmatura angestrebt wird. Die Belastung der Lernenden ist gross. Sechs Wochen Ferien sind also auch eine Massnahme für den Gesundheitsschutz.

Grosse Schweizer Firmen und immer mehr auch kleinere haben bereits reagiert und bieten freiwillig eine zusätzliche Ferienwoche an. Das ist auch richtig so. Aber ich möchte gleich lange Spiesse für alle Lernenden, auch für diejenigen in kleinen KMU. Deshalb möchte ich auch kleineren KMU, die sich [PAGE 878] eine solche sechste Ferienwoche vielleicht finanziell nicht leisten können, einen Anreiz bieten. Hier soll der Bund eine Lösung anbieten, um diese KMU auch zu unterstützen.

Die Motion führt also zu einer Win-win-Situation für alle. Erstens für die Lernenden: Sie erhalten mehr Zeit zur Erholung und zum Lernen; die Berufslehre wird dadurch attraktiver. Zweitens für die Betriebe: Sie können unabhängig von ihrer Grösse und ihren finanziellen Möglichkeiten sechs Wochen Ferien anbieten und werden, wenn notwendig, finanziell dafür unterstützt. Dadurch können sie auch mit Grossunternehmen mithalten. Und drittens für die Wirtschaft, weil wir genügend Fachkräfte ausbilden und die Wirtschaft so weiter funktionieren kann.

Ich bitte Sie also, diese Motion anzunehmen und sechs Wochen Ferien für alle Lernenden zu ermöglichen.